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Gisele Bündchen : Das Übermodel wird 30

  • -Aktualisiert am

Im Jahr 2006 war sie das Gesicht des „Otto-Katalogs” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Früher ein Landei, heute das bestbezahlte Model der Welt: Gisele Bündchen, die Brasilianerin mit deutschen Wurzeln, wird 30 Jahre alt und gehört immer noch zur ersten Liga der Modewelt. Zurecht - sagen frühere Weggefährten.

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          Gisele Bündchen nennt es „15 Jahre Karriere“. Ein deutscher Modelagent nennt es „15 Jahre brasilianischer Terror“. Der „Brazilian moment“ der Modelgeschichte scheint also angesichts all der Russinnen, Norwegerinnen und neuerdings auch Deutschen langsam vorüber zu sein. Aber Gisele Bündchen, die am Dienstag ihren 30. Geburtstag feiert, hat mit ihrem Selbstlob recht. Sie leuchtet trotz all der Siebzehnjährigen als heller Stern des Südens über der Szene - und führt die Liste „Top Icons“ der maßgeblichen Website models.com vor Kate Moss, Natalia Vodianova, Claudia Schiffer und Carolyn Murphy an. Zum fünfzehnjährigen Berufsjubiläum und zum 30. Geburtstag lohnt sich also ein Rückblick auf die Anfänge des Übermodels mit den höchsten Gagen, der Königin des Laufstegs, des Engels aus Brasilien.

          Im Jahr 1994 war die damals 14 Jahre alte Gisele mit zwei ihrer fünf Schwestern und ein paar Freundinnen für eine Exkursion im Rahmen eines Modelkurses in São Paulo unterwegs. Dort hatten sich schon die Scouts eingefunden, unter ihnen John Casablancas, damals Chef der Agentur Elite, der Erste, der in Brasilien systematisch nach Models fürs internationale Geschäft suchte. Er sah Gisele in einer Shopping Mall. „Brasilien ist eine Goldgrube für Modelscouts“, sagt Casablancas, der mit einer Brasilianerin verheiratet ist und einen großen Teil des Jahres in seinem Haus in Rio de Janeiro verbringt. Zwar seien brasilianische Frauen von ihren physischen Merkmalen her keine typischen Models. „Sie haben aber eine Persönlichkeit und eine Einstellung, die extrem anziehend auf Menschen aus der ganzen Welt wirken“, sagt der mittlerweile 67 Jahre alte Modelfinder. „In den späten achtziger Jahren bemerkte ich, dass es einige dieser jungen Frauen gab, die meisten von ihnen mit deutschen, Schweizer oder italienischen Wurzeln, die nicht nur brasilianische Attribute mitbrachten, sondern auch das Gewicht, die Größe und die Maße eines Models.“

          Bündchens Traummaße: 86-61-86

          So auch Gisele Caroline Bündchen, deren Vorfahren aus Deutschland nach Brasilien ausgewandert waren. Das 1,80 Meter große Mädchen mit mittelblonden Haaren hatte den Modelkurs vor allem auf Wunsch ihrer Mutter besucht, die sich davon angeblich eine bessere Körperhaltung für ihre Töchter versprach. Gisele war eine begeisterte Volleyball-Spielerin, ihr großes Ziel war die brasilianische Nationalmannschaft, ihr Vorbild eine der besten Volleyballerinnen Brasiliens, Ana Mozer. Bündchen spielte genau wie sie auf der Angriffsposition.

          Im Jahr 2006 war sie das Gesicht des „Otto-Katalogs” Bilderstrecke

          Ihre Freunde nannten sie Olivia, nach der hochgewachsenen dünnen Freundin von Popeye. Die Vierzehnjährige aus Horizontina im Bundesstaat Rio Grande do Sul fand vor allem ihre Nase zu groß. Doch Bündchens Traummaße von 86-61-86 schienen der Jury zu gefallen. Sie war eines von fünf Mädchen, die sich in Porto Alegre für das nationale Finale in São Paulo qualifizierten. Noch hatte sie jedoch den Traum vom Volleyball im Blick und blieb nicht einmal für die After-Show-Party, weil sie am nächsten Tag ein Turnier mit der Schulmannschaft hatte. Hier kannte sie sich aus und fühlte sich wohl, in der Welt der Mode kam ihr hingegen noch so manches kompliziert vor - zum Beispiel wurde nur Englisch gesprochen. Nachdem sie sich für das internationale Finale auf Ibiza qualifiziert hatte, erreichte sie dort eine Plazierung unter den besten zehn und damit genug Sicherheit, um es als Model zu versuchen. Schweren Herzens verließ sie ihre große Familie, um allein nach São Paulo zu ziehen. Die Tochter des Universitätsprofessors Valdir Bündchen und seiner Frau Vânia Nonnenmacher hatte ihre Kindheit mit den fünf Schwestern Raquel, Graziela, Gabriela, Rafaela und Patrícia auf dem Lande verbracht: Ihre Geburtsstadt Três de Maio zählt rund 20 000 Einwohner.

