https://www.faz.net/-hs1-72v0n

Gabriele Strehle hört bei Strenesse auf : Abschied vom Laufsteg

Und was jetzt? Gabriele Strehle im Jahr 2006. Bild: Helmut Fricke

Nach über 30 Jahren verabschiedet sich Gabriele Strehle als Chefdesignerin der Marke Strenesse – doch ihr Abgang kam für die Branche nicht unerwartet.

          Kürzer als sie hielt es kaum jemand auf dem Laufsteg aus. Während sich die Männer von Michael Kors bis Ralph Lauren in der vergangenen Woche wieder minutenlang feiern ließen nach ihren Schauen, während Jil Sander nächste Woche bei ihrer Damenmode-Premiere nach sieben Jahren Pause wenigstens die Hände wie beim Yoga zusammenpressen und sich leicht verbeugen wird, musste man bei Gabriele Strehle genau hinschauen: Nach den Strenesse-Schauen guckte sie nur für eine Sekunde hervor. Und jetzt ist sie auch noch ganz in den Kulissen verschwunden.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          „Gabriele Strehle“, so teilte das Unternehmen am Donnerstag mit, „seit über 30 Jahren Chefdesignerin und Kreativdirektorin der Strenesse AG, hat ihre Entscheidung mitgeteilt, das Unternehmen mit dem 31. Dezember 2012 zu verlassen. ,Ich gehe‘, sagt sie, ,mit großer Dankbarkeit für alles, was sich mir dort an kreativen Möglichkeiten bot, aber auch voll Freude darauf, mit der Kraft der Erfahrung neue Ideen zu verwirklichen.‘“

          Es ist das Ende einer Epoche. Denn die Designerin, die 1951 in Hawangen im Allgäu geboren wurde, in Memmingen Maßschneiderin lernte, in München an der Meisterschule für Mode studierte, 1973 zu Strenesse kam, 1975 dort Chefdesignerin wurde und 1985 Inhaber und Geschäftsführer Gerd Strehle heiratete, gehört zu den fünf wichtigsten deutschen Modemachern der letzten Jahrzehnte - nach und neben Karl Lagerfeld, Jil Sander, Wolfgang Joop, Tomas Maier.

          Der Abschied kam nicht unerwartet. Denn von ihrem Mann, der seit April Aufsichtsratsvorsitzender ist, war Gabriele Strehle getrennt. Zu ihrer Stieftochter Viktoria, die bis zur Geburt ihres ersten Kindes Ende vergangenen Jahres die Zweitlinie „Strenesse Blue“ entwarf, stand sie in natürlicher Opposition. Und ihr Stiefsohn Luca Strehle, der neue CEO, muss das Strenesse-Portfolio bereinigen.

          Das Unternehmen machte im vergangenen Geschäftsjahr noch 70 Millionen Euro Umsatz. Betriebsbedingte Kündigungen konnte Luca Strehle vermeiden, aber 15 von rund 400 Mitarbeitern müssen gehen. „Es ist eine andere Welt geworden“, sagt er. „Wir müssen uns auf einen immer stärker fragmentierten Markt einstellen, uns verschlanken und konzentrieren.“

          Die Zweitlinie „Blue“ wird gestrichen. Von der Saison Herbst und Winter 2013 an gibt es nur noch die Kernmarke „Strenesse“ ohne den Zusatz „Gabriele Strehle“, der ohnehin erst 1998 hinzugefügt worden war. „Die Marke“, sagt Luca Strehle, „wird auf eine einheitliche Zielgruppe ausgerichtet sein und diese mit elegant femininer Businessmode und sportlicher Casualmode bedienen.“ Der Schritt ist logisch, weil für mehrere Linien Kraft und Größe fehlen.

          „Der Name ist nach wie vor großartig“, meint Sabine Spieler von der „Textilwirtschaft“. „Es ist eine der wenigen tollen deutschen Premium-Marken.“ Aber zur Weiterentwicklung der Marke braucht man einen starken Designer, der dennoch gern in die Niederungen von Preisgestaltung und Kollektionsrahmenplänen steigt. Ob es so jemanden in Deutschland gibt?

          Und was wird aus Gabriele Strehle? Unklar. An der langen Karriere der anderen großen deutschen Modemacher erkennt man jedenfalls: Für einen Neuanfang ist es nie zu spät.

          Weitere Themen

          Überall unterwegs

          Die Outdoor-Schwestern : Überall unterwegs

          Der Drang zum Abenteuer liegt bei Marion und Tina Meier in der Familie – nun schon in vierter Generation. Ein Besuch bei den Schwestern an der Elbe, hinterm Deich.

          Road Movie Video-Seite öffnen

          Modestrecke in Italien : Road Movie

          Jella Haase, Clemens Schick und Max von der Groeben sind demnächst im Kriminalfilm „Kidnapping Stella“ zu sehen. Mit uns sind sie an den Lago Maggiore gefahren.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.
          Will ihren WM Titel von 2018 verteidigen: Kickboxerin Marie Lang

          FAZ Plus Artikel: Kickbox-Weltmeisterin Lang : Vom Küken zur Kriegerin

          Als Marie Lang zum Kickboxem kam, war sie ein „megaschüchterner Teenie“ – immer in der Opferrolle, wenn sie in der Disco einer begrapscht hat. Dank ihres Sports und ihres Trainers ist sie nun stark. Nur eines ist geblieben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.