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Berliner Modewoche : Dieses Design steht dem Denim

Neben Fotos werden auch Videoaufnahmen für die Herbst/Winter 2013/14-Kollektion der Modemarke Closed gemacht.

An dieser Stelle geht ein Aufstöhnen durchs Chefbüro im ersten Stock des alten Straßenbahndepots. Denn kaum hatte Murkudis hier seine Arbeit begonnen, verließ Ghesquière im Herbst Balenciaga, und Murkudis wurde als einer der Nachfolgekandidaten genannt. Da befürchteten sie in Hamburg natürlich, der neue Mitarbeiter könnte nach Paris verschwinden - und man schickte ihm gleich mal eine SMS, sicherheitshalber. Heute klingt Murkudis glücklich darüber, dass Alexander Wang den schwierigen Job bekommen hat. Und bei Closed darf man sich glücklich schätzen, einen Designer zu haben, der so in seiner Arbeit verschwindet, dass man ihn nur mit Mühe dazu bewegen kann, auch mal auf ein Foto zu kommen.

Der Reiz für ihn: Anders als in einem Konzern kann er hier schnell viel Neues verwirklichen und all seine Einzelerfahrungen beim Ausbau der Marke einbringen. Denn Murkudis, 1959 geboren und doch schon ein Mode-Veteran, hat mit Unternehmen wie Schiesser (Unterwäsche), Ludwig Reiter (Schuhe), Swarovski (Schmuck), Mykita (Brillen) oder Flip-Flop zusammengearbeitet. Noch mehr interessiert ihn heute die Kunst. So präsentierte er seine eigene Linie, die er weiter betreibt, schon spektakulär mit dem Lichtkünstler Carsten Nicolai. Warum sollte man die Erfahrung nicht nutzen für eine Präsentation der „capsule collection“, an der Murkudis arbeitet und die einen besonderen Rahmen braucht? Schon im März könnte die als Teil der Großkollektion beim Prêt-à-porter in Paris in besonderes Licht getaucht werden.

Unterschiedliche Welten verschmelzen

Paris ist ohnehin das nächste Ziel - für einen Laden im Ausland. Denn die 300-Mitarbeiter-Marke ist zwar in wichtigen internationalen Geschäften wie Bon Marché, Harrods oder Barneys vertreten und hat im Handel rund 1700 Kunden. Aber auch das Geschäft über eigene Läden - bisher gibt es 21, die meisten in Deutschland - soll verstärkt werden. „Wir wollen international vorankommen“, sagt Giers. „Sein Name sorgt dabei in einigen Ländern für viel Aufsehen“, sagt Til Nadler. Damit meint er vor allem Japan, wo Murkudis dank seiner eigenen Marke sehr bekannt ist. Und das wiederum wird helfen, von dem wichtigsten asiatischen Markt aus die Expansion in Südkorea und China voranzutreiben.

Aber erst einmal geht Murkudis, der jetzt nicht mehr nebenbei für andere Marken arbeitet, den nächsten Winter an - und die weitere Zukunft, denn sein Vertrag ist unbefristet und langfristig gedacht. 280 Teile der Damenkollektion und 200 Herren-Teile hängen an der Stange. Seine Lieblingsstücke? „Mit dem Begriff kann ich nicht viel anfangen“, meint Murkudis trocken. Er will unterschiedliche Welten zusammenbringen und sucht doch eine Linie. Dazu näht er Motorradjacken-Wattierungen, die normalerweise den Aufprall abfedern sollen, in die Arme oder Schultern von Jacken aus butterweichem Leder. Die Stücke aus gepresstem Schaum arbeitet er auch in eine Biker-Jacke aus Nylon ein, die zur Jeans wie zum Abendkleid passt. Lammfelljacken ähneln alten Fliegerjacken, Military-Schnitte konterkariert er mit Seide, einen Parka mit Pelzbesatz verfremdet er mit Steppungen. Ein Mantel bekommt mit Innenfutter aus Neopren andere Dimensionen, und Thermohemden hat man als T-Shirt auch noch nicht gesehen.

„Es wäre für mich keine Schwierigkeit, ein Fünfzehn-Sekunden-Hingucker-Kleid zu machen“, meint Murkudis. „Ich will aber ein reales Produkt erschaffen, das morgen cool ist und vielleicht noch in zehn Jahren.“ Dieses Programm gilt sogar für die Chiffonkleider. Für Closed sind sie ein Debüt, für Murkudis Routine: Die Ärmel sind aus - Sweatshirt-Stoff.

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