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Accessoires : „Schicki-Michis“ Erbe

MCM reloaded Bild: F.A.Z. - Jan Roeder

Drei Buchstaben und ein Lorbeerkranz: Die Luxus-Ledermarke MCM wagt einen Neuanfang - Garant für den Erfolg soll der Adidas-Designer Michael Michalsky sein.

          3 Min.

          In Münchner Schickeria-Kreisen wird man noch lange an ihn denken. Michael Cromer war eine ihrer schillerndsten Figuren, sein Aufstieg gestaltete sich fast so rapide wie sein tiefer Fall. Zwanzig Jahre lang bestimmte er das Münchner Gesellschaftsleben. Keiner trug dicker auf als der Lederwarenproduzent, der Koffer und Taschen herstellte, die vor allem dazu da waren, dick aufzutragen.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte in den siebziger Jahren in einem Münchner Friseursalon, als Michael Cromer, abgebrochener VWL-Student, Model und Gelegenheitsschauspieler, seiner Frau Mara ein Logo für ihren Laden entwarf. Damals stand MCM für "Modern Coiffure München". Doch die drei Buchstaben mit gebundenem Lorbeerkranz sollten später zum Synonym für eine Luxusmarke nach dem Vorbild von Louis Vuitton werden. Cromer gründete Mitte der siebziger Jahre die "Moderne Creation München Reisegepäck GmbH". Seine cognacfarbenen Taschen prägten ebenso die achtziger Jahre wie die Auftritte von Cromer selbst: braungebrannt, mit Fönfrisur ließ sich "Schicki-Michi" in seinem türkisfarbenen Porsche ablichten, zeigte sich mit angeblichen Promi-Freunden wie Sammy Davis jr. und Cindy Crawford, die das Gesicht seiner letzten großen Kampagne werden sollte. Kurz danach, Mitte der neunziger Jahre, folgte der Abstieg des Münchner Partylöwen und Kofferkönigs: Die Asienkrise brachte ihn am Ende zu Fall - die Japaner hatten zu seinen besten Kunden gehört, das Unternehmen meldete Konkurs an. Cromer flüchtete in die Schweiz. 2004 machte er noch einmal von sich reden, als er die Zwangsräumung seiner Münchner Villa abwendete. Dem einstigen Koffermillionär blieb nicht viel, nicht mal seine Taschen. Die Sanierer hatten MCM an eine Schweizer Holding verkauft, die es aber nicht schaffte, den Imageverlust der Marke aufzuhalten, die zuletzt mit "Muschi Club München" übersetzt wurde, weil sie vor allem bei Damen aus dem Rotlichtmilieu beliebt war.

          Neustart mit Blick auf die Oper

          Michael Michalsky ist das Gegenteil von einem Mann wie Michael Cromer. Er gibt sich lässig, trägt weite Jeans, die auf der Hüfte hängen, und schweren Silberschmuck nach Rocker-Manier. Michalsky ist einer der erfolgreichsten deutschen Designer. Als Kreativchef von Adidas hat er in den vergangenen zehn Jahren den Sportartikelhersteller zu einer führenden Lifestyle-Marke gemacht und Designer wie Yohji Yamamoto („Designer ABC“: Y wie Yamamoto) und Stella McCartney („Designer ABC“: M wie McCartney) nach Herzogenaurach geholt. Michalsky steht für Zukunft. Genau das ist es, was MCM braucht. Im Mai engagierte ihn die koreanische Sungjoo-Firmengruppe, ein Luxuswaren-Unternehmen, das sich bei MCM eingekauft hat und für Produktion und Vertrieb zuständig ist. Ein Relaunch soll der Marke nun zu einem neuen Image verhelfen.

          Wollen den Erfolg: Michael Michalsky und Sung-Joo Kim
          Wollen den Erfolg: Michael Michalsky und Sung-Joo Kim : Bild: F.A.Z. - Jan Roeder

          Freitag mittag an der Münchner Maximilianstraße: In einem weißen Loft mit Blick auf die Oper soll der Neustart gelingen. Auf kleinen Podesten sind die Taschen aufgestellt, an einem langen Tisch wird Essen serviert - Hummer, Kürbissuppe, Kalbsfilet. Die wichtigsten deutschen Modejournalisten sind gekommen, Terry Jones von dem Trendmagazin "I-D" ist aus London angereist. Das waghalsigste Projekt in diesem Modejahr läuft gut an.

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