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„Mercedes-Benz Fashion Week“ : Mit Blick auf das Brandenburger Tor

Auf dem Bebelplatz liefen bisher die Schauen der „Mercedes-Benz Fashion Week” ab Bild: dpa

Eine neue Location, viele Prominente, mehr Marken und eine Party mit 15.000 Gästen: Die Modewoche in Berlin findet vom 6. bis 9. Juli auf der Straße des 17. Juni statt - und wird größer werden denn je.

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          Eigentlich war der Bebelplatz der beste Standort. In einem Zelt auf dem Platz zwischen Humboldt-Universität und Hotel de Rome in Mitte liefen bisher zwei Mal im Jahr, immer im Januar und im Juli, die Schauen der „Mercedes-Benz Fashion Week“ ab. Stets war die Berliner Modewoche begleitet von dem Protest einiger Berliner um Edzard Reuter.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Denn das weiße Zelt stand über dem in das Pflaster eingelassenen Mahnmal des Künstlers Micha Ullman, das an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 auf dem Platz erinnert. Der Zugang zu dem Mahnmal blieb zwar frei, aber der Protest gegen „trivialisierende Massenveranstaltungen“ am Gedenkort wurde mit jeder Modewoche schärfer. Nachdem der Kulturausschuss der Stadt vergangenes Jahr beschlossen hatte, auf dem Platz keine kommerziellen Veranstaltungen mehr zuzulassen, wurde der Bebelplatz mit Ausnahmegenehmigung im Januar 2011 ein letztes Mal bespielt.

          Mehr Marken präsentieren ihre Mode

          Schon seit zwei Jahren hatten die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen sowie der Modewochen-Veranstalter IMG nach einem anderen Platz in Berlin gesucht. Nun sind sie endlich fündig geworden. Am Dienstag teilte der Veranstalter mit, dass die neunte Saison der Fashion Week mit den Kollektionen für Frühling und Sommer 2012 vom 6. bis 9. Juli in einem Zelt auf der Straße des 17. Juni präsentiert wird. Der Eingang des Zeltes soll zum Brandenburger Tor ausgerichtet sein. Schon die erste Modewoche hatte 2007 am Brandenburger Tor stattgefunden, bevor sie im Januar 2008 in den Postbahnhof am Ostbahnhof zog und schließlich seit Juli 2008 auf dem Bebelplatz stattfand.

          Sie war das „Gesicht” der Fashion Week 2011: Karolina Kurkova

          Dieses Mal wird es neben einem Catwalk-Zelt Raum für weitere Mode-Präsentationen in einem Studio geben. Durch die bauliche Ergänzung wird nach Angaben von Peter Levy, dem Managing Director und Senior Vice President von IMG Fashion, auch die Anzahl der Marken wachsen, die sich in der Woche zeigen - vor allem der vielen kleinen Berliner Marken, muss man hinzufügen, die sich eine teure Laufstegpräsentation nicht leisten können.

          Eröffnet wird die Modewoche jedoch von einem weiteren Großveranstalter: Karl-Heinz Müller von der „Bread & Butter“, die schon jetzt mit rund 580 Ausstellern vollständig ausgebucht ist. Müller hatte sein Unternehmen am 22. Juni 2001 gegründet und war nach Anfängen in Köln und Umwegen über Barcelona am Flughafen Tempelhof gelandet. Dort will er (schon um der IMG und den Veranstaltern der ebenfalls blühenden Modemesse „Premium“ am Gleisdreieck frühzeitig die Schau zu stehlen) am 5. Juli eine Party zum zehnten Geburtstag der größten Modemesse Europas mit 15.000 Gästen feiern. Um noch weiter in die Öffentlichkeit vorzudringen, will Müller außerdem erreichen, dass Modeläden in Mitte an den Messetagen bis 24 Uhr geöffnet sind.

          Begleitprogramm mit mehreren Ausstellungen

          Für die Professionalisierung des Mode-Standorts spricht auch, dass der von Magdalena Schaffrin und Jana Keller veranstaltete „Green Showroom“ im Hotel Adlon, die kleine Messe für „grüne Mode“, die umweltfreundlich und nach bestimmten sozialen Standards hergestellt wird, zum ersten Mal unter der Regie der Messe Frankfurt laufen wird. Das international tätige Messeunternehmen will den Showroom, der zum vierten Mal und abermals erweitert stattfindet, künftig auch international etablieren.

          Die zunehmende Ausstrahlung der Modewoche wird auch am Begleitprogramm offenbar. So werden allein mindestens drei Bücher zu dem Anlass erscheinen: aus dem Deutschen Fachverlag ein Werk zum zehnjährigen Jubiläum der „Bread & Butter“, eine Neuausgabe des „Zitty-Modebuchs“ über Berliner Designer und im Distanz-Verlag das von Nadine Barth herausgegebene Handbuch „German Fashion Design 1946-2012“. Zudem werden gleich mehrere Ausstellungen stattfinden. In „Visions & Fashion, Bilder der Mode 1980/2010“ in den Sonderausstellungshallen am Kulturforum, organisiert von der „Sammlung Modebild - Lipperheidesche Kostümbibliothek“, sollen Originalarbeiten von mehr als 40 Fotografen, Grafikern und freien Künstlern sowie Magazintitel, Plakate und Lookbooks die Mode- und Stilgeschichte der vergangenen 30 Jahre beleuchten.

          Und „Basic Instincts“ in der Villa Elisabeth zeigt vier Wochen lang Modedesign, Architektur, Kunst und Produktdesign aus den Niederlanden - bevor die Ausstellung auf Welt-Tournee geht. Nicht zuletzt wird auch diese Modewoche von Prominenten leben. Marc Jacobs ist als Schirmherr des Modepreises „Designer for tomorrow“ leibhaftig anwesend. Nur noch ein paar Saisons, und Berlin muss nicht einmal mehr mit solchen Namen Eindruck schinden.

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