          Ihre Zwillingssschwester Patricia ist die Managerin des berühmten Models

          Besonders die Trennung von ihrer Zwillingsschwester Patrícia, die am 20. Juli 1980 fünf Minuten vor ihr per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurde und ihr kaum ähnlich sieht, fiel ihr nicht leicht. Patrícia Bündchen ist seit 2007 die Managerin ihrer prominenten Schwester und betreibt die „Celebrity Agency“. Als Sprecherin flüchtet sie sich in Interviews nun am liebsten in Allgemeinplätze: „Das ModelgGeschäft ist genauso wie jedes andere, allerdings muss man zum Beispiel mit dem Ego der Leute klarkommen.“

          Kaum war Gisele Mitte der Neunziger erfolgreich, wechselte sie zur New Yorker Agentur IMG. Casablancas hat ihr das bis heute nicht verziehen: „Einerseits ist die Atmosphäre in der brasilianischen Modewelt einfach toll für Anfänger: großartige Fotografen, Stylisten, Designer, Magazine, Kampagnen. Auf der anderen Seite ist es ein Mikrokosmos, in dem manche Leute sich einfach viel zu wichtig nehmen und in dem sich manche Models schlechte Eigenschaften angewöhnen.“

          Vor 15 Jahren erschien Bündchens allererstes Coverfoto

          Auch Gustavo Malheiros kennt die brasilianischen Supermodels von Anfang an. Der Fotograf aus Rio de Janeiro war einer der Ersten, die Gisele Bündchen, Adriana Lima und Alessandra Ambrosio fotografierten. „Alle waren sehr schön, aber Gisele stach heraus“, sagt Malheiros. „Sie hatte einen fest entschlossenen Blick und mehr Attitüde als die anderen.“ Damals war Gisele 15 Jahre alt und ihre Nase ein klein wenig größer als heute. „Außerdem waren die Mädchen noch unschuldiger. Sie haben sich noch gefreut, wenn man sie fotografiert hat.“

          Vor 15 Jahren erschien Bündchens allererstes Coverfoto: Sie zierte den Juli-Titel der Zeitschrift „Capricho“. Seitdem war sie auf mehr als 7000 Titeln und so oft wie keine andere auf der amerikanischen „Vogue“. Ihre Anfangsjahre im Modelgeschäft nennt sie aber schwierig. Sie habe viel Durchhaltevermögen beweisen müssen und wurde oft auch abgelehnt.

          Die Bestverdienerin unter den Supermodels

          Im Jahr 1997 zog Gisele endgültig nach New York. Auf den Laufstegen war sie eine auffällige Erscheinung, und auch für Werbeaufnahmen wie für Calvin Klein oder L'Oréal wurde sie gebucht. Schon 1999 wurde sie zum „Model des Jahres“ gewählt. 2000 schloss sie einen Fünfjahresvertrag mit Victoria's Secret - der erst 2007 endete, da sie zu hohe Gagen (8,7 Millionen statt wie bisher fünf Millionen Dollar pro Jahr) verlangt habe. Ihre Geschäftstüchtigkeit beweist auch ein Blick auf die aktuelle Forbes-Liste, die Bündchen wieder als Bestverdienerin unter den Supermodels anführt. Seit Juni 2009 erwirtschaftete die Brasilianerin, der die Modehäuser ihre Werbung für Kosmetik nicht übelzunehmen scheinen, rund 25 Millionen Dollar. Ein Zubrot verdient sie mit ihrer Sandalenkollektion Ipanema, die ihr allein 2008 rund sechs Millionen Dollar einbrachte. Gisele, die Initialzündung des „Brazilian moment“, hat die brasilianische Epoche auf den Laufstegen in die Länge gezogen. „Viele sind immer noch da, Isabelle, Alessandra, Ana Beatriz“, meint Casablancas. „Aber Gisele hält sich am längsten.“

          Im Privatleben hat Gisele Bündchen den konventionellen Weg gewählt. Sie war schon mit ihrem Modelkollegen Scott Barnhill, dem Billionär João-Paulo Diniz, dem Schauspieler Josh Hartnett und dem Star Leonardo DiCaprio liiert. Seit Ende 2006 ist sie mit dem Footballspieler Tom Brady zusammen. Am 26. Februar 2009 heiratete sie den Quarterback der New England Patriots, am 8. Dezember 2009 kam ihr gemeinsamer Sohn Benjamin zur Welt. Ihre vielen Rollen als Ehefrau, Mutter und Model scheinen sie nicht zu schrecken: Schon im Februar lag sie für Bikinifotos vor der Kamera.

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