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Giambattista Valli : Der Oscar-Kandidat

Um privilegiert zu sein, arbeitet er zu viel. Er ist halt selbständig, sehr selbständig. Giambattista Valli muss nicht wie Raf Simons, ein ebenso begnadeter Designer seiner Generation, ein altes Modehaus neu interpretieren. Er kann aber auch nicht in Archive hinabsteigen, kann nicht mit Dutzenden Näherinnen arbeiten, hat nicht die Unterstützung eines großen Konzerns. Im Showroom flüstert die PR-Frau: Er ist jetzt offizielles Mitglied der Haute Couture, eine große Ehre. Er bringt im Herbst ein Buch über sein Leben heraus. Er macht alles selbst.

„Es stimmt nicht, dass man alleine kein Modehaus gründen könnte. Man muss nur eine besondere Idee haben. Dann kann man es entwickeln, mit Shows und Verkauf. Wichtig ist nur: Wenn man beginnt, muss man sich ganz frei ausdrücken können, um seinen eigenen Standpunkt zu finden. Wenn man schon mit einem Investor startet, wird man immer in eine Richtung gehen und nicht einfach seine eigenen Ziele verfolgen. Wenn man es so macht, wie man will, heißt das oft auch, dass man mit einer Idee beginnt – und dass am Ende, zur Schau, etwas ganz anderes dabei herauskommt. Denn ich will immer offen sein, offen fürs Leben. Man kann die Energie nicht stoppen, sie muss fließen.“

„Ich bin nicht besessen von Prominenten“

Eine Wendeltreppe führt zum zweiten Stockwerk, wo eine Nähmaschine rattert. Die Petites mains, vier Näherinnen, sitzen an den Nähten, dicke Brillen, viel Tageslicht, trotzdem Neonlampen. Gleich hinter den Näherinnen sein Atelier, mit Ausblick auf den schmucklosen Innenhof. Zeichnungen auf dem Tisch, ein Porzellan-Affe in Denkerpose, Fünfziger-Jahre-Fotos. Giambattista Valli trägt auch heute schwarz. Einziger Schmuck: eine Perlenkette. Im hinteren Eck stand gerade noch eine Büste mit plissiertem Cocktailkleid. Aber das brachte nun nichts, denn der Lampenschalter ist hinter dem Schrank, der Schrank lässt sich nicht verschieben, und ohne Licht kann man nichts sehen. So viel erkennt man aber doch: Das wäre auch ein gutes Oscar-Kleid!

Er liebt die Stars, wie hier Anne Hathaway in Valli vor vier Wochen.

„Ja, ich mag es, wenn Celebritys meine Kleider tragen. Denn sie sind nicht Göttinnen wie die Models, sondern Göttinnen eigenen Rechts. Aber ich bin wirklich nicht besessen von Prominenten. Ich glaube, beides ist falsch: zu viel auf berühmte Frauen zu setzen oder gar nicht mit ihnen zu arbeiten. Es ist wirklich vulgär, dauernd alle großen Namen auszustatten. Man muss doch auswählen. Ich schaue übrigens nie Fernsehen. Auch nicht in der Oscar-Nacht! Das kann ich garantieren. Ich werde im Bett ein Buch lesen und dann schlafen.“

Er hat genug zu lesen. Francesca Ruffini, die Frau des Moncler-Chefs, für den er arbeitet, „eine der elegantesten Frauen, die es gibt, noch dazu intellektuell“, liest viel. Jedes Jahr zu Weihnachten schenkt sie ihm ein Paket mit mindestens 30 oder 40 Büchern, die sie übers Jahr gelesen hat und ihm zur Lektüre empfiehlt. Im Austausch gibt er ihr Antonioni-Filme oder den Episodenfilm „Le streghe“. Mit bewegten Bildern kennt er sich besser aus.

„Viele Designer wollen der Presse gefallen. Wir müssen aber den Kundinnen gefallen. In der Mitte der Modewelt ist nichts. Wenn normale Leute darauf blicken, sehen sie Freaks. Man muss den Zeitgeist packen. Aber man muss vor allem an die Kundin denken. Es gibt nicht zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu jung, zu alt, zu blond, zu dunkel. Ich bin offen für alle.“ Solche Sätze hört natürlich fast jede Frau gern.

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