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Berliner Modewoche (1) : Fashion, wa?

Die New Yorker Agentur IMG, die auch ihre Schauen in Manhattan im September aus dem Bryant Park an einen anderen Ort verlagern muss, ist schon auf die neue Suche eingerichtet: „Es gibt kaum einen Platz in Berlin“, so Sprecher Daniel Aubke, „den wir uns noch nicht angeschaut haben.“

In den nächsten Wochen wird man gemeinsam mit Wirtschaftssenator Harald Wolff (Linke) nach einem neuen Standort suchen. Schwierig wird die Suche schon deshalb werden, weil man mit dem Senat, mit den Designern und nicht zuletzt mit dem Titelsponsor Mercedes-Benz verhandeln muss und sich an zahlreiche sicherheitstechnische Auflagen wird halten müssen.

Das Vorfeld des Flughafens Tempelhof ist für das Zelt aber nicht geeignet - den Designern wäre der Standort nicht zentral genug. Dabei hat die Sports- und Jeanswear-Messe „Bread & Butter“, die am Mittwoch in den alten Flughafenmauern ihre Tore öffnet, gezeigt, wie man historische Brachflächen belebt. 12.500 Meter Edelstahlrohr, 30 Tonnen Stahl, 20 000 Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben sowie 5000 Quadratmeter Kunststoffplane mit Luftkissenmembran wurden dort verarbeitet, um die Ausstellungshalle zu vergrößern und gleichzeitig winterfest zu machen.

„Berlin wird immer wichtiger“

In den erweiterten Zelten, die mit 220 Gasinduktionsstrahlern warm gehalten werden und ein bisschen an die Münchner Allianz-Arena erinnern, stellen vor allem die großen Jeansmarken Diesel, Boss Orange und G-Star aus. Die Vergrößerung sei nötig geworden, da sich mehr Firmen als bei vergangenen Messen angemeldet hätten, sagt Messechef Karl-Heinz Müller. „Berlin wird immer wichtiger“, sagt Müller. „Berlin steht in der Realität.“ Darin unterscheide sich die Stadt von Paris oder Mailand. Es sei „die ideale Stadt, um Street- und Urbanwear zu präsentieren“.

Und überhaupt sind in der Berliner Mode kaum Grenzen des Wachstums zu erkennen. Am Osthafen öffnete am Dienstag abend ein weiteres dauerhaftes Modezentrum, das zweite Haus von „Labels Berlin“, wo sich in Showrooms 20 Marken dem Fachpublikum präsentieren, darunter Puma und Replay. Die „Bread & Butter“ hat rund 600 Aussteller, rund 30 Shows sind auf der „Mercedes-Benz Fashion Week“ zu sehen, die Messe „Premium“ am alten Postverladezentrum beim Gleisdreieck bietet Designermode. Nicht zuletzt suchen auch kleinere Modemessen die Aufmerksamkeit des Publikums, unter anderem die „5 Elements“, die auf Unterwäsche, Dessous und Bademode spezialisiert ist - zur Eröffnung heute wird auf dem Gelände am Funkturm Barbara Becker eine Pilates-Stunde geben. Noch wichtiger sind in Berlin außer den Showroom-Präsentationen nur noch die Partys und Cocktail-Empfänge. Und das ist denn auch der zentrale Streitpunkt der beiden Platzhirsche.

Für Wolfgang Joop, der seine Mode lieber in Paris mit den richtig wichtigen Marken konkurrieren lässt, ist Mode in erster Linie Kunst. Showveranstaltung kann er nicht ausstehen - und wahren Modefreunden geht es natürlich ebenso, zumal Sponsorenhinweise und Marketingsprech inzwischen die Lust am Kleid überlagern. Aber die Berliner Großschauen von Joop bis Boss mit anschließender Party lassen vermuten, dass Unterhaltung inzwischen der schönste Stoff dieser Schauen ist. Unübertroffen in dieser Hinsicht ist wieder einmal Michael Michalsky, der vor anderthalb Jahren der noch unbekannten Lady Gaga zu ihrem ersten Auftritt außerhalb Amerikas verhalf. Dieses Mal werden Spandau Ballet auftreten. Wenn man den Namen ernst nimmt, ist die New-Romantic-Band sogar echt Berliner Entertainment. Wenn´s so ist!

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