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Berliner Modewoche (3) : Das Niemandsland meldet sich

Modenschau multimedial: inszeniert von Modeschöpfer Kostas Murkudis mit Videokünstler Carsten Nicolai Bild:

Der erste Tag der Modewoche gehörte den Powerbrokern der westdeutschen Mode. Die magischen Momente aber gab es im grauen Teil der Potsdamer Straße und im Pferdestall einer alten Brauerei.

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          Erst wenn die Mode aus dem Niemandsland kommt, hat sie mehr zu sagen. Da kann das weiße Zelt der „Mercedes-Benz Fashion Week“ am Brandenburger Tor noch so weit leuchten, da können zehntausende Besucher der „Bread & Butter“ noch so sehr in Hochstimmung geraten angesichts der sagenhaften Atmosphäre am alten Flughafen Tempelhof - die Mode braucht ihre magischen Momente, ihre unerhörten Augenblicke, die niemand wirklich erfasst, aber jeder sofort spürt.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Mittwochabend war es so weit. Jenseits des Brandenburger Tors, im Modeniemandsland, wo die Potsdamer Straße grob und grau wirkt, schien einer dieser Momente auf. Kostas und Andreas Murkudis, die beiden Brüder, die auch aus Griechenland, aber eigentlich aus dem „Tal der Ahnungslosen“ in der DDR stammen, hatten geladen. „Hammergeil“, schwärmte Angelika Taschen von der Location, dem alten, verlassenen Druckerei-Gebäude des „Tagesspiegel“, in dem Andreas Murkudis seinen neuen Laden eröffnete und, gleich nebenan, Kostas Murkudis seine Frühjahr-Sommer-Kollektion zeigte.

          Die Brüder Murkudis begeistern nicht nur die üblichen Verdächtigen

          Die Models standen im Halbdunkel, während schwarze Linien über sie hinwegzuckten. Die Kleider wurden also gewissermaßen zerlegt, geschnitten, demontiert, und wirkten manchmal rätselhaft, manchmal betörend schön und ziemlich oft auch tragbar. Es war ein Gesamtkunstwerk, das Kostas schuf - mit den flimmernden Bildern und dem knisternden Sound des Künstlers Carsten Nicolai, starker Mode und jenseitig coolen Models. Nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern die halbe Berliner Modewelt erschauderte.

          Die Schau von Kostas Murkudis im ehemaligen Verlagshaus des Tagesspiegel

          So sorgten die Brüder Murkudis für den ersten Höhepunkt der Modewoche. Im Niemandsland eröffnet Andreas Murkudis einen Concept Store, in dem er kühn und kühl und kunstvoll Mode präsentiert, wie man es nicht einmal in Paris oder Mailand sieht. Ein gigantischer quadratischer Raum, 24 mal 25 Meter, sieben Meter hoch. Die Kleider hängen hier wie Kunstobjekte. Zur Eröffnung lieferten Designer „Special Editions“. Dries van Noten schickte aus Antwerpen Stoffballen aus seiner einmalig schönen Stoffsammlung und einen Kleiderschnitt in fünf Größen. Die Kundin kann sich den Stoff aussuchen, das Kleid wird in Antwerpen gefertigt, und wenn die Stoffballen aus sind, ist das Projekt beendet.

          Für Andreas Murkudis ist der neue Ort auch als Flucht zu verstehen. In der Münzstraße, mitten in Mitte, war er zum Relikt geworden - ein experimenteller Laden in einem heruntergekommenen Haus, das sich inmitten der blankgeputzten Sportswear-Filialisten wie ein Sonderling des Einzelhandels vorkommen musste. „Dieser Raum hier hat mich sofort inspiriert, als ich ihn vor einem halben Jahr sah“, sagt Andreas Murkudis. Außerdem schaffte er es, seinen Bruder dazu zu bewegen, nach acht Jahren endlich mal wieder seine Mode auf dem Laufsteg zu zeigen.

          Ansonsten bunte Drucke, Schlaghosen, nordafrikanische Inspiration

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