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Designer-Handtaschen : Statussymbol mit Stauraum

Wildes von Prada Bild: REUTERS

Vom hübschen Accessoire zum Statussymbol: Die Handtasche ist für große Modefirmen fast wichtiger als die Garderobe. Sie wird so zum „It-Bag“, das die Mode dominiert. Aber bei den vielen Taschen, die derzeit auf dem Markt sind, droht die Inflation.

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          Betrachten wir die Sache zunächst nüchtern: zwei Henkel, weiches Leder, eine Seitentasche für Lippenstifte, ein Handyfach, Füllmenge zirka zwei Liter - jede Menge Platz also, um in den dunklen Tiefen zerfledderte Papiertaschentücher, ausgelaufene Füller und Visitenkarten von langweiligen Gesprächspartnern verschwinden zu lassen. Die Sache läßt sich aber auch anders betrachten, aus der Sicht von mächtigen Frauen wie Anna Wintour zum Beispiel.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Selbstverständlich kennen wir als Chefredakteurin eines Modemagazins die Marke der Tasche, wir wissen, ob sie im Trend liegt und welche Stars sie tragen. Dazu addieren wir Kriterien wie: „Ist die Tasche cool?“ Oder: „Bekommt man sie nur, wenn man mindestens sechs Monate auf einer Warteliste gestanden hat?“ Und das Wichtigste: „Hätten wir diese Tasche auch gern?“ Trifft das alles zu, handelt es sich nicht um eine simple Lederware, die zum Transport persönlicher Utensilien gedacht ist, sondern um ein „It-Bag“. Eine Tasche also, die, glaubt man der Modemaschinerie, so gut wie jede Frau auf der ganzen Welt haben möchte - manche um jeden Preis.

          Taschen sind Visitenkarten eines Unternehmens

          So weit ist es also gekommen: Taschen sind vom Anhängsel zum Tonangeber in der Mode geworden. Sie sind wichtiger als der Rest der Garderobe, wichtiger als jede Luxusjeans, wichtiger als ein Tweedkostüm von Chanel oder eine Abendrobe von Dior. Taschen entscheiden darüber, ob eine Marke angesagt ist oder nicht. Sie sind die Visitenkarte eines Unternehmens - nicht nur, weil sie das Teil sind, auf dem sich am besten das Logo präsentieren läßt.

          Metallisches von Dolce & Gabbana
          Metallisches von Dolce & Gabbana : Bild: REUTERS

          Es gibt Marken wie Chloé oder Balenciaga, deren Designer zwar schöne Kleider machen; den Kultstatus aber haben sie nur erreicht, weil ihre Taschen so begehrt waren, daß es schon an Hysterie grenzte. Accessoires verkaufen sich deshalb so gut, weil sie jede Frau tragen kann, auch wenn sie nicht die Idealfigur hat. Oft sind sie billiger als die Kleider einer Designermarke, aber leichter identifizierbar. Taschen sind handliche Statussymbole für den Alltag - kleiner als ein Auto, billiger als ein Diamantring und praktischer als ein Segelboot.

          „Taschen sind stilbildend“

          Frauen mögen Taschen und besitzen meistens mehr davon, als sie brauchen. Das nutzen Mode-Manager aus und schüren die Taschenhysterie. Längst ist das Geschäft mit den Lederwaren für große Designermarken kein Nebenerwerb mehr: Bei vielen machen sie den Hauptumsatz aus, teilweise sogar bis zu 80 Prozent. Es gibt schlichtweg kein Label mehr, das ohne Accessoires ernstzunehmenden Erfolg hat. Zu den Unstimmigkeiten zwischen der Marke „Jil Sander“ und der Designerin Jil Sander kam es wohl auch, weil diese sich lange weigerte, Accessoires in die Kollektion aufzunehmen. Die Marke machte Verluste, Jil Sander quittierte schließlich den Dienst.

          Auch bei Hugo Boss schien man die Entwicklung beinahe verschlafen zu haben. Erst seit dem vergangenen Jahr wird in Metzingen das Taschen-Thema forciert. Ein Logo wurde entwickelt, um die Erkennbarkeit zu garantieren, eigene „Shoes & Accessoires Stores“ wurden eröffnet. Heute weiß man, wie wichtig das Geschäft mit dem Leder ist. „Taschen sind das ,Piece of Resistance' der Mode, sie sind stilbildend“, sagt André Maeder, zuständiger Vorstand für Schuhe und Lederaccessoires. „Unsere Herkunft ist ja eine andere als die klassischer Accessoire-Häuser“, begründet er die Verzögerung im Segment Taschen, „wir stammen aus dem Textilbereich und fangen erst damit an, unser weltweites Accessoire-Business aufzubauen.“ Weitere Spezialgeschäfte wie in Frankfurt und Amsterdam sollen eröffnet werden, das nächste im Februar in Hamburg, zehn weitere in den nächsten Jahren. Laut Maeder ein erfolgreiches Konzept: „Bei Damen-, aber auch bei Herren-Accessoires haben wir den Umsatz aller drei Linien vervielfacht.“

          „Die beste Freundin“ ist immer dabei

          Vorbilder sind jene Traditionsunternehmen, die es geschafft haben, aus ihren Lederwaren begehrte Luxusobjekte zu machen. Dazu gehören vor allem Louis Vuitton und Hermès, die mit Wartelisten die Begehrlichkeiten erhöhen und in der Lage sind, Taschen auch schon mal für fünfstellige Beträge an die Frau zu bringen. Hermès war die erste Marke, die ihren Lederwaren ein Image verlieh: Eine schlichte Bügeltasche wurde in den fünfziger Jahren zur berühmten „Kelly-Bag“, weil sie von der Fürstin von Monaco getragen wurde. Heute haben die meisten Taschen Namen, die mal mehr oder weniger geheimnisvoll klingen. Bestens verkauft haben sich im vergangenen Jahr Chloés „Betty“ und Jimmy Choos „Ramona“. Das klingt nach netten Mädchen und soll vermutlich das Gefühl wecken, die Tasche sei so etwas wie die beste Freundin - immerhin bezeichnete schon Maggie Thatcher ihr Hermès-Modell als ihre treue Gefährtin. Richtig lag auch Balenciaga, als man diese hübsch kompakte Tasche „First“ nannte, denn sie war tatsächlich das Modell, das den Boom der Designertaschen auslöste.

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