https://www.faz.net/-hrx-8q1sn

Mode in Museumsshops : Ein Besuch, der sich doppelt lohnt

  • -Aktualisiert am

Hauptsache kuratiert: Der Museumsshop des Louisiana Museum of Modern Art in Kopenhagen sieht aus wie eine Boutique. Bild: LOUISIANA MUSEUM OF MODERN ART

In Museumsshops konnte man früher schnell an unnütze Staubfänger geraten. Jetzt gibt es dort spannende Mode. Renommierte Ausstellungshäuser wie das Londoner V&A Museum machen es vor.

          4 Min.

          Der erste zeitgenössische Designer in den Ausstellungsräumen des Museums schockierte noch. Als Diana Vreeland, die legendäre amerikanische Moderedakteurin und anschließend Kuratorin am New Yorker Metropolitan Museum of Art (Met), im Jahr 1983 Yves Saint Laurent in das „Costume Institute“ des Museums holte, wunderte man sich, was dieser Modemacher denn in den heiligen Ausstellungsräumen zu suchen habe. Eine Retrospektive? Für jemanden im Alter von 47 Jahren? Der nicht mal Künstler ist?

          Solche Fragen sind heute kein Thema mehr. Mode gehört längst in der Form ins Museum, dass diese Ausstellungen auch im Met zu den erfolgreichsten in der Geschichte des Hauses zählen. „China: Through the Looking Glass“ - über die Bedeutung von chinesischem Design für den Westen - oder „Manus × Machina“ über den Einfluss von Technologie auf die Mode sind nur zwei Kassenschlager der jüngsten Vergangenheit. Auch in Paris zog die Ausstellung über Dries van Noten, „Inspirations“, die Massen an. Der Modemacher war zu diesem Zeitpunkt 56 Jahre alt. Und der große Überraschungserfolg von „Alexander McQueen: Savage Beauty“ aus dem Met im Jahr 2011 setzte sich auch im Londoner Victoria & Albert Museum (V&A) fort, wo die Ausstellung vier Jahre später zu sehen war.

          Bei der Fülle an erfolgreichen Modeausstellungen ist es beinahe verwunderlich, dass der Gedanke an Mode aus dem Museum nicht längst ebenso etabliert ist. Denn was könnte näherliegen, als das Besondere dort zu suchen, wo es von Experten des ästhetischen Urteils sorgfältig kuratiert wird? Und wer im Museum gerade außergewöhnliche Entwürfe hinter Glaskästen gesehen hat, der fühlt sich womöglich eher dazu hingerissen, ein erschwinglicheres Stück des Designers zu kaufen. Mit der Mode, diesem besonderen Zwischending aus hoher Kunst und Alltag, käme für die Museen auf diese Weise eine weitere Einnahmequelle hinzu.

          Der Shop des V&A ist eine Wunderkammer

          Einen Shop unterