https://www.faz.net/-hs1-rqs8

Dolce und Gabbana : Die Übertreibungskünstler

Tragbare Mode von Dolce und Gabbana Bild: dpa/dpaweb

Zwanzig Jahre Dolce und Gabbana: Die Modemacher luden zu einer Jubiläumsschau mit anschließender Party in das umgebaute Mailänder Metropol-Kino. Die Jubilare sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

          Kurze Frage vor der Schau: Was bedeuten Ihnen Dolce und Gabbana? Beppe Modenese, Ehrenpräsident der italienischen Modekammer: „Schon damals, als ich sie endeckt habe, waren sie gut - weil sie nicht nur kreativ waren, sondern auch schneidern konnten.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Es war wie beim Anfang von Versace. Und seitdem haben sie sich sogar verbessert.“ Anna Piaggi, italienische „Vogue“: „Man kann ihre Mode tragen! Und diese Basis ist noch wichtiger als all die Phantasie.“ Anne Urbauer, „Amica“: „In ihrem mächtigen Schatten ist in den letzten Jahren in Mailand keine Marke richtig groß geworden.“ Susanne Tide-Frater, Harrod's: „Es ist eine der stabilsten Marken. Sie haben mit sharp suits, Korsetts, Denim, Abendmode einen Stil geprägt, der die Mode absorbiert und doch darüber hinausgeht. Und die Schauen sind immer ein Highlight.“

          Kein Durchkommen mehr

          Diese Schau soll alle anderen noch überstrahlen. Dolce und Gabbana, seit zwanzig Jahren modisch ein Team, die ersten achtzehn Jahre davon auch privat ein Paar, haben zum Jubiläum erstmals nicht in den Garten ihres Palazzos an der Via San Damiano geladen, gleich um die Ecke von San Babila, wo sie sonntags zur Kirche gehen. Zwei U-Bahn-Stationen oder fünf Limousinen-Minuten entfernt haben sie im Viale Piave das alte „Metropol“-Kino für rund 15 Millionen Euro gekauft, renoviert, aus dem Vorführraum einen Schauensaal mit 1001 Sitzplätzen gemacht - und ihren vielen Häusern in Mailand (Bürogebäuden an der Piazza Umanitaria, Showrooms an der Via Goldoni, dem Herren-Laden am Corso Venezia, dem Damen-Flagship- und dem Accessoires-Store in der Via della Spiga) ein weiteres hinzugefügt.

          Heimatliche Wärme

          Schon eine Stunde vor der Schau ist vor dem „Metropol“ kein Durchkommen mehr. Und wer nicht rechtzeitig unterwegs ist, der fährt an diesem hektischen Modewochen-Nachmittag wirklich am besten mit der U-Bahn - wenn er denn weiß, wie das geht.

          Szenen einer Mode-Ehe

          Im „Metropol“ geht das Licht aus. Der Vorhang öffnet sich, und auf der Kinoleinwand spielen sich in fast neorealistischen Schwarzweißbildern Szenen einer Mode-Ehe ab, die 1985 mit einem Startkapital von umgerechnet 1000 Euro in einer kleinen Wohnung begann und heute mit einem konsolidierten Umsatz von 686,4 Millionen Euro (in der italienischen Mode nur von Armani mit 1,3 Milliarden und Prada mit 1,46 Milliarden Euro übertroffen) noch längst nicht zu Ende ist - legt man das seit Jahren stets zweistellige Umsatzwachstum der Firma mit inzwischen 2000 Mitarbeitern zugrunde.

          Auf der Leinwand, die ihren oft fiktionalen Entwürfen entspricht, sind all die Klassiker noch einmal zu sehen: die Korsetts, die scharfen Anzüge, die zerfetzten Jeanshosen, die Zebra- und Leopardendrucke, die barocke Pracht und die südliche Stimmung. Eigenartig, so wird später spitz angemerkt werden, daß Kate Moss immer nur so kurz im Bild ist, während Nadja Auermann und Naomi Campbell die Gegensätze dieser Marke in langen Einstellungen verkörpern dürfen.

          Pop und Pomp

          Für ihr eklektisches Sammelsurium an Stilen brauchen Dolce und Gabbana viele Hauptdarstellerinnen. Monica Bellucci ist, wie Gabbana im Gespräch sagt, noch immer seine Mode-Ikone, „eine wirkliche Frau, mit Kurven, mit mediterranem Flair“. Auch mit Isabella Rossellini huldigten die beiden in ihrer Frühzeit einem italienischen Star. Über die Jahre und mit der Globalisierung der Marke kamen internationale Stars hinzu: Kylie Minogue, Mary J. Blige, Beyonce. Inzwischen glauben die beiden Designer nicht mehr so recht daran, daß ihnen aus Hollywood noch Geschäftsideen erwachsen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.