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Berliner Modewoche (3) : Im achten Monat auf den Laufsteg

Die Booker dachten, Michalsky sei verrückt: Patricia Kaiser am Freitagabend auf dem Laufsteg Bild: Fricke, Helmut

Der Höhepunkt des Freitags ist am Abend die „Style Nite“ von Michael Michalsky. Denn wie immer hat der Designer ungewöhnliche Ideen: dieses Mal schickt er ein hochschwangeres Model auf den Laufsteg.

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          Im Jahr 2000 war sie mit gerade einmal 15 Jahren die jüngste Miss Austria aller Zeiten. Im Jahr 2012 steht sie als das wohl schwangerste Model aller Zeiten auf dem Laufsteg. Patricia Kaiser war als Leichtathletin auch schon österreichische Landesmeisterin im Speerwurf und Vize-Meisterin im Siebenkampf. Vielleicht macht es ihr wegen ihrer guten Kondition nichts aus, am Freitagabend bei der „Style Nite“ von Michael Michalsky in der 34. Schwangerschaftswoche einen Entwurf des Berliner Designers auf dem Laufsteg zu präsentieren – nur wenige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lange hatte Michalsky, der auch schon mal alte und behinderte Menschen in seine Show aufnahm, nach einer Schwangeren gesucht. Eine Kandidatin bekam vorzeitige Wehen und fiel aus. Die Booker, so erzählt er nach der Schau, dachten, er sei verrückt. Und auch Patricia Kaiser aus Mödling in Niederösterreich glaubte erst an einen Scherz, als ihre Agentur, Next in Wien, bei ihr nachfragte. Aber von Michalskys Großprojekt, auf dem Laufsteg Diversität zu zeigen, ließ sie sich überzeugen. Ein Frauenarzt gab ihr ein Attest, dass sie fliegen darf – denn bei manchen Fluglinien darf man nur bis zur 32. Woche in ein Flugzeug steigen. Das Baby strampelte, als sie im Tempodrom auf den Laufsteg schritt. „Nicht wegen der lauten Musik“, sagt Patricia Kaiser, „sondern weil ich so nervös war.“

          Michalsky lässt sich für seine Kollektion feiern
          Michalsky lässt sich für seine Kollektion feiern : Bild: Fricke, Helmut

          Oder weil es so lange dauert bis zu ihrem Auftritt mit blankem Bauch. Die „Style Nite“ beginnt nämlich zunächst etwas träge mit einem Streichquartett. Dann die Herrenkollektion, an der es kaum etwas auszusetzen gibt – die Jodhpurhosen hätten vielleicht von knapp über dem Knöchel bis knapp unter den Knöchel reichen können. Das Tempodrom droht also schon fast in Konsens zu versinken, als die Elektropop-Gruppe Blitzkids auf die Bühne stürmt und das Publikum mit lustigen Tanzeinlagen und noch besseren Strophen in Laune bringt. Das sei hier alles kein Sandkasten und auch kein Spielplatz, erklärt die Sängerin in ihren Liedern. Ein Laufsteg aber eben auch nicht. Denn schließlich ist das Highlight zwischen schlicht schönen Mänteln zum hellblauen Bikinioberteil oder den vielen verwaschenen Blütenprints – eben Patricia Kaiser, die nach der Schau fröhlich alle Fragen beantwortet.

          „Achtland“ überzeugt mit einem wunderbar noblen Touch

          Der Freitag, der dritte Tag der „Mercedes-Benz Fashion Week“, hatte deutlich langweiliger begonnen. Nach zwei vollgestopften Tagen (und bei vielen auch Nächten) geht es langsam los. Im Hotel de Rome hat Christiane Arp von der „Vogue“ wieder zum „Salon“ geladen, in dem Einkäufer auf Jungdesigner treffen sollen. Die größte Entdeckung dort ist „Achtland“ von Oliver Lühr und seinem Partner Thomas Bentz. Die Kollektion überzeugt mit schönen Details wie handbemalter Spitze und überhaupt einem wunderbar noblen Touch. So etwas sieht man nicht oft in Berlin. „Achtland“ hatte einen guten Start. Am Donnerstag zeigten sie erstmals ihre Kollektion im Department-Store Quartier 206. Schauspielerin Hannah Herzsprung kam, sah – und zog sich um. Am Nachmittag saß sie in dem Kleid mit gefältelter Vorderseite in der – Hugo-Schau.

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