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Berliner Modewoche (2) : Tanktops in letzter Minute

Fashion-Statements werden künftig aber für das Haus wichtiger, sagt Claus-Dietrich Lahrs, der Vorstandsvorsitzende, als er vor der Show am Laufsteg steht. Schon bald wird das Haus aus Metzingen seine Hauptlinie auf der New Yorker Fashion Week zu zeigen. Hugo aber werde in Berlin bleiben. Bei so viel Mode könnte man dann auch mal wieder an ein Abendessen denken.

Bei Hugo Boss sieht man in dieser Kollektion von zu viel Farbe ab - und sich abzuheben

Eine weitere Marke aus dem Süden Deutschlands, Rena Lange, zeigt am Nachmittag Niveau schon beim Booking. Unter all den frischen Gesichtern ist auch Antonia Wesseloh aus Buxtehude, die seit ihrer Prada-Kampagne einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist. Die richtige Besetzung für eine maritime Kollektion. Wie eine frische Meeresbrise scheinen Frühling und Sommer 2013 neue Jugend ins Label zu bringen – gerade erst hatte man angekündigt, eine jüngere Rena-Lange-Linie aufzubauen. Der frische Wind scheint auch auf die Hauptlinie übergesprungen zu sein, und das ließ sich nicht einmal Mario Testino entgehen.

Maritime Leichtigkeit bei Rena Lange

Eigentlich soll die Kollektion an David Hockneys Ölgemälde von Swimmingpools angelehnt sein. Sie passt aber noch besser zum Meer. Neben marineblau und weiß dominieren sonnig-sommerliche Töne, die das Bild eines Abends am Strand komplettieren. Leise wiegen die Wellen in feinem Organza, und die Wasseroberfläche schimmert durch Stickereien aus Kristall. Höhepunkt allerdings: ein hochgeschlossener luftiger Seiden-Jumpsuit mit Rückendekolleté, weiße Lilienblüten auf Apricot. Und wo sollte die Sonne besser untergehen als in einer gelbroten runden Sonnenbrille?

Laurèl aus München: eine moderne Antwort auf die Frage, was Sophia Loren auf ihrem Weg von San Remo nach Portofino in den Koffer gepackt hat

Ebenfalls aus München: Laurèl. Die Marke verspricht eine moderne Antwort auf die Frage, was Sophia Loren auf ihrem Weg von San Remo nach Portofino in den Koffer gepackt hat. Ob Frontrow-Gast Claudia Effenberg ein mustergültiges Beispiel für die moderne Verkörperung einer Sophia Loren darstellt? Immerhin hat sie eine Freundin mitgebracht, „und die trägt auch Laurèl heute“. Minu Barati-Fischer wiederum mag Laurèl, „weil’s schön ist“. Also auf ins Italien der fünfziger und sechziger Jahre!

Dolce Vita an der Goldelse

Zu Beginn fotografieren Paparazzi die erste Reihe. Es läuft: der Pate. Dann viel orange und schwarz und Zebra mit nur wenigen Überraschungen. Udo Walz ist so ungerührt, dass er lange per Handzeichen mit einem Gast auf der gegenüberliegenden Laufstegseite kommuniziert. Sommerliche Gefühle kommen bei Mänteln und Jacken aus Spitze und Lammleder kaum auf. Doch dann blüht es auch hier: türkisfarbene Rosenmuster, etwas royales Blau, dann wird es wärmer, und Bluse, Kaftan, Kleid in flammenden Farben sorgen für ein furioses Finale. Dolce Vita an der Goldelse!

Am Rest von Tag zwei: Gewitterwetter. Dort sieht man zuviel (Guido Maria Kretschmars dick aufgetragene Sportlinie in Zusammenarbeit mit dem BVB Dortmund), hier sieht man zu wenig (Dietrich Emters stark auf einfache Tuniken und Kleider reduzierte Sommerkollektion). Und manchmal glaubt man seinen Augen nicht zu trauen: Die beiden Designerinnen von „Mongrels in common“ (die ihre Mode gemeinsam mit dem neuen Label Liebig zeigen) mischen doch wirklich die Funktionsmode des Baseball mit der Trendgarderobe der Mods. Motto: „Home Run for Mods“. Die Trikots aus Seide verwandeln sich in wunderbare Damenblusen.

Spät am Abend, als die Gäste längst vor dem Gewitter aus dem Hof der Jüdischen Mädchenschule geflohen sind, erzählen die Designerinnen Livia Ximenez Carillo und Christine Pluess fröhlich, dass die haarigen Baseballkappen aus nichts geringerem sind als aus – geflochtenem menschlichen Haar. An Ideen also mangelt es der Berliner Mode wirklich nicht.

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