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Besuch bei Gabriele Strehle : Es muss nicht die Mode sein

„Es muss nicht Mode sein“: Gabriele Strehle Bild: Nahid Shahalimi

Gabriele Strehle hat nach fast vier Jahrzehnten bei Strenesse aufgehört. Im ersten Interview ihres neuen Lebens spricht die Modemacherin über Erfahrungen und Erwartungen.

          Drei Kisten hatte sie vorausgeschickt. Vor Weihnachten stand sie dann in der Tür mit ihren Koffern und Taschen. Und jetzt ist sie da, bei ihrer Mutter in München, zum ersten Mal seit acht Jahren für längere Zeit. Clara Strehle, 22 Jahre alt, ging schon mit 14 Jahren aufs Internat nach Lugano. Dann studierte sie und machte Praktika in Paris und London. Und nun hat sie ihren Abschluss an der Parsons School in Manhattan gemacht, beschleunigt, zwei „Majors“, in Management und in Mode, gewissermaßen als gute Mischung aus dem Vater, dem Manager, und der Mutter, der Modemacherin.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Und jetzt ist sie da. „In New York lernt man sich selbst kennen“, sagt sie. Es ist ihr alles etwas zu leise und zu langsam in München nach den Jahren in Manhattan. Sie will weiter. Deshalb geht sie auch schnell wieder zurück an den Computer, um ihre Bewerbung für die Modeschule Central Saint Martins in London fertigzustellen. Sie will sich wohl noch besser kennenlernen.

          Gabriele Strehle sieht erholt aus, trotz und wegen des neuen Dauergasts in ihrer Wohnung. Gerade war sie mit ihrer Tochter acht Tage lang in Südafrika. „Ein Traum, den ich schon lange hatte. Ich wollte das zu meinem Fünfzigsten schon machen. Jetzt habe ich es immerhin nach meinem Sechzigsten geschafft.“ Wann hätte sie es vorher machen sollen? Vier Jahrzehnte lang hat sie vor allem gearbeitet und den Urlaub immer kompakt gehalten. Zum Ende des vergangenen Jahres war endgültig Schluss bei Strenesse. „Mama“, sagte Clara daraufhin im Dezember, „Du hast doch jetzt mehr Zeit. Wir könnten sogar acht Tage fliegen.“ Das taten sie dann auch. „Ist doch schön symbolisch“, meint Gabriele Strehle lachend: „Kap der Guten Hoffnung“.

          Er stritt sich mit ihr, dann heiratete er sie

          Die Hoffnung braucht sie jetzt, schließlich muss es einen Neuanfang geben. Gabriele Strehle ist noch fragil wie immer, zupft an ihren Haaren herum, sucht Deckung hinter ihren Händen, zweifelt an sich wie alle, die nach Perfektion streben. Aber sie weiß natürlich auch, was sie aufgebaut hat, als erste deutsche Designerin nach Jil Sander, die weit über Deutschland hinaus wahrgenommen wurde, die zu ihren Hoch-Zeiten mit den besten Mailänder Kollektionen konkurrieren konnte, die mit ihrer konsequenten Reduktion aufs Wesentliche so etwas wie ein Markenzeichen schuf und aus einer Mantelfirma in der bayerischen Provinz eine Modemarke mit großer Ausstrahlung gemacht hat.

          Natürlich: Ohne ihren Mann, Gerd Strehle, von dem sie sich getrennt hat, so dass auch die Trennung vom Familienunternehmen nur eine Frage der Zeit war, wäre das nicht möglich gewesen. Er wollte die „Bekleidungswerk Strehle GmbH & Co. KG“, die seine Eltern 1949 gegründet hatten, schon früh modernisieren. Mit dem Namen Strenesse hauchte er dem Unternehmen Jugend ein. Die junge Designerin, die da 1973 von der Meisterschule für Mode in München kam, um sich im selbstgeschneiderten apfelgrünen Leinenkostüm in der Provinz vorzustellen, schien ihm die Richtige für die angestrebte Verjüngung. Noch ahnte er nicht, wie zielorientiert diese zierliche junge Frau war. So lange stritt er sich mit ihr, bis er sie schließlich heiratete.

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