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Giambattista Valli : Der Oscar-Kandidat

Sogar die Couture, hier für Frühjahr und Sommer, gerät ihm tragbar.

„Ich suche nach einer Haltung, die nicht angestrengt aussieht. Viele Kleider sind so schwer. Wenn ich Couture-Kundin wäre, liefe ich weg bei 5400 Perlen auf einem Kleid. Allein das Gewicht! Auch wenn man 500 Stunden an einem Kleid arbeitet: Es muss so aussehen, als wäre es in einer Nacht entstanden. Das gibt meiner Maßschneiderei die Frische: Sie muss leicht sein. Ich habe ein riesiges Wissen von der Couture, weil ich lange darin gearbeitet habe. Aber es muss leicht wirken. Ich liebe die Leichtigkeit, das Gewicht der Leichtigkeit.“

Buckel und Berge als ästhetisches Konzept

Im Showroom gehen junge Araberinnen ein und aus. Sie haben die Schau gesehen, haben sich ein Kleid ausgesucht und probieren es nun an. Oder ein anderes. Von hier oben hat man einen Blick in die Galerie und auf die Boutique. Die Couture ist bei dieser Marke kein Spielzeug zur Markenbildung, sondern dient dem Verkauf. Deshalb ist in der Kollektion fast alles tragbar. Und deshalb ist hier gerade so viel los.

Als Giambattista Valli, 1966 geboren, 2005 seine Marke gründete, also mit fast 40 Jahren und viel Erfahrung, stand er doch wieder am Anfang. Man machte sich lustig über die Beulen und Berge an den seltsamsten Stellen seiner Kleider. Schnell haben sich dann auch durch ihn die Sehgewohnheiten geändert. Viele Designer erkennen nun, dass abstehende Formen, die einst als avantgardistisch galten, als japanisch und weltabgewandt, der Mode eine dritte Dimension geben. Valli hat die Buckel und Berge zum ästhetischen Konzept erhoben, das ihn vor Flachheit bewahrt. Man muss die Kundinnen auch mal herausfordern. „Erst sind die Leute schockiert. Dann bekommt es Charme. Schließlich wird es zum Markenzeichen.“

Beim Defilee zwei Abende zuvor. Alle sind da, „Vogue“ bis „Figaro“, „New York Times“ bis „Corriere della Serra“. Kundinnen aus aller Welt. Und: Salma Hayek, Gattin des Luxuskonzern-Chefs François-Henri Pinault. Steht da eine Übernahme durch den PPR-Konzern bevor, der auch schon Gucci, Alexander McQueen, Bottega Veneta, Yves Saint Laurent gekauft hat? Und: Jaime de Marichalar, geschiedener Mann der Infantin Elena von Spanien, nun für LVMH tätig, den Luxuskonzern, der gerade auch Hermès recht feindlich übernehmen will. Was wollen die hier?

„Haha! Salma kenne ich seit Ewigkeiten. Ich habe sie schon bei Ungaro oft eingekleidet. Sie ist ja eine freie Frau, und sie wählt immer gut aus. Der spanische Prinz? Wir sind beide Freunde des Künstlers Francesco Clemente, und wenn wir in New York sind, treffen wir uns bei ihm. Ich weiß ja noch nicht mal, für wen er arbeitet. Ich bin schließlich Römer und lade viele ein. Wir kennen ja keine Etikette wie die Pariser. Wir sind einfach frei.“

Er ist selbständig, sehr selbständig

Aus eigener Kraft eine Modemarke aufzubauen, so heißt es immer, sei heute so gut wie unmöglich. „Es ist schöner, viel zu tun zu haben, als gar nichts zu tun zu haben“, meint Giambattista Valli dazu. Und viel hat er zu tun: „Jeder will was von mir.“ Allein in diesen Tagen: Er ist in Mailand, um für Moncler seine Kollektion „Gamme Rouge“ vorzubereiten (und so nebenher Geld zu verdienen). Er ist in Paris, zum Fitting für die Prêt-à-porter-Kollektion, zur Couture-Schau, für die Kundinnen. Er ist in New York, zur Schau für die Linie „Gamme Rouge“. Dann folgt auch schon bald das Prêt-à-porter-Defilee in Paris. Je größer die Firma wird, desto fragiler wird das Verhältnis zur Kundin. Daher redet er mit den Verkäufern seiner Boutique und den Einkäuferinnen aus aller Welt: „Ich will verstehen, was gewünscht wird.“

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