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Bademantel-Comeback : Am liebsten ganztags

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Julia Roberts, Udo Jürgens und Dittsche lieben ihn: den Bademantel. Das Stück Frottee ist für Modebewußte Himmel und Hölle zugleich. Der Bademantel war lange Zeit verpönt, doch jetzt verhelfen ihm Stardesigner zu einem edlen Comeback.

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          Was haben Udo Jürgens, Vivian Ward und „Dittsche“ gemeinsam? Antwort: die Vorliebe für Bademäntel. Dabei ist es eigentlich ein Unding, daß das fusselige Stück Frottee, in dem Olli Dittrich als arbeitsloser Hobby-Philosoph Dittsche an der Hamburger Frittenschmiede steht, den gleichen Namen trägt wie das flauschige Etwas, in das sich Julia Roberts alias Vivian Ward als „Pretty Woman“ schmiegt. Andererseits hat Dittsche wie kein zweiter den Bademantel ins Bewußtsein der Nation zurückgebracht, denn ohne das gestreifte Teil kann man sich den genial-peinlichen Proll nicht vorstellen.

          Der Bademantel ist ein recht widersprüchliches Kleidungsstück, modischer Himmel und Hölle zugleich. Er steht für die beglückenden Momente der Kindheit, wie sie Florian Illies in „Generation Golf“ beschreibt: den Duft von Schauma „Grüner Apfel“ im Haar, das Nutellabrot im Bauch, eingemummelt im Kapuzenbademantel vor „Wetten, daß . . .?“ Er symbolisiert aber ebenso den sozialen Abstieg, wenn der Hartz-IV-Empfänger im fleckigen Bademantel zum Penny hinüberschlappt, um sich ein weiteres Sixpack zu genehmigen. Er kann dekadent sein, wenn er in seiner Edelversion aufkreuzt, dem leicht glänzenden „Dressing Gown“ aus Satin oder sogar Seide, wie ihn Oscar Wilde trug oder Clark Gable. Oder billig, wenn man ihn mit Goldkettchen und Blondinen in Doppel-D kombiniert.

          „Er zog seinen Schlafrock kaum mehr aus“

          Wann der Bademantel die Modewelt beglückte, liegt im dunkeln. Sicher ist jedoch, daß er einen edlen, ja adeligen Urahn hat: den Morgenrock. Für das gemeine, werktätige Volk war dieses Kleidungsstück selbstverständlich nicht gedacht. Die Vornehmen dagegen verbrachten Stunden mit der Toilette und Garderobe, ihre Tage, um es mit Georg Büchner zu sagen, waren wie ein einziger langer Sonntag. Kein Wunder, daß dem eleganten Morgenmantel auch heute noch etwas Hochmütiges, Realitätsverweigerndes anhängt.

          Sieht auch lässig aus: Olli Dittrich in „Dittsche” Bilderstrecke

          Erst brachte ihn der verderbte Adel in Verruf, dann genossen es die geistigen Bonvivants, die Maler, Dichter und Schriftsteller, sich den Ansprüchen der Wirklichkeit und der Leistungsgesellschaft zu verweigern - in einem glänzenden Stück Stoff. Der Dressing Gown als Uniform des intellektuellen Widerstands gegen den Produktionszwang. Oder wie es die deutsche Lyrikerin Monika Rinck in einem Gedicht mit dem Titel „Ein Verhängnis im Schlafrock“ sagt: „In diesen Tagen zog er seinen Schlafrock kaum mehr aus. - Wie klingt denn das? Nach gleitenden Kontinuitäten - Der bei hellem Tag Beschlafrockte - er sagt ,Noch nicht'. Und er sagt es wieder.“

          Bademantel bei Hotelgästen gefragt

          Doch die Leistungsgesellschaft rächte sich. Fürchterlich. Sie erfand den Frotteebademantel, den proletarischen Bruder des Schlafrocks. Gelobt sei, was kratzt! Der klassische Herrenbademantel. Gestreift. Mit Gürtel. Er macht uns alle gleich. Auf den Krankenhausfluren. Im Altersheim. Dittsche, wie gesagt, trägt so einen. „Ekel Alfred“, der gallige Gernegroß aus der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“, hatte einen im Schrank. Und man möchte schwören, daß auch der Führer, dieser Liebhaber von Brennesselsuppe und Blondi, abends auf dem Obersalzberg in gestreiftem Frottee brütete.

          Doch mit der Wellness-Welle kehrt der Bademantel aus der Schämecke zurück. Immerhin - so fanden britische Hoteliers heraus - steht er an dritter Stelle der Dinge, die Hotelgäste gerne mitgehen lassen. Deshalb taucht er als großbürgerlicher Verwandter des Morgenrocks in den Shops der großen Fünf-Sterne-Häuser auf, kann man sich den Luxus einer Hotelsuite im „Savoy“ oder „Adlon“ ganz legal mit nach Hause nehmen. Das Modell aus dem „Adlon“ etwa gibt es für 95 Euro.

          Designer haben den Bademantel wiederentdeckt

          Auch große Modelabels wie Prada, Gucci und Jil Sander zeigen in ihren Kollektionen edle Bademäntel. Bei Bugatti schmiegt man sich in dezente Karos, für Joop! gehört an jeden Mantel eine Kapuze und ein passender Frotteeschal als Accessoire dazu. Und Stella McCartney entwarf ein extravagantes Modell für Adidas, das sich flach zu einer Decke ausbreiten läßt.

          Trotzdem können es sich nur ganz wenige leisten, ihren Bademantel in der Öffentlichkeit zu tragen, ohne daß es wirklich peinlich wird. Bei Udo Jürgens, der seine Zugaben traditionell verschwitzt in einem weißen Modell gibt, streiten sich die Geister. Und auch ob Playboy-Opa Hugh Hefner in seinem Hausmantel mit Paisley-Muster weltläufig oder doch eher schmierig aussieht, ist nicht ganz klar.

          Vielleicht trägt man ihn doch am besten wie Vivian Ward - also die unvergeßliche Julia Roberts in „Pretty Woman“: Erst läßt man ihn verheißungsvoll über die Schulter gleiten und dann wie eine frotteeweiche Wolke lächelnd zu Boden sinken.

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