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Designer-ABC : Fiorucci, Elio

In Amerika und Asien gilt die Marke als verrückt-exotisch, in Italien wird sie Kult. Und auch über Länder wie Deutschland, in denen es nie einen eignen Laden gab, schwappten die modischen Wellen von Fiorucci und seinen jungen Designer-Teams: Gebatikte Hippie-T-Shirts aus Indien, Schaffell-Jacken, abgeschaut bei Hirten aus Afghanistan, Espandrilli aus Ibiza, Samt-Ballerinas aus China. Und dann die sogenannten Panini-Sammelbildchen: Die Aufkleber-Päckchen verkaufen sich auf Anhieb 25 Millionen Mal. „Für mich ist es das Größte, wenn Leute auf der Straße meine Kleider tragen – dann weiß ich, daß ich als Designer akzeptiert werde“, erklärt Elio Fiorucci heute. Gefragt nach den Adressaten seiner Entwürfe, antwortet er nur mit einem Satz: „Ich mache Mode, in denen sich sowohl Sekretärinnen als auch Prinzessinnen wohl fühlen.“ Letzeren Kundinnenkreis hat er schon Ende der Achtziger erobert: Vor allem seine Jeans (seit 1985 arbeitet er mit Wrangler zusammen) schmücken attraktive adlige Popos, unter anderem den von Lady Di, Sarah Ferguson, Caroline von Monaco und der Königin von Spanien. Bei Sekretärinnen entpuppen sich die Einkauftüten mit Engel-Logo als begehrtes Souvenir.

Eiszeit zwischen Fiorucci und Fiorucci

Kunst und Mode liegen für Elio Fiorucci von Anfang an eng beieinander, die unkonventionellen, aufmüpfigen Entwürfe bieten vielen bildenden Künstlern einen Anknüpfungspunkt: Andy Warhol lanciert 1976 im New Yorker Fiorucci-Laden sein „Interview“-Magazin, 1984 transformiert Keith Haring das Geschäft auf der Galeria Passerella mit einer Life-Performance in ein Graffiti-Atelier und Terry Jone, der berühmte Art-Direktor der Marke, gründet das Avantgarde-Magazin i-D. Irgendwann wird das Label selbst zum Kunstobjekt – der 1981 gestaltete Bildband „Fiorucci, the book“ ist sofort vergriffen und wird heute im Internet für knapp 500 Euro gehandelt; Entwürfe des Designer sind in Kunst- und Designmuseen auf der ganzen Welt ausgestellt, unter anderem auch im Museum of Modern Art in New York.

Ende der Achtziger wird es stiller um den Italiener und er entwickelt – wie vor einigen Jahren Hennes & Mauritz mit ihm selbst – preiswerte Kollektionen in Kooperationen mit Haute-Couture-Modeschöpfern wie Jean-Paul Gaultier (1987) und Vivienne Westwood (1989). Ende 1989, mit Mitte Fünfzig, verkauft Fiorucci seine Marke an den japanischen Jeans-Riesen Edwin und entwirft seitdem nur noch unter dem Namen Elio Fiorucci. Zwischen der Marke „Fiorucci“ und dem einstigen Namensgeber herrscht seitdem Eiszeit. Beide Seiten werden nicht müde zu betonen, dass sie nichts, rein gar nichts, verbindet – dabei sind die derzeitigen Entwürfe und Projekte der Häuser kaum voneinander zu unterscheiden: Elio Fiorucci hatte zum Beispiel seine „Ergonomicsexyjeans“ aus der Linie „Love Therapy“ (dazu gehören unter anderem rosa Plüschhandschellen, Gartenzwerge-Prints, Lampen und Schneekugeln) auf dem Markt – während Fiorucci die „Miracle-Making Jeans“ mit Push-up-Effekt vertrieb.

Kooperation mit H&M

Wie Karl Lagerfeld und Stella McCartney hat Elio Fiorucci 2005 zusammen mit der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz eine Sommerkollektion entworfen. Die bunten Kleider sind eine Hommage an die verspielten Siebziger, in denen der Italiener zur Stil-Ikone wurde. Etwa hundert Teile umfasste die limitierte „H&M Poolside“-Linie, deren Muster von Fiorucci in Kooperation mit einem H&M-Designer-Team gestaltet wurden: Blümchen-Brillen, Strandtaschen und Spaghettiträger-Tops mit Palmen-Druck. Das meiste davon ist knallbunt, vieles knalleng und so manches pink. Die Zusammenarbeit zwischen dem Fiorucci-Gründer und den Schweden bahnte sich übrigens schon 2003 an. Damals eröffnete H&M seinen ersten Laden in Italien in den Fiorucci-Räumen in der Galleria Passarella – allerdings ohne Celentano und Cadillac.

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