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New York Fashion Week : Ready to wear – ready to go

Trend 1: Übergrößen. Marc Jacobs übertreibt natürlich mal wieder – aber übergroße Jacken und Mäntel kommen im Herbst wirklich in die Läden. Bild: AP

Soll Mode gleich nach der Schau in Geschäften und im Internet verkauft werden? Diese Frage beschäftigt die gesamte Modebranche – zumindest die New Yorker Modemacher wollen nichts überhasten.

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          Als alle gegangen sind, alle Models, Journalisten und Gratulanten, als nur noch die engsten Mitarbeiter backstage zusammenstehen, erschöpft und glücklich nach bestandener Schau, da schlägt jemand mit einem Löffel ans Champagnerglas, und der Designer hat seinen letzten Auftritt – einen kleinen zwar im Vergleich zum Laufsteg im Riesen-Studio an der Washington Street, wo er sich den Jubel von Hunderten abgeholt hat, aber einen großen, wenn man es am Persönlichen misst.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jason Wu also, schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte, Boss-Chefdesigner in Boss-Uniform, tritt in den Halbkreis aus Designern, Näherinnen und Zuschneiderinnen, die aus Metzingen mit nach Manhattan gekommen sind, und beginnt zu reden, nicht laut, nicht triumphierend, sondern leise und eindringlich. Er dankt für den Einsatz, macht ein paar Witzchen, erwähnt einige namentlich, bis die Tränen fließen bei den Frauen, die in den letzten Tagen bis in der Nacht an den Nähmaschinen gesessen haben, die sie eigens aus Schwaben nach New York mitgebracht haben.

          „Qualität kommt nie aus der Mode“

          Qualität, darauf kommt’s an, sagt Jason Wu und muss es diesen Frauen nicht zwei Mal sagen. Dafür sagt er es im Gespräch gleich mehrmals. Kein Wunder, bei den schwer zu verarbeitenden mäandernden Nähten, die auf die Couture der fünfziger Jahre zurückgehen, die fließende Formen und überraschende Volumina schaffen. „Qualität kommt nie aus der Mode“, sagt Wu, der nun in fünfter Saison der deutschen Herrenmarke zu einem starken Auftritt in der Damenmode verhilft. „Ich werde mich nicht mit der Fast Fashion messen, sondern nur an Qualitätsansprüchen.“

          Trend 2: Strick.„ Wer sexy sein will, muss nicht viel Haut zeigen“, meinen Proenza Schouler. Auch weite Hosen kommen. Bilderstrecke

          Damit ist das Gespräch von kurvigen Nähten unversehens ins Zentrum der großen Debatte geraten. Denn in dieser Modesaison, die in New York begann und nun in London, Mailand und Paris weitergeht, diskutieren Zehntausende Designer, Geschäftsführer, Einkäufer, Journalisten über diese Fragen: Kann man die Mode nicht schon gleich nach Ende der Schau im Geschäft und im Netz verkaufen, wie es Burberry nun vormachen will, um den Kopierern aus der „Fast Fashion“ zuvorzukommen? Soll man Normalos zu den Schauen zulassen, um noch mehr Menschen zu erreichen und aus dem intimen Zirkel ein Massenevent zu machen? Kann man nicht auch gleich die Aufteilung nach Geschlechtern fallen lassen, also Männer und Frauen gleichzeitig über den Laufsteg wandern lassen?

          Das System nicht auf den Kopf stellen

          Viele beantworten diese Fragen wie im Rausch mit Ja, Ja und Ja. „See now, buy now“: Dieses Motto ist wie geschaffen für eine Generation von „digital natives“, die umstandslose Bedürfnisbefriedigung zum Fetisch der neuen Warenwelt erheben. Aber entspricht sie auch den Rhythmen der Branche? Claus-Dietrich Lahrs, der Boss-Vorstandsvorsitzende, sieht es ähnlich skeptisch wie sein Designer: „Einige Teile früher auszuliefern, das halte ich für praktikabel“, meint er vor der Schau. „Aber nicht, das ganze System aus Design, Produktion und Auslieferung auf den Kopf zu stellen.“

          Ähnlich sehen es Lazaro Hernandez und Jack McCollough (Proenza Schouler), die zur Zeit angesagtesten amerikanischen Designer: „Sieben, acht Stücke werden gleich morgen früh im Laden zu haben sein“, sagt Lazaro nach der Schau am Mittwochabend. „Aber wir mussten uns schon vor vier Monaten auf diese Teile festlegen. Dabei arbeiten wir eigentlich bis zuletzt an der Kollektion, weil es ja auch um aktuelle Gefühle geht.“ Die Saisonabfolge werden sie daher nicht radikal ändern. „Wir testen es nur mit einzelnen Produkten.“

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