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Giambattista Valli : Der Oscar-Kandidat

Modemacher aller Altersstufen

Im vergangenen Jahr hatte er seinen ersten großen Auftritt bei der Oscar-Feier, in Gestalt von Emma Stone. „Sie war eine Herausforderung, sehr jung, nicht so weiblich, also brachten wir Frische rein.“ Rotes Kleid, große Blüte an die Schulter gestickt. „Wollen wir mal hoffen, dass es auch dieses Mal klappt.“ Die Vorbereitungen scheinen ihn in Vorfreude zu versetzen: „Hier haben heute Morgen schon regelrechte Kämpfe stattgefunden.“ Denn aus der Couture-Kollektion wird in jede Weltregion nur ein Kleid gegeben. Und Nordamerika ist eine Weltregion. Das eine Kleid will jetzt nicht nur eine haben.

„Die Frauen wollen nicht unbedingt einen bestimmten Look aus der Kollektion. Sie haben ein paar allgemeine Vorstellungen, die ich dann verwirkliche. Man muss sich das vorstellen wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten: Wir sprechen und sprechen, sie bewegt sich ein bisschen, ich versuche die Stärken und die Schwächen herauszufinden. Die Kundinnen kommen aus aller Welt. Europa, Russland, Mittlerer Osten, Nordamerika, also Houston, Dallas, Chicago, Boston, Los Angeles, New York. Oh, Telefon. Ah, das ist Lee Radziwill. Nein, da gehe ich jetzt nicht dran.“

Der Modemacher, der nicht ans Handy geht, wenn die Schwester  von Jackie Kennedy anruft, bedient eben auch alle Altersstufen: Lee Radziwill wird Anfang März 80 Jahre alt. Vielleicht fürchtet er sich auch ein bisschen vor dem Telefonat. Denn sie war in seiner Schau und will wahrscheinlich ebenfalls gerade das Kleid der Kleider bestellen, wie alle anderen. „Am Ende ist es wirklich so: Ich kann 40 oder 45 Looks machen, und alle wollen nur ein bestimmtes Kleid haben. Ich verstehe es bis heute nicht. Mit den Moderedakteuren, die Shootings vorbereiten, ist es das gleiche. Immer nur den einen Look.“

Die erste Liebe vergisst man nicht

Giambattista Valli stammt aus Rom. „Meine Familie hatte nichts mit Mode zu tun. Und das ist gut so.“ Der Vater war bürgerlich, die Mutter aus aristokratischer Bohème. Aber was hat das schon zu sagen? Als kleiner Junge war er sogar in einer Schule im Vatikan, weil sein Großvater dort gearbeitet hatte. Aber das will er alles gar nicht so ausbreiten. „Für mich gibt es keine Rasse, keine Religion. Das einzige, was ich für mich gelten lasse: eine Haltung, die aus der Zeit stammt, als Rom einem Imperium vorstand.“

Aus seiner persönlichen Vergangenheit bringt er auch noch etwas mit, von seinen beiden Lehrmeistern. Bei Roberto Capucci, dem großen Außenseiter der römischen Mode und genialen Formenfinder, erwarb er (von 1988 bis 1990) den Sinn für Proportionen. „Die erste Liebe vergisst man nicht“, sagt er über die Lehrjahre dort, denen Stellen bei Fendi und Krizia folgten. Von Emanuel Ungaro, dem Couturier, der ebenfalls aus Italien stammt und nach Paris ging, lernte er (von 1997 bis 2001), wie die Stoffe fließen und schimmern. „Hier in Paris ist das wirklich alles wichtig“, sagt Giambattista Valli. „Die Couture ist die Krone der Schöpfung, und es gibt eine wahnsinnige Liebe zur Tradition.“ Auch Valentino, ebenfalls aus Rom, zeigte seine Kollektionen in Paris. Und sein großes Vorbild ist ohnehin, pariserischer geht es nicht, Yves Saint Laurent.

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