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Albert Eickhoff : Der König der Allee

Albert Eickhoff in seinem Büro in Düsseldorf auf der Königsallee Bild: Schoepal, Edgar

Albert Eickhoff ist der bekannteste deutsche Einzelhändler für Luxusmode. Der Erfolg seines Düsseldorfer Geschäfts basiert auf dem alten Prinzip: Alles aus einer Hand. Sein Leben lang kämpfte er nicht nur für guten Stil und für gute Umsätze - sondern auch gegen Vorurteile.

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          Der Parcours von Albert Eickhoff beginnt im Erdgeschoss seines Luxusgeschäfts. Dort begrüßt er Stammkundinnen mit Küsschen, erfreut sich an der hohen fünfstelligen Einkaufssumme einer einzigen Käuferin, tänzelt im ersten Stock an 1000-Euro-Taschen und 2000- Euro-Mänteln entlang, wirft der Dreißigjährigen vor dem Spiegel im Vorbeigehen „Steht Ihnen ausgezeichnet“ zu und plaudert mit dem jungen Pärchen in Jeans, sichtlich stolz, dass er außer den richtig reichen Damen der Gesellschaft auch eine Generation zu seinen Kunden zählt, die sonst nur bei den Modeketten ein paar Häuser weiter zu finden ist.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Albert Eickhoff, Deutschlands bekanntester Mode-Einzelhändler, beherrscht viele Rollen. Er ist Geschäftsmann, Grandseigneur, Gesprächspartner - und exzellenter Gastgeber. Das sind Eigenschaften, die in der Modewelt verblassen, weil es kaum noch Luxusläden in Eigentümerhand gibt. Die Mono-Brand-Stores der großen Modemarken machen sich auf den Einkaufsstraßen breit. Sie werden von Managern in Führungsetagen zentral aus Paris oder Mailand gesteuert, von Geschäftsführern geleitet und von wichtig dreinblickenden Verkäufern geprägt. Albert Eickhoff vereint all diese Rollen in seiner Person. Er entspricht dem Bild des Unternehmers aus der Gründerzeit oder zumindest des Patriarchen aus der Nachkriegsära, der sein Unternehmen aus dem Nichts zu Millionenumsätzen geführt hat, der jeden Winkel des Geschäfts kennt, nichts übersieht und dennoch zielstrebig seinen Weg geht.

          Deutschlands führender Anbieter von Designermarken

          „Eickhoff Königsallee“ - in den Tüten, die seine Kundinnen nach Verlassen des Geschäfts mit der Hausnummer 30 über die bekannteste Düsseldorfer Einkaufsmeile tragen, stecken auch Ehrgeiz und Anspruch dieses Mannes. Albert Eickhoff hat sich über Jahrzehnte zum führenden Anbieter von Designermarken in Deutschland emporgearbeitet. Er kennt die Konkurrenz: Unger in Hamburg, Breuninger in Stuttgart, Engelhorn in Mannheim, KaDeWe in Berlin, Theresa in München. Aber er hat seinen Ruf, weil er sich nur auf die Spitze konzentriert, weil er keine Zweit- und Dritt- und Viertlinien aufnehmen muss, weil er blitzschnell neue Trendmarken hereinholt. Mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf nur 1050 Quadratmetern bei siebzig Mitarbeitern arbeitet er hochkonzentriert und hochprofitabel. Eitel ist er angesichts all dieser Erfolge schon, aber von pompöser Selbstdarstellung hält er nichts: Beim Fototermin möchte er als Unternehmer, nicht als Modemensch ins Bild gesetzt werden.

          Und das hängt vermutlich mit seiner Herkunft zusammen. Denn Albert Eickhoff stammt nicht aus der blondierten Landeshauptstadt Düsseldorf, sondern aus der grundehrlichen Provinz: aus Lippstadt im Kreis Soest. Als Westfale steht er mit beiden Beinen auf dem Boden, und weil Lippstadt an einer Furt des Flusses Lippe gegründet wurde, stand er in der Tradition eines Handelsknotenpunkts. Seine Eltern betrieben ein ländliches Gemischtwarengeschäft samt Drogerie und Buchhandel. Als Sohn Albert zum Einjährigen zwei Fünfen zu erwarten hatte, beschlossen sie: Der Junge kommt auf die Höhere Handelsschule. Danach plante der Vater, ihn zu einem Uhrmacher und Optiker in die Lehre zu schicken. Auf dem Nachhauseweg von einem Uhrmachergeschäft in Soest sagte er: „Du warst so langweilig!“ Albert: „Es interessiert mich überhaupt nicht.“ Er: „Was willst du denn?“ Und Albert sagte: „Ich möchte in die Mode!“

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