https://www.faz.net/-hs1-76ef6

Besuch bei Gabriele Strehle : Es muss nicht die Mode sein

Im Erfolg der Neunziger waren die Schwierigkeiten für die Firma und letztlich auch für Gabriele Strehle schon angelegt. Die Probleme begannen mit der Herrenmode, ausgerechnet. Die Debüt-Kollektion im Jahr 2002 fiel mitten in die Krise nach dem 11. September. Plötzlich machte die Erfolgsfirma Verluste. Der erste familienfremde Vorstandschef blieb 2005 nur wenige Monate, dann übernahm Gerd Strehle wieder. Ein Investor stieg ein. 2003 kam Stieftochter Viktoria aus Gerd Strehles erster Ehe ins Unternehmen, erst verantwortlich für die Läden, seit 2006 für die Accessoires, seit 2008 für die Zweitlinie „Strenesse Blue“. Und so sehr sich Gabriele und Viktoria auch bemühten: Es wollte nicht so richtig klappen. Schließlich trat auch Stiefsohn Luca in die Firma ein. Vor einem Jahr wurde er neuer Chef, und Gerd Strehle wurde nach 45 Jahren an der Spitze Aufsichtsratsvorsitzender. Wenig später, im September, kam die Nachricht, dass Gabriele Strehle zum Ende des Jahres geht. „Es flossen Tränen“, sagte Luca Strehle damals über die Stimmung im Unternehmen. Mehr ist von beiden Seiten über das traurige Ende dieses Kapitels der deutschen Modegeschichte nicht zu hören.

„In den letzten Jahren hat jeder mitgemischt“, sagt Gabriele Strehle rückblickend über die Veränderungen. „Man muss sich treu bleiben. Ich weiß, dass die Entscheidung richtig war, und ich fühle mich gut dabei.“ Sie hat sich im vergangenen Jahr, typisch, gleich in eine neue Arbeit gestürzt. In ihrer neuen Wohnung über den Dächern von Schwabing hat sie die Wände rausreißen und alles nach ihren Vorstellungen einrichten lassen. Aus der blankgeputzten Küche, dem so karg wie klassisch eingerichteten Wohnzimmer und vor allem von der umlaufenden Terrasse bietet sich ein herrlicher Blick auf München: die Türme der Frauenkirche, rundlich-bayerisch, davor die Türme der Ludwigskirche, spitz-arabisch, in der Ferne bei guter Sicht die Voralpen, drüben über dem Englischen Garten der Monopteros, und ganz hinten schimmert sanft der goldene Friedensengel. Aus dem sechsten Stock kann sie gut und gerne auf vieles herabblicken. „Die Götter haben mich geküsst. Ich bin hier sehr glücklich.“

Rückbesinnung, keine Nostalgie

Im Arbeitszimmer hängen noch an einer ganzen Wand die Farbkarten, „mein Steckenpferd“. Aber für Architektur, Inneneinrichtung und Design interessiert sie sich gerade mehr als für Mode. Das Wasser reicht sie in farbigen Gläsern, die sie selbst entworfen hat. „Ich suche neue Wege, kreativ zu sein.“ Wieder fragte sie sich: „Schaffst du das? Oder schaffst du das nicht?“ Mit Unterstützung der richtigen Handwerker hat sie sich den Traum hier oben erschaffen. „Es ist ein gutes Gefühl, dass man außer Klamotten auch anders kreativ tätig sein kann. Hier habe ich ganz neue Talente entdeckt.“ Weist das schon in eine neue Richtung? „Ich lasse mir Zeit. Nach 40 Jahren muss man pausieren. Aber ich will und werde wiederkommen.“

Weitere Themen

Deutschlands Sneaker-Papst

Designer Hikmet Sugoer : Deutschlands Sneaker-Papst

Jeder Trend hat seine Vorreiter: Bei Sneakern ist das in Deutschland der Designer Hikmet Sugoer. Er trug schon als Kind Modelle, die von Mitschülern belächelt wurden, nicht nur im Sportunterricht – sondern auch auf der Straße.

„Über mich kann ich lachen“

Stil-Fragebogen : „Über mich kann ich lachen“

Er ist ausgebildeter Erzieher. Aber seit er als bester Kumpel von Matthias Schweighöfer in „Friendship!“ in einer Schwulenbar gestrippt hat, ist Friedrich Mücke als Schauspieler etabliert – in ernsten und lustigen Rollen gleichermaßen. Der Stil-Fragebogen.

Topmeldungen

Die Faust geballt, der Blick geht nach Berlin: Robert Lewandowski zieht mit dem FC Bayern ins DFB-Pokalfinale ein.

Furioses 3:2 in Bremen : FC Bayern nach Spektakel im Pokalfinale

Die Münchener führen im Halbfinale des DFB-Pokals lange, dann trifft Werder Bremen binnen weniger Sekunden gleich zwei Mal. Doch am Ende jubelt trotzdem der FC Bayern – Trainer Kovac stellt zudem eine beeindruckende Bestmarke auf.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.