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Brautmode : Kleider machen Bräute

Wie im Bilderbuch: Brautkleid von Lilly Bild: Hersteller

Wer heiratet, trifft Entscheidungen - auch in puncto Outfit. Brautkleid oder Sommerfähnchen, Frack oder Anzug? Die Beratung in einem Fachgeschäft bringt zumindest Klarheit in Sachen Wäsche: Ohne Strümpfe läuft gar nichts. Und ohne Korsage auch nicht.

          Ein Brautkleid zu kaufen scheitert so: Die künftige Braut und ihre beste Freundin haben sich einen Tag frei genommen. Nicht so sehr deswegen, weil das Magazin „Braut“ in seiner aktuellen Ausgabe rät: „Genießen Sie den Tag als Event-Tag und nehmen Sie gegebenenfalls Urlaub - entspannt lässt es sich am besten auswählen“. Sondern weil Brautmodengeschäfte in der Regel erst um elf Uhr öffnen und schon um 18 Uhr schließen - und samstags meist hoffnungslos überlaufen sind.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Suche nach dem passenden Kleid, empfiehlt das „Braut“-Magazin, neben „Hochzeit“ übrigens die führende deutsche Zeitschrift zum Thema, sollte sieben bis neun Monate vor dem Fest beginnen. Die Frauen sind spät dran: Die Trauung ist schon im August. Die Tür des ersten Brautmodengeschäfts ist verschlossen. „Bitte klingeln“, verlangt ein Schild. Die Frauen schellen. Die mürrische Verkäuferin im roten Strickpulli fragt: „Haben Sie einen Termin?“ - „Nein, wir wollen nur mal schauen.“

          Keine Cappuccino-Töne mehr

          Dicht an dicht hängen auf den Chromstangen längs der Wände Dutzende von Brautkleidern in Zellophanhüllen. Die meisten davon sind cremefarben - es ist wie schon in den vergangenen Sommern die Farbe der Saison. Es gibt aber neuerdings auch wieder viele blütenweiße Modelle. Die Cappuccino-Töne des vorigen Jahres hingegen sind verschwunden. Die Braut versucht, ein Kleid herauszuziehen. Die Verkäuferin keift: „Keine Selbstbedienung!“ Die Frauen flüchten.

          Mit Hose: Anzug von Amuleti J.

          Das zweite Geschäft ist immerhin frei zugänglich. Die Verkäuferin wirkt freundlich und bedient die beiden auch ohne Termin. Ganz hinten im Raum strahlt eine korpulente dunkelhaarige Kundin ihr Spiegelbild an - schulterfrei, im üppig ausgestellten Reifrock. Die beste Freundin der Braut sagt: „Wir hätten gerne etwas Schlichtes.“ Die Verkäuferin bringt etwas „Romantisches“. Die Braut zeigt guten Willen und verschwindet in der Umkleidekabine.

          Ein Stringtanga mit aufgestickten Perlen

          Brautkleider, lernt sie dort, bestehen immer aus zwei Teilen: einem Rock, der hoch in der Taille sitzt, und einem Oberteil. Die Verkäuferin reicht wie selbstverständlich einen Stringtanga mit aufgestickten Perlen und ein wenig Spitze in die Kabine. Es folgt eine Korsage. Die Braut fragt: „Kann ich nicht einfach mit BH?“ Die Verkäuferin schüttelt den Kopf. Sie schiebt sich durch den Vorhang, legt der Braut die Korsage vor den nackten Oberkörper, zerrt sie hinten zusammen und beginnt, die etwa zwanzig Häkchen am Rücken zu schließen. „So was kriegt man ja alleine gar nicht zu“, staunt die Braut. „Und auch nicht wieder auf“, ergänzt die Verkäuferin. Ihre Stimme klingt verheißungsvoll. „Das ist dann ja auch ganz schön für die Hochzeitsnacht.“

          Die Braut schlüpft in den Rock mit Schleppe und in das geraffte Oberteil. Die Verkäuferin fragt nach der Schuhgröße und bringt Brautschuhe in 39. Die Braut steigt auf einen Schemel vor der Spiegelwand und flüstert: „Ich sehe aus wie eine Torte.“ Die Freundin nickt. Die korpulente Dunkelhaarige schielt herüber. Die Verkäuferin steckt der Braut einen Schleier ins Haar, dann einen perlenbesetzten Reif. „Ist das ein Krönchen?“ fragt die Braut. „Nein, ein Diadem.“

          „Ich wollte eigentlich ohne . . .“

          Die Verkäuferin reicht ihr Satinhandschuhe und will wissen, welche Denier-Stärke der Strumpfhose sie wünsche. „Ich wollte eigentlich ohne . . .“, murmelt die Braut. „Ist doch Sommer.“ Die Verkäuferin erklärt: „Zu solch einem Kleid gehört aber eine Strumpfhose.“ Diesmal lächelt sie verschwörerisch. „Oder Sie nehmen Overknees und Strapse?“ Die Verkäuferin kramt in ihren Schachteln. Kurz darauf wedelt sie mit einem kobaltfarbenen Strumpfband. „Es gibt doch den Brauch, dass die Braut am Tag der Hochzeit etwas Blaues tragen muss. Das bringt Glück.“

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