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Erfolg mit Taschen für Apple : Hüllen, auf Holz gebaut

Knallblau und Fuchsia, Orange und Taubengrau: Die Farben von Radus Taschen überzeugten auch Apple. Bild: Wonge Bergmann

Als erste Deutsche hat die Jungdesignerin Lili Radu Laptoptaschen für Apple entworfen. Ihr Erfolg fußt auf einer Geschichte, die der Zufall schrieb.

          2 Min.

          Auf das Beste muss man manchmal eben bis zum Schluss warten. Es ist ein Freitagabend im Juli vergangenen Jahres, als die letzten Besucher der Berliner Modemesse Bread & Butter um kurz vor 18 Uhr das Gelände verlassen. Seit etwa einer Stunde ist auch den Ausstellern klar: Hier hat niemand mehr etwas zu suchen. Drei Tage lang haben sie sich, im Namen der Kollektionen, den Mund fusselig geredet und sich die Beine in den Bauch gestanden. Sie beginnen einzupacken. Außer einer. Lili Radu, Taschendesignerin, deren Label etwas über ein Jahr alt ist, bleibt geduldig stehen. „Ich baue immer als Letzte ab.“ Ihr Stand ist winzig. Er misst lediglich fünf Quadratmeter. In den Aufräumarbeiten der Nachbarn, zwischen den Kisten, Karren und Koffern, könnte er untergehen - wären nicht die bunten Börsen und Laptoptaschen.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Letzteren sucht um diese Uhrzeit wirklich noch jemand. Es gesellt sich ein sympathischer Brite in Jeans und T-Shirt an Radus Stand. Er könnte Redakteur bei einem Independent-Titel sein oder in London Turnschuhe verkaufen. Er dreht und wendet Laptoptaschen, stellt Fragen zur Qualität des Leders und lässt die eigenwillige Farbkombination von Knallblau und Fuchsia auf sich wirken. „Irgendwann fragte ich, wer sind Sie?“, erinnert sich Radu. Der Brite: „Ich bin Paul von Apple.“

          „We will stay in contact“

          Nun muss man wissen, dass die 31 Jahre alte Radu ihr Label gründete, weil sie selbst einmal auf der Suche nach einer Laptoptasche war, die sie als Studentin bei anderen Marken nicht finden konnte. Dass ausgerechnet ein Apple-Mitarbeiter, verantwortlich für die Taschen in den europäischen Filialen, Interesse zeigt, ist für Radu so etwas wie ein Traum. Um sie herum rollen mindestens 15 junge Designer ihre Trolleys davon - mit Laptoptaschen im Gepäck. Indem Apple aus Technik einen Lifestyle gemacht hat, wächst der Markt an bunten Chassis, mit denen die Geräte noch modischer wirken. Paul zu Radu, deren Modelle Handtaschen ähneln: „We will stay in contact.“

          Lili Radu verkauft zu diesem Zeitpunkt schon in 15 Läden, sie hat mit Einkäufern zu tun und trotzdem, einer wie Paul ist ihr bislang nicht untergekommen. Der ist auf der Suche nach einer deutschen Marke, der ersten für das Unternehmen aus Kalifornien. Bei Radu könnte er fündig geworden sein. Nur wenige Tage später bestellt er sie in sein Büro nach London. Dort sitzen an einem Tisch vier weitere Mitarbeiter des Weltkonzerns und ihnen gegenüber: der Einfraubetrieb Lili Radu aus Berlin, der dabei ist, nach Frankfurt umzuziehen. Nach fünfzig Minuten hat sie hinreichend begründet, warum eine Laptoptasche zum Beispiel nicht aus Kunst-, sondern aus Kalbsleder gefertigt werden sollte oder warum verrückte Farbspiele funktionieren. Apple: „Wir brauchen fünf Designs innerhalb der nächsten vier Tage.“ Die Amerikaner sind bereit, mit Radu zu kooperieren, einfach so, ohne langes Warten, ohne großartige Verhandlungen. Damit hat Radu wirklich nicht gerechnet, vielleicht weil man als junge Designerin lernt, sich besser nie große Hoffnungen zu machen, weil die Konkurrenz größer ist und ja, Apple in der Welt der Laptoptaschendesigner so etwas wie Goliath ist, der nun also mit einem David zusammenarbeitet.

          Der David in der Geschichte findet derweil eine schlaue Lösung, um für die drei vorgesehenen Modelle die Maße 11 Zoll Air, 13 Air, 13 Pro und 15 Pro zu bestimmen. Anstatt sich die Laptops im Original zu kaufen, baut Radu diese mit ihrem Produzenten aus Holz nach. Drumherum stülpt sie die Hüllen.

          Rund zwei Monate später sind die Taschen fertig, darunter Tragetaschen mit kurzem Riemen, solche zum Umhängen und Clutches. Seit ein paar Wochen kann man sie im Store in Berlin und online kaufen. Ob es dabei bleibt, wer weiß? Vor kurzem hatte Lili Radu mal wieder eine Begegnung mit Paul von Apple. Beide waren zufällig in New York und trafen sich zum Pizzaessen. Eine Kollegin begleitete ihn. Sie ist Einkäuferin für den amerikanischen Markt.

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