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Frauen der Mode : Natalie Massenet: Die Netz-Werkerin

Mehr als 350 Marken bietet „Net-a-porter” auf ihrer Seite an - auch von jungen neuen Designern Bild: Net-a-porter

In New York beginnt mit der Fashion Week nun offiziell die Modesaison. Auch die Einkäufer der Shopping-Plattform Net-a-porter suchen nach Trends - allen voran die Chefin Natalie Massenet.

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          In Burlington in den Vereinigten Staaten werden gerade braune Schuhe mit Keilabsatz von MiuMiu für 475 Dollar in den virtuellen Einkaufswagen gelegt. In Detmold fasst eine Kundin die zweifarbige Bluse aus Crêpe de Chine von Richard Nicoll für 434 Euro ins Auge. Und in Monaco schlägt eine Frau bei der neuen Linie von Claudia Schiffer zu - und bestellt das Strickkleid aus einer Merino-Kaschmir-Mischung für schlappe 416 Euro.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die "Live"-Weltkarte der Net-a-porter-Website bewegt sich dauernd hin und her. So erkennt der Luxuskäufer, wo auf der Welt gerade wieder ein teures Teil bei dem Online-Händler bestellt wird. Und wer nur so zum Spaß auf das graue Mini-Wollkleid von Diane von Fürstenberg (492 Euro) klickt, in das sich gerade eine Frau in Sankt Petersburg verliebt hat, der ist schon im Luxus-Netz gefangen. Das Kleid wird genau vorgestellt, mit Bildern von allen Seiten. Man sieht, wie man es mit Carven-Mantel und Marc-Jacobs-Tasche kombinieren kann, und man kann die Größen hochrechnen ("das Model ist 177 Zentimeter groß und trägt die amerikanische Größe 2"). Nicht zuletzt ist da natürlich noch der Button "Add to your Shopping Bag". Und schon dreht sich die Weltkarte in die eigene Richtung.

          Ein Model mit Sinn fürs Geschäft

          Natalie Massenet ist zwar gerade verschnupft - seit dem Rückflug vom Griechenland-Urlaub mit ihren Töchtern Isabella und Ava bringt sie kaum noch ein Wort heraus. Aber über die "Live"-Spielerei freut sich die Gründerin von Net-a-porter, die aus London zur gerade beginnenden Modewoche nach New York gereist ist, auch mit krächzender Stimme: "Das ist das digitale Äquivalent zum Laden, wo man ja auch schaut, was andere ausprobieren oder kaufen. Man möchte dann ebenfalls gleich zugreifen." Mit dem Tool kann sie zeigen, dass sie modisch vorneweg ist und ihren Nachahmern in aller Welt voraus - allerdings auch ihren eigenen Nachahmerprodukten, "The Outnet", dem Outlet-Portal für preiswertere Second-Season-Ware, und "Mr. Porter", der Shopping-Neuentwicklung für Männer.

          Natalie Massenet ist Gründerin und Chefin der Shopping-Website „Net-a-porter”

          Schon als sie noch Journalistin war, fiel Natalie Massenet durch ihren unbestechlichen Blick auf die Mode und durch den teuren Geschmack höchster Ansprüche auf. Im Mai 1965 in Los Angeles als Tochter des Models Barbara Jones und des Journalisten Robert Rooney geboren, konnte sie wohl nicht anders. Natalie Rooney, die in Madrid, Paris und Los Angeles aufwuchs, englische Literatur studierte, auch als Model arbeitete und in den Neunzigern als Modejournalistin für "Women's Wear Daily", "W" und "Tatler" tätig war, führte ihr Talent, das Schreiben, und ihr Hobby, das Einkaufen, zusammen: Sie gründete eine Shopping-Website, die wie ein Magazin aussieht.

          Auch die Queen ist begeistert

          Der Anfang war nicht leicht für Net-a-porter. Die Texte verfassten die Londoner Damen in amerikanischem Englisch, damit es weltläufiger klang. Natalie Massenet, die einen Ururgroßneffen des Komponisten Jules Massenet geheiratet hatte, den Investmentbanker Arnaud Massenet (von dem sie sich nach 13 Jahren Ehe in diesem Frühjahr trennte), hatte die Mode drauf. Die Business-Seite ließ sie sich von ihrem Mann erklären. Dabei scheint sie viel gelernt zu haben. Ihr Netz-Werk wuchs und wuchs. Als der Schweizer Luxuskonzern Richemont die Net-a-Porter-Gruppe übernahm, wurde ihr Wert auf rund 420 Millionen Euro geschätzt.

          Im Frühjahr 2010 verkaufte die Gründerin ihren 19-Prozent-Anteil für angeblich 50 Millionen Pfund (heute rund 57 Millionen Euro) an den Konzern. Chefin des Unternehmens ist sie weiterhin. Net-a-Porter erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 120 Millionen britischen Pfund (rund 137 Millionen Euro) und beschäftigt jetzt etwa 1400 Mitarbeiter in London und New York. Massenet, die im November 2009 wegen ihrer Verdienste von der Königin als Member in den Orden des British Empire aufgenommen wurde, ist stolz darauf, dass sich die Firma, die in der Richemont-Gruppe weiter unabhängig ist, aus ihren eigenen Mitteln finanziert und weiter entwickelt.

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