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Claudia Schiffers erste Kollektion : Kaschmir für die Working Mum

Sie habe seit langem vorgehabt Mode zu machen, sagt Claudia Schiffer Bild: Reuters

Ganz leise und dezent ist eine Frau beim Prêt-à-porter aufgetaucht, die gut 20 Jahre lang das zur Schau trug, was Designer ihr anzogen. Bei der Pariser Modewoche zeigt Claudia Schiffer ihre erste Kollektion: feine unangestrengte Kaschmirteile.

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          Marc Jacobs, Riccardo Tisci, Alber Elbaz, Haider Ackermann, Hedi Slimane – das sind die fünf Namen, die derzeit in Paris vor den Schauen, nach den Schauen, zum Lunch, zum Diner und zum Cocktail abwechselnd genannt werden, wenn es um die Frage geht: Wer folgt bei Christian Dior auf John Galliano? Auffällt dabei vor allem eines: Es ist keine Frau dabei. Gemessen an der Frauenquote unter den Modemachern in Paris, die in etwa der in deutschen Vorstandsetagen entspricht, ist das nicht verwunderlich. Von 90 Designern, die ihre Herbst- und Winterkollektionen noch bis zum Mittwoch in Paris zeigen, sind gerade mal ein gutes Dutzend Frauen.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist nicht schädlich für die Mode, aber mitunter fehlt ihr etwas: Denn nur Frauen wissen wirklich, was Frauen wollen. Das beste Beispiel dafür ist die Britin Phoebe Philo, die für die Marke Céline seit einigen Saisons alltagstaugliche Kleider entwirft, die gleichzeitig so anspruchsvoll im Design sind, dass Philo zu der handvoll stilbildender Modemacher in Paris gehört. Ihre Kollektion, die sie am Sonntag präsentierte, besticht durch einen wunderbaren Materialmix, geometrische Formen und kantige Schnitte, die durch lässig fallende Hosen wieder aufgefangen werden.

          Ganz leise und dezent ist nun eine weitere Frau beim Prêt-à-porter aufgetaucht, die gut 20 Jahre lang das zur Schau trug, was Designer ihr anzogen. An diesem Montagmorgen steht Claudia Schiffer in einem dunkelblauen Kaschmircapekleid im ersten Stock eines Showrooms im dritten Arrondissement und präsentiert ihre erste eigene Kollektion. In ihre neue Rolle fügt sie sich fast selbstverständlich: „Möchten Sie ein Glas Wasser?“, fragt sie höflich. Und macht sich sogleich daran, ihre kleine, feine Kaschmirkollektion aus 30 Teilen zu erklären.

          Unangestrengt: So sollen Pullover sein, wenn Claudia Schiffer sie in Paris vorführen lässt

          „Ich habe morgens 15 Minuten Zeit, mich anzuzuziehen“

          Sie habe seit langem vorgehabt, Mode zu machen, die schick, aber gleichzeitig „effortless“ ist, sagt sie und fragt: „Wie übersetzt man das nur auf deutsch? Ohne Aufwand?“ Es sind jedenfalls Kleider, die man brauche, wenn man in einer ähnlichen Lebenssituation ist wie die Mutter dreier Kinder, die in London lebt. „Ich habe morgens 15 Minuten Zeit, mich anzuziehen, bevor ich die Kinder zur Schule bringe“, sagt sie. Wie einfach ist es dann, schnell ein weites Kaschmirkleid überzuziehen, dazu eine dicke Strumpfhose und Stiefel. „Das ist nicht overdressed, nicht zu sexy und auch perfekt für das Büro.“ Und macht auch noch eine gute Figur, wenn vor der Schule die Paparazzis lauern, um von der berühmten „working mum“ Fotos zu ergattern.

          Darüber aber will Claudia an diesem Tag nicht sprechen. Sie tut einiges dafür, den Eindruck zu verhindern, die Claudia-Schiffer-Collection sei eine der vielen Celebrity-Kollektionen, bei denen ein Model oder eine Schauspielerin ihren Namen hergeben und das Design ein Kreativteam erledigt. Schiffer ist die Kreativdirektorin ihres Labels, das betont sie, produziert werden die Kaschmirteile, die bei moderaten 250 Euro beginnen und bei 1200 Euro enden, von der Hamburger Designerin Iris von Arnim, die auf die Verarbeitung von hochwertigem Kaschmir spezialisiert ist. „Ich wollte eben auch, dass meine Freundinnen sich die Kleider und Pullover leisten können“, sagt Schiffer. Und wenn eines ihrer dezent modischen Teile zu teuer zu werden drohte, ließ sie einfach Merinowolle untermischen. „Aber so, dass der Pullover trotzdem noch weich und leicht ist.“

          Ein Jahr lang in die Welt des Kaschmirs reingearbeitet

          Die neue Rolle als Designerin komme ihr nicht seltsam vor, sagt sie. „Ich bin seit 23 Jahren in der Branche und habe viel beobachtet. Ich weiß, was gute Qualität und ein guter Schnitt ist.“ Einige Jahre habe es gedauert, bis sie einen geeigneten Partner gefunden hat. „Mir wurde viel angeboten, aber oft ging es nur um meinen Namen. Das wollte ich nicht.“ Fast ein Jahr lang hat sie sich in die Welt des Kaschmirs reingearbeitet, Fachausdrücke gelernt und sich mit Farben beschäftigt. Weil sie Insekten und den Wald mag, kam sie auf die Idee als Logo, eine kleine Spinne zu nehmen, die auch großflächig in zwei Kaschmirpullovern eingewebt ist. „Aber ich muss noch einiges lernen, wie zum Beispiel Zeichnungen anzufertigen. Im Moment sehen die so aus wie bei meiner sechsjährigen Tochter.“

          Dass ihre Arbeit ernst genommen wird, dass es nicht heißt, „wieder ein Model, das Mode macht“ und dass ihr Name mehr wiegt als die Kollektion, darum kämpft sie. People-Magazine sind zur Präsentation in Paris nicht eingeladen, keine langen Interviews erlaubt, keine Fotos! Es geht um die Mode, nicht um die Person, aber mit der Person wird sich die Mode, das wird auch Claudia Schiffer klar sein, umso besser verkaufen. „Letzte Frage“, mahnt ihr Presse-Assistent. Die nächsten Einkäufer aus Italien warten schon. Sie lächelt entschuldigend, reicht die Hand, und als man den Showroom verlässt, winkt sie noch einmal freundlich. Auch das schafft die Frau mit dem berühmten Gesicht, dass alles irgendwie unangestrengt wirkt, „effortless“ eben.

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