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Damenschauen in Mailand : Italien wählt die Mode

Ein sicherer Schritt nach vorn: Miuccia Prada schickt die Models auf rutschfesten Profilsohlen in den kommenden Herbst. Bild: AFP

In Mailand versuchen die Designer, dem politisch gebeutelten Land Hoffnung zu geben – mit gutem Stil auf dem Laufsteg und teils großem wirtschaftlichen Erfolg.

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          An Ideen hat Miuccia Prada wieder nicht gespart. In der Mitte des Raums ist nicht der Laufsteg, da steht eine Insel aus frischen Holzbrettern vom Architekturbüro Rem Kohlhaas. Die Models laufen einfach um die Zuschauer herum. Man kennt den Trick aus dem modernen Theater: Plötzlich steht der Zuschauer im Mittelpunkt. Aber es ist keine Publikumsbeschimpfung wie einst bei Peter Handke, dem das belehrende Theater auf den Geist ging. Dabei spielt Prada natürlich mit solchen Referenzen. Gern festigt sie das System dadurch, dass sie es in Frage stellt.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nein, der erste Höhepunkt der Mailänder Modewoche am Donnerstagabend ist eine Hommage an das weibliche Publikum. Die Designerin, die in der letzten Saison mit fernöstlichen Spielereien irritierte, gibt sich für Herbst und Winter 2013 zugänglich bis tragbar. Andererseits: tragbar!? Der Streetstyle-Star Anna Dello Russo kommt zur Schau von Kopf bis Fuß in untragbarer Frühjahrskollektion und zieht ihren Pelz wegen der Pelzgegner am Eingang vorübergehend auf links, um ungeschoren hineinzukommen.

          Farbe gegen die Schwermut: Ein Kostüm in Fuchsia bei Gucci

          Denn Tragbarkeit ist nur ein Wort. In der Mode geht es um höhere Sphären. Und aus denen spricht noch immer Miuccia Prada zu uns. Dieses Mal bringt sie sogar weite Kostüme und Mäntel, grau wie bei Trümmerfrauen, zum Tanzen. Asymmetrie nimmt dem Saum die Strenge. Pailletteneinsätze blinken überraschend auf. Ärmelbündchen sehen wie Pelzberge aus. Ein Faltenrock wirkt frisch durch Zipper. Ab und zu hängt eine Schulter locker runter. Und die ankle boots haben doch wirklich eine dicke Gummisohle mit Profil. Wer’s nicht glaubt: Die Models heben nach der Schau backstage gern die Füße hoch zum Befühlen. Eine meint: „Endlich kann man mal sicher gehen auf so hohen Sohlen.“

          Eleganz auf links gedreht

          Die Schuhe sind wie gemacht für den Mailänder Schneeregen. Miuccia Prada bestätigt denn auch, dass sie das scheußliche Wetter für diesen Abend bestellt hat. Hier passt sogar das Klima ins Konzept. Denn es geht, so sagt sie, um „raw elegance“, also gebrochene Schönheit. Gleichzeitig freut sie sich über ihre Idee, ein paar Kleider mit gefälligem Gingham-Muster über den Laufsteg zu schicken. Eines sogar in Baby-Rosa! „Mode zum Gehen, zum Arbeiten, zum Spielen, zum Lieben, für alles“, meint sie. „Und die Eleganz wird auf links gedreht!“

          Auch mit ihren Anspielungen auf die späten Vierziger trifft sie den Ton. Denn angesichts all der Unwägbarkeiten heute bieten sich Rückgriffe auf die gute alte Tradition geradezu an. Also öffnen sich noch bis zum Dienstag die schönsten Barockgebäude den Modepräsentationen. Pucci lädt mit Briefen ein, die mit echtem Siegellack verschlossen sind. Die Kalligraphen haben wieder Hochsaison.

          Und Goga Aschkenazi, die Kasachin, die sich mit Geschichts- und Wirtschaftsstudium in Oxford geistiges Kapital und mit der Exploration von Öl und Gas in Kasachstan wahres Kapital erworben hat, sucht sich für ihre Modemarke Vionnet auch die alte Zeit zusammen. Sie lädt zu einer Ausstellung von Originalzeichnungen des futuristischen Künstlers Thayaht für Madeleine Vionnet. Goga, die schöne Milliardärin, kauft alte Vionnet-Kleider auf. „Die meisten hat der Louvre. Also muss ich bei Privatsammlern suchen. Gerade erst habe ich ein schön drapiertes Kleid in Los Angeles gekauft. Fürs 21. Jahrhundert!“

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