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Alles wie immer in Berlin : Modemacher ignorieren Magermodel-Vereinbarung

Models in „Sisi Wasabi” bei der Fashion Week Bild: ddp

Sie suchen die Mädchen aus „wie immer“: Die soeben ausgehandelte Vereinbarung der Branche, keine Magermodels mehr auf den Laufsteg zu schicken, berücksichtigen die meisten Verantwortlichen auf der Modewoche in Berlin nicht.

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          Zahlreiche Modemarken, die auf der Modewoche in Berlin ihre Entwürfe für Frühjahr und Sommer 2009 präsentieren, berücksichtigen nicht die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in der vergangenen Woche mit der Modebranche ausgehandelte Vereinbarung gegen Magermodels. „Wir wissen davon nichts“, sagte der Casting-Verantwortliche einer Marke, die auf der seit Donnerstag und bis zum Sonntag laufenden Mercedes Benz Fashion Week ihre Mode zeigt. „Wir suchen die Mädchen aus wie immer.“

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Einige der „Casting Directors“ stammen aus Paris und New York und legen die dortigen Standards zugrunde. Der Veranstalter IMG, der auch die New Yorker und zahlreiche weitere Modewochen auf der Welt veranstaltet, erfuhr nach Angaben eines Sprechers von der „Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche“ erst am Mittwoch durch einen Reporter. Verantwortlich für die Modelauswahl seien aber ohnehin die Designer.

          „Im Zweifel lügen die Mädchen sowieso“

          In der Charta, die laut Ministerin dem „Kampf gegen gesundheitsschädlichen Schlankheitswahn“ dient, versprechen die Unterzeichner, für Models Kleidergröße 36 vorzuschreiben sowie einen Body-Mass-Index von mindestens 18,5 und ein Mindestalter von 16 Jahren. „Im Zweifel lügen die Mädchen doch sowieso, was das Alter angeht“, sagte der Casting-Verantwortliche, der nicht genannt werden wollte, dieser Zeitung.

          Neue Charta : Modebranche erteilt Magermodels eine Absage

          Die meisten Modemacher beteuern aber, ohnehin auf die Gesundheit der ausgewählten Models zu achten. So sagte Zerlina von dem Bussche („Sisi Wasabi“) am Donnerstag zur Eröffnung der Modewoche, ihre Entwürfe kämen erst durch die richtigen Proportionen zur Geltung. Sie habe beim Casting allzu dünne Models wieder nach Hause geschickt.

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