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Gucci-Chef Mark Lee : „Made in Italy bleibt“

  • Aktualisiert am

Gucci-Eröffnung in New York: Madonna kam „freiwillig” Bild: REUTERS

Mehr Quadratmeter, weniger Etagen: In New York wurde der größte Gucci-Laden der Welt eröffnet. Gucci-Chef Mark Lee spricht im Interview über die Erfolgsaussichten des noblen Geschäfts und den Vorteilen eines stringenten Designs.

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          Mehr Quadratmeter, weniger Etagen: In New York ist der größte Gucci-Laden der Welt eröffnet worden. Gucci-Chef Mark Lee spricht im Interview mit Alfons Kaiser über die Erfolgsaussichten des noblen Geschäfts auf dem umkämpften Luxusmarkt in Manhattan, den Vorteilen eines stringenten Designs und darüber, dass Glamour der Marke nicht schadet.

          Sie haben in New York den größten Gucci-Laden der Welt eröffnet. Gibt es eigentlich in Manhattan noch größere Geschäfte einer einzelnen Marke?
          Wenige. Tiffany's gleich nebenan zum Beispiel ist größer.

          Ihr Geschäft ist fast 4300 Quadratmeter groß. Lohnt sich die Investition? Boss zum Beispiel hat sein Geschäft ein paar Schritte weiter gerade aufgegeben.
          Das lohnt sich auf jeden Fall. Man muss das in der langen Geschichte von Gucci in New York sehen. Schon vor 35 Jahren hatten wir in Manhattan drei Geschäfte. Dann hatten wir den großen Laden an der Ecke von Fifth Avenue und 54. Straße, der jetzt geschlossen wurde. Er lief über fünf Etagen, war also unglücklich geschnitten. Nun können wir Accessoires, Männer und Frauen jeweils auf einer der drei Etagen darstellen. Wir sind eine extrem profitable Firma. Bei solchen Zahlen bleibt nicht viel Raum für Eitelkeiten. Der Shop ist wunderbar fürs Image - aber er wird sich auch im Verkauf niederschlagen.

          Lange scheinen solche Läden aber nicht zu halten. Das jetzt geschlossene Geschäft wurde erst im Jahr 2000 renoviert wiedereröffnet.
          Ja, alle sieben, acht Jahre muss man das Konzept überarbeiten.

          ... und brachte Tochter Lourdes Leon gleich mit
          ... und brachte Tochter Lourdes Leon gleich mit : Bild: AP

          Sie machen etwa 70 Prozent der Umsätze in eigenen Geschäften. Das ist sehr viel. Die meisten Luxuslabels verkaufen viel mehr über Multibrandstores. Was sind die Vorteile?
          Wir haben die Kontrolle über den ganzen Vertrieb. In den 233 Geschäften auf der Welt, die wir selbst führen, können wir alle Produkte darstellen. Zudem hören wir jeden Tag direkt von den Kunden, was ihnen gefällt oder was nicht. Das sind wertvolle Informationen. Wir haben, obwohl wir eine große Marke sind, vieles unter direkter Kontrolle. Und deshalb eröffnen wir auch weiterhin viele Geschäfte: Im Jahr 2004 hatten wir 198 in eigener Regie, seitdem sind es 35 mehr geworden. Übrigens waren wir bei Gucci schon immer Einzelhändler, seit dem ersten eigenen Laden vor 87 Jahren in Florenz.

          Besonders in den neuen Märkten legt der Gucci-Umsatz stürmisch zu, in China im Jahr 2007 sogar um mehr als 100 Prozent . . .
          Ja, unser Gesamtumsatz ist in den letzten drei Jahren um 46 Prozent gestiegen. Aber China ist jetzt im vierten Jahr in Folge das Land, in dem wir am schnellsten zulegen. Auch Indien, Russland und der Mittlere Osten entwickeln sich sehr erfreulich.

          Das heißt, Sie müssen jetzt als Chef noch mehr reisen als bei Ihrem Antritt vor gut drei Jahren?
          Ja, nach China mindestens zweimal im Jahr, im April wieder für zehn Tage. Wir eröffnen Geschäfte nicht mehr nur in Peking oder Schanghai, sondern auch in Xian oder Chengdu. Meine Mitarbeiter sagen dann, das seien kleinere Städte. Aber sie haben sieben oder zehn Millionen Einwohner. Und ich dachte immer, New York sei groß . . .

          Werden sich die Hoffnungen erfüllen, die viele Luxusmarken auf China setzen?
          Man kann nicht immer um 100 Prozent wachsen. Aber China wird sicher einer der größten Märkte der Welt werden, sei es in fünf, in zehn oder in 15 Jahren.

          Seit Sie Gucci führen, arbeiten Sie mit Frida Giannini als Designerin zusammen. Nun hat sie als Chefdesignerin sogar die Gestaltung dieses Ladens verantwortet. Als Architektentochter fiel ihr das nicht schwer, sagt sie. Aber muss ein Designer wirklich die ganze Marke bestimmen?
          Als ich Ende 2004 zu Gucci zurückkam, war sie für die Accessoires zuständig. Ich sah sofort, dass sie sehr smart und talentiert ist. Nach vier Monaten hat sie dann auch die Damen übernommen . . .

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