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FAZ.NET-Fernsehkritik : Ein Land ist so schlau und sieht rot

Germany's Next Topmodel: Barbara Meier, daneben Heidi Klum Bild: dpa

Die Klum findet „Germany's Next Topmodel“ und Kerner sucht die klügsten Deutschen. Immerhin: Die Schönste ist auch intelligent, die siegreiche Barbara studiert Mathematik. Meister der Herzen aber wurde ein anderer: Bruce Darnell, der weinende Choreograph. Von Marco Dettweiler und Uwe Ebbinghaus.

          4 Min.

          Was hat Fernsehdeutschland in letzter Zeit nicht alles gesucht und gefunden. Die No Angels waren mal Popstars, Mark Medlock versucht sich als Superstar, Guildo Horn und Motsi wollen ein Traumtänzerpaar werden, und nun ist die rothaarige Mathematikstudentin Barbara Meier aus Regensburg Deutschlands nächstes Topmodel.

          Nicht nur die privaten Sender nehmen sich kontinuierlich das Recht heraus, einen superlativen Deutschen zu suchen, der dazu noch top ist, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen wollen ständig „Unsere Besten“ finden. Johannes B. Kerner hatte sich zur gleichen Zeit im ZDF gefragt: „Wie schlau ist Deutschland?“. (Siehe auch: FAZ.NET-Fernsehkritik: Kerners Intelligenztest)

          Bei „Deutschland sucht den Superstar“ wurde die Wahl noch durch Anrufer legitimiert, die pro Stimme knapp 50 Cent ausgaben, um ihren Favoriten zum Thron zu schicken. Demokratisch ist das nicht, denn finanziell gut gestellte Anrufer können tausend Stimmen abgeben, sich also ihren Anteil an den Vorzeigedeutschen erkaufen. Im Gegensatz zu DSDS entscheidet bei „Germany's Next Topmodel“ ausschließlich die Jury stellvertretend für Deutschland: Heidi Klum, das erfahrende Supermodel, Bruce Darnell, der weinende Choreograph, Peyman Amin, der schlecht gelaunte Model-Agent und Boris, der wuschelköpfige Visagist.

          Schönes Schwarz-Rot-Gold

          „Schwarz-rot-goldenes Finale“

          Diese vier Jurymitglieder hatten sich für drei Mädchen im Finale entschieden. Damit es auch die letzten Zuschauer verstehen konnten, machte Peyman die unmissverständliche Aussage, dass „Deutschland endlich sein schwarz-rot-goldenes Finale“ habe. Es dürfte also kein Zufall gewesen sein, dass gerade drei Models mit schwarzen, roten und blonden Haaren im Finale den Laufsteg betraten. Verschwörungstheorien müssen erst gar nicht herangezogen werden, ProSieben hat selbst verraten, wie ein Konzept für das Finale die individuelle Auswahl bestimmt hat.

          Warum Heidi und ihre Jury nun ausgerechnet Barbara ausgewählt haben, erschließt sich dem Zuschauer nicht unbedingt. Verständlicherweise scheiterte die Jury schon mit ihren Statements, um wirkliche Unterschiede zwischen den drei Finalistinnen sprachlich deutlich zu machen. Die Mädchen waren alle „sexy“, „toll“, „fantastisch“, „schön“, und „kreativ“. Sie hatten eine knackige Figur mit hervorragendem Hüftschwung, nett waren sie auch noch.

          Als Hanna als erste ausscheidet, werden die Fotoshootings als Kriterium genannt. Warum sie während der Aufnahmen weniger gut war als die anderen, wird nicht erklärt. Dass Anni nicht die zweite Staffel gewinnen konnte, erklärt sich hingegen von selbst. Sie wäre eine Kopie von Lena Gercke, der Gewinnerin der ersten Staffel: das blonde, hübsche Mädchen von nebenan. McDonald's wollte die Wahl der leckeren Barbara vielleicht nicht erklären, aber sich sicherlich darüber freuen. In einem Werbespot, der seit einigen Wochen im Fernsehen läuft, spielt neben Heidi Klum die Gewinnerin Barbara mit. Passt doch alles prima.

          Was wagt Heidi Klum schon?

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