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Berliner Modewoche (1) : Nach Abpfiff Champagner

Richtig erfolgreich: Kaviar Gauche ... Bild: ddp

Der erste Tag der Berliner Fashion Week stand im Zeichen zweier Labels, die richtig erfolgreich sind: Kaviar Gauche und Lala Berlin. Nach der Niederlage der Nationalmannschaft hat die Berliner Mode so genug Gründe für unbeschwerte Feierfreude.

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          Der schwarze Mittwoch begann fröhlich und endete heiter - jedenfalls auf der Berliner Modewoche. Denn die Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2011, die bis zum Samstag in der Hauptstadt gezeigt werden, sind so leicht wie das deutsche Spiel gegen Argentinien. Und die Niederlage gegen Spanien wurde zwar von Zehntausenden Modeleuten auf großen Partys in Tempelhof, im Cookies, im Borchardt und in vielen Modeläden betrauert - aber schon eine halbe Stunde nach Abpfiff floss statt einiger Tränen wieder reichlich Champagner.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Berliner Mode hat Gründe genug für unbeschwerte Feierfreude. Zwar sind allein innerhalb der letzten zwei Jahre einige Labels - Unrath & Strano, Sisi Wasabi, Macqua, Pulver - unter anderem wegen eines suspekten Investors und wegen der Krisenfolgen untergegangen. Aber die Hunderten Designer haben die Konsumflaute schon deshalb besser überstanden als viele große Marken in Paris oder Mailand, weil das Geschäft noch nicht so entwickelt ist und weil sie bis zur Selbstausbeutung bescheiden sind.

          Die Marke hat eine Schärfe, obwohl sie edel ist

          Der erste Tag der „Mercedes-Benz Fashion Week“ stand sogar im Zeichen zweier Labels, die richtig erfolgreich sind: Kaviar Gauche und Lala Berlin. Mit sommerleichtem Grobstrick, flatternder Seide, hellen Brauntönen, verfremdeten Naturdrucken und witzigen Halbschuhen zeigte Lala-Gründerin Leyla Piedayesh, dass sie inzwischen die ganze Palette modischer Ausdrucksmöglichkeiten beherrscht. Als sie selbst nach der Schau in den neuen Schuhen im Modezelt am Bebelplatz steht, ist sie sofort von Fans umringt: Das Leder der Halbschuhe ist mit Silberfolienstreifen verziert wie ein Kleid mit schimmerndem Besatz an Ausschnitt und Kragen.

          ... und Lala Berlin.

          Unter den Fans auch Heike Makatsch, die gerne Lala trägt - und noch lieber Kaviar Gauche. Beim Warten auf deren Schau erklärt sie, warum sie auf roten Teppichen immer wieder in „KG“ erscheint und zur besten Werbefigur der beiden Gründerinnen Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl geworden ist. „Sie kennen mich inzwischen so gut, dass sie genau wissen, welche Teile sie mir anpassen können. Die Marke hat eine Schärfe, obwohl sie edel ist. Die Kleider sind so leicht, als ob man sie sich gerade am Strand übergeworfen hätte.“

          „Ich hab euch etwas mitgebracht“

          Die Schau wird die Werbeworte der Schauspielerin bestätigen: Aus den Rauchschwaden auf der Bühne und unter der doch etwas dramatischen Musik von Rammstein („Ich hab euch etwas mitgebracht“) erscheinen flatternde und fließende Seidenkleider in wässrigen Pastellfarben von Zitronengelb bis Flieder, die an Schultern oder Brustpartie immer wieder mit dem Markenzeichen versehen sind, den schönen Fältelungen: wie gemacht für einen sommerlichen Abend in den Hamptons.

          Und für Zweithochzeiten. Johanna Kühl sagt nach der Schau lachend, dass sie mit ihrer Brautmode vor allem deshalb so erfolgreich sind, weil es gar keine richtige Brautmode ist. Viele Frauen, die schon einmal in Weiß geheiratet hätten, wollten eben beim zweiten Mann anders auftreten - ohne den Barocküberschwang und die Unschuldsfarbe. „Auch für solche Anlässe sind die abgedimmten Farben gut.“

          Wen interessiert da schon der Fußball!

          Zarten Glamour verbreitet auch die letzte Kollektion des Tages kurz vor dem Anpfiff. Frida Weyer, wie die beiden Kaviar-Gründerinnen Absolventin der Modeschule Esmod und nun in ihrer dritten Saison, hatte bis vor zweieinhalb Wochen gedacht, sie würde eine ganz andere Kollektion auf den Laufsteg bringen, einfacher, verkäuflicher, vernünftiger. Dann entschied sie sich doch fürs Risiko und schmiss alles um. Die von Katrin Thormann angeführten Models zeigen eine beeindruckende Armada von Cocktail- und Abendkleidern, eine Orgie aus Organza und Duchesse, die man elegant und edel und geschmackvoll nennen könnte, wenn das nicht so abgegriffene Wörter wären.

          „Es stimmt schon“, sagt Frida Weyer nach Schau, „in Amerika kauft man sich solche Kleider einmal im Monat, in Deutschland einmal im Jahr oder im Leben.“ Sie setzt, mit einigen deutschen Boutiquen und vielen Privatkunden im Rücken, trotzdem auf den großen Auftritt à la Haute Couture. Sogar bei den Oscar´s war schon ein Kleid von ihr zu sehen, Karl Lagerfeld hat schon das goldene Federkleid fotografiert, und für September haben sich Einkäufer amerikanischer Nobelkaufhäuser angekündigt. Wen interessiert da schon der Fußball!



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