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Dresscodes : Extreme Streetwear mit Botschaft

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Der universelle Extremist steht vom Dresscode her für den fließenden Übergang von ganz rechts nach ganz links Bild: Illustrationen Gottfried Müller

Bald kommt der Frühling, die Menschen zieht es auf die Straße. Jedoch nicht immer nur zum Flanieren: Demos, Kundgebungen und Randale sind angesagt. Was trägt man da?

          5 Min.

          Der Frühling naht und damit auch der Nato-Gipfel und der 1. Mai - traditionelle Großkampftage für alle radikalen politischen Gemüter. Ob autonome Antifa, Globalisierungsgegner, Neonazi oder Exil-Tamilen, für alle heißt es: heraus auf die Straße und Flagge zeigen! Gerät man als Zivilist in eine dieser Kundgebungen, fällt es mitunter schwer, links und rechts auseinanderzuhalten, weil sich die politischen Extrempositionen immer ähnlicher werden: Gegen Amerika, das „Finanzkapital“, gegen Israel oder Atomstrom sind ja inzwischen fast alle. Auch äußerlich haben sich die Extreme angeglichen, weswegen wir an dieser Stelle eine kleine Hilfe zur Entschlüsselung der entsprechenden Dresscodes bieten.

          Ob Hooligan oder Anarchist, ob Tierversuchsgegner oder Islamist: Gemeinsam ist allen die Tendenz zur Verhüllung. Dies gelingt dem Islamisten am besten bei seiner Frau (beziehungsweise seinen Frauen), die er mit Tschador (großes Kopftuch) und Hidschab (weiter Umhang), gelegentlich auch mit Niqab (eine Art Mundschutz) oder gar einer Burka (Ganzkörperumhang mit vergittertem Sehschlitz) ausstattet. Der Herr selbst verbirgt sein Antlitz hinter einem Vollbart und sein Haupthaar unter einer Gebetskappe.

          Der säkulare Extremist (unisex) greift gern zum Halstuch, das in Sekundenschnelle über das Gesicht gezogen werden kann, zu Sonnenbrille, Kapuzensweater und Basecap in gedeckten Farben, am liebsten in Schwarz. Im Rudel aufkreuzend oder zum „Schwarzen Block“ geordnet, gibt man so ein eindrucksvolles Bild ab.

          Seinen modischen Führungsanspruch im rechten Milieu verloren hat der Neonazi mit Vorliebe für Originalkostüme
          Seinen modischen Führungsanspruch im rechten Milieu verloren hat der Neonazi mit Vorliebe für Originalkostüme :

          Out: Der Radical Chic von gestern

          Ob links oder rechts, ob Fußballfan der Kategorie C oder türkische Straßengang: Überall dominieren heute Sneakers und Cargohosen, Jacken von „Alpha Industries“ sowie Camouflage-Textilien. Der klassische Look der Achtziger, der noch Unterschiede deutlich machte, ist bei Demonstrationen selten geworden. Etwa das Modell „Hafenstraße 1987“: schwarz lackierter Motorradhelm, enge, eierquetschende Jeans, kurze Lederjacke und Turnschuhe. Die Damen mit raspelkurzem Haar oder asymmetrischer Frisur à la gerupftes Huhn. Die von beiden Geschlechtern gern getragene schwarze „Hasskappe“ (textile Motorradfahrersturmhaube mit mittig zusammengenähtem Sehschlitz) gab mancher Demo einen diabolischen Ausdruck; Militanzfetischisten trugen sie seinerzeit auch beim Sex, fanden Spanner vom Verfassungsschutz heraus. Ebenfalls ziemlich selten geworden ist am anderen Ende des politischen Spektrums das Modell „White-Power-Skinhead“: grüne Nylonbomberjacke, Lonsdale-Kapuzenpullis, Fred-Perry-Hemden, Domestos-gebleichte Jeans, 14-Loch-Stahlkappenstiefel (bei den Damen zusätzlich noch mit dem bizarren Frisurstil „Kopf rasiert, an Stirn und Schläfen verbleibende Resthaarsträhnen“).

          Fast ausgestorben auf der Linken: der Latschdemo-Kiffer und K-Gruppen-Dauerstudent mit langem, fettigem Haupthaar, Trotzki-Spitzbart oder Karl-Marx-Gesichtsmatte. Ersterer gern im marokkanischen Berbermantel und mit Teppichtasche für Chillum und reichlich Dope-Proviant, Letzterer im Bundeswehrparka, mit Nickelbrille und Ledermütze. So ähnlich werden übrigens auch die Moorleichen aussehen, die man in 2000 Jahren in den Wassergräben um Brokdorf finden wird. Ausgestorben auf der Rechten: der ritterkreuztragende Altnazi im Lodenmantel.

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