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Designer Christian Louboutin : „High Heels dienen der Emanzipation“

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Die rote Sohle ist Louboutins Markenzeichen Bild: REUTERS

Schon als Kind hatte Christian Louboutin ein Faible für Damenschuhe, doch Kultstatus haben seine Kreationen erst mit der roten Unterseite erreicht. Ein Gespräch über Frauen, Schuhe und Emanzipation.

          6 Min.

          An der knallroten Sohle erkennen Fashion-Victims sie sofort: die High Heels des französischen Designers Christian Louboutin. Schon als Kind hatte er ein Faible für Damenschuhe, doch Kultstatus haben seine Kreationen erst mit der roten Unterseite erreicht. Ein Gespräch über Frauen, Schuhe und Emanzipation.

          Was machen Sie denn da?

          Ich muss die Riemchen hier in die richtige Ordnung bringen, die müssen alle mittig liegen. Eine Sekunde bitte - jetzt passt's.

          Stöckelschuhpapst Louboutin
          Stöckelschuhpapst Louboutin :

          Ihre Schuhe haben alle Namen. Wie heißt dieser denn?

          Ulona. Benannt nach einem Südafrikaner. Und das hier sind die Farben seines Dorfes im Norden Südafrikas. Ich lasse mich ja gerne von den verschiedensten Kulturen inspirieren.

          Sie reisen viel. Wo waren Sie zuletzt?

          Syrien und Libanon. Die Frauen in Beirut wissen sich zu kleiden.

          Ihr größtes Interesse gilt Ägypten - Sie haben sogar ein Haus am Nil.

          Ja. Französische Schüler nehmen das alte Ägypten, Athen und Rom durch. Wenn man wie ich immer nur in Paris gelebt hat, mit den Eltern immer in der gleichen Wohnung, versetzt man sich selbst gern in andere Kulturen. Ägypten faszinierte mich schon deshalb, weil ich, obwohl südliche Einflüsse bereits vor Generationen in meine Familie gekommen sind, eine dunkle Haut habe. Ich fühlte mich als Ägypter. Dieses Land hat wirklich alles: Architektur, Geheimnisse, Zeichnungen, Romanzen. Irgendwie steckt all das auch in meinen Schuhen.

          Schon als Schüler haben Sie angeblich auch Ihre Liebe für Schuhe entdeckt. Wie kam das?

          Ich war ungefähr elf Jahre alt, und meine Familie setzte mich mal wieder in meinem Lieblingsmuseum ab, dem Musée national des Arts d'Afrique et d'Océanie. Im Eingang des Museums hing ein Schild mit einem durchgestrichenen Stöckelschuh - das Parkett sollte nicht ruiniert werden. Mich faszinierte der gezeichnete Schuh. Ich entdeckte die Macht des Designs: dass man etwas zeichnen kann, was irgendwann Wirklichkeit wird. Umsetzen konnte ich es dann, als ich mit 18 Jahren bei Charles Jourdan das Handwerk erlernte und später frei für Yves Saint Laurent, Chanel und andere Häuser arbeitete.

          Sie sollen damals nicht der beste Assistent gewesen sein.

          Ja, ich war so enthusiastisch, dass ich alles machen wollte und wahrscheinlich alle nur genervt habe. Ich wurde gefeuert. Als ich das dritte Mal bei einem Modehaus rausgeworfen wurde, kam ich auf den Gedanken, dass es an mir liegen musste. In der Schule war Ihnen das auch schon passiert. Ja, zweimal bin ich von der Schule geflogen. Ich war schon sehr reif mit elf Jahren. Schon mit zwölfeinhalb Jahren bin ich zu Hause ausgezogen. Ich war immer anders. Und wenn die Lehrer mich zurechtwiesen, hat mich das überhaupt nicht interessiert. Ich hab mir gedacht: Was soll's?

          Fototermin vor der Schuhwand, an der sich gerade zwei Russinnen die Plateaumodelle angesehen haben. Louboutin ist nicht so richtig gut gelaunt. Er legt Schiebermütze und Tweedmantel ab. Fürs Foto will er keinen Schuh in die Hand nehmen, das sei zu plakativ. Der Fotograf wiederum will ihn nicht einfach vor der Wand abbilden. „Da steht's jetzt eins gegen eins“, meint Louboutin. Er scheint große Lust zu haben, das Ganze hier abzubrechen. Also Alibifoto vor der Wand.

          Welche sind denn Ihre Lieblingsschuhe hier im Regal?

          Dieser hier mit den Nieten, „Spiky“. Und dieser hier mit den vielen Buchstaben drauf, „Let me tell you“. Da hat der Mann erst mal was zu lesen, bevor er die Frau anspricht.

          Die Absätze messen zwölf Zentimeter.

          Ja. Aber weil die Sohle anderthalb Zentimeter hoch ist, geht man eben nur auf zehneinhalb Zentimetern.

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