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Designer-ABC : Strehle, Gabriele

Sie wuchs im Allgäu auf und die ersten Kleider nähte sie für ihre Puppen. Ihre Modelle sind noch immer ohne Effekthascherei - aber inzwischen debütierte Gabriele Strehle mit ihrer Marke Strenesse in New York und kleidet die deutschen Nationalspieler ein.

          Die deutschen Nationalspieler sind bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland nicht nur im Einsatz für den Deutschen Fußballbund. Sie werben auch für die Marke Strenesse. Teammanager Oliver Bierhoff besiegelte mit dem Modeunternehmen einen Vertrag, der die offizielle und die Freizeitkleidung der Spieler umfaßt. Bis zur Europameisterschaft im Jahr 2008 dürfen sich die Spieler in Strenesse kleiden.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Gerd Strehle, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, feiert den Anlaß auch mit einem 250 Seiten dicken Buch, das die Spieler als Models zeigt und die Modemacherin Gabriele Strehle in ungewohnter Rolle - als Partnerin für Männer, die sie bisher nur unzureichend in den Fokus ihres Designs gestellt hatte. Strenesse will sich also als sportlich ambitionierte Marke vorstellen und den seit 2002 angebotenen Herren-Entwürfen zu neuer Glaubwürdigkeit und Energie verhelfen.

          Erschließung des amerikanischen Marktes

          Denn bisher war Gabriele Strehle eher für ihre Damenkollektionen bekannt, die auch noch den Großteil am Umsatz des Familienunternehmens ausmachen. Seit 1996 präsentierte sie ihre Marke auf den Mailänder Designerschauen. Im September 2005 hat sie auf der New York Fashion Week debütiert, wo die Marke jetzt zwei Mal im Jahr zur Erschließung des amerikanischen Marktes präsentiert wird. Für die Männer gilt aber wie für die Frauen: Wer sich von Gabriele Strehle einkleiden läßt, ist nicht auf Effekthascherei aus. Mehr als das modeübliche Gepränge liebt die Designerin die leisen Töne und die zurückhaltenden Entwürfe.

          Der Weg von Nördlingen in die Welt begann im Jahr 1973, als eine frisch an der Münchner Meisterschule für Mode diplomierte zierliche und hübsche Designerin namens Gabriele Hecke in das nordbayerische Familienunternehmen eintrat. Sie war 1951 in Hawangen im Allgäu als Tochter eines Molkereimeisters aufgewachsen, ein kränkliches Kind, „ein Verreckerl“, wie sie selbst sagt, das sich die Kleider ihrer Puppen selber nähte. Ihr Handwerk lernte sie in einer Maßschneiderei für Herren und Damen in Memmingen. Für eine Designerin, die gerade in einem Konfektionshaus begann, muß sie ehrgeizig und zielbewußt gewesen sein.

          In Nördlingen suchte Strehle nach Auffrischung

          Der junge Chef Gerd Strehle, auf den sie in Nördlingen traf, hatte das Haus forsch mit dem Kunstwort Strenesse - wie Jeunesse - versehen und suchte offenbar nach Auffrischung. Bald übernahm die Designerin die Verantwortung für die Kollektion, setzte sich mit dem Chef auseinander und heiratete ihn. Gabriele Strehle und ihr fürs Geschäftliche zuständiger Mann planen die Erfolge mit professionellem Marketing erst seit den achtziger Jahren. Ihre Auftritte in Mailand als erster deutscher Frau nach und neben Jil Sander verschafften ihr ein großes öffentliches Echo, das in der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1998 gipfelte.

          Erst in jenem Jahr hob die Marke den Namen der Designerin hervor und nannte sich „Strenesse Gabriele Strehle“. Die Fähigkeit zum Selbstsein, der Mut zur Provinz, die Suche nach Authentizität sind in die Strehle-Mode eingewebt. Die Leichtigkeit, die man nur durch schwere Arbeit und durchwachte Nächte erreicht, hat die Modemacherin zur Meisterschaft erhoben. Schwerer fiel es der zurückhaltenden Designerin, auch jenseits der Mode ihr Haus zu vertreten: „Nur mühsam habe ich mich an den Gedanken gewöhnt“, schreibt sie in ihrer Autobiographie „Ob ich das schaffe“ (2002), „daß es nicht reicht, durch die Mode zu sprechen. Sondern daß ich ab und zu auch selber etwas sagen muß.“

          Rückbesinnung auf sanftere Töne

          Meist verläßt sie sich auf die Sprache der Mode. Ihre Kollektionen, die sie bisher in New York gezeigt hat, sprechen denn auch für sich. Die Taille ist hoch angesetzt, Gold und Silber blitzen feierlich, die Orgie schimmernder psychedelischer Blumendrucke auf Seiden-Metall-Gewebe zeigt Mut, die Verweiblichung männlicher Formen wie des Trenchcoats ist ohnehin ihre Stärke. Gabriele Strehle sagt, nach den vielen Farben des beginnenden Jahrtausends gehe es jetzt um eine Rückbesinnung auf sanftere Töne. Für den Minimalismus der Neunziger ist sie aber nicht mehr zu haben.

          Man sieht es an der Kollektion, die weiblicher, freier, abendlicher wirkt als alles, was man noch in Mailand von ihr gesehen hatte. Seien es Männerhemden mit Goldperlen, transparente Trenchcoats, Chiffonplissees - Gabriele Strehle könnte sich mit ihren Kleidern gleich in die höheren New Yorker Kreise befördern. Allzu schwer dürfte ihr das nicht fallen: In den wichtigsten Mode-Kaufhäusern von Manhattan hängen ihre Entwürfe schon.

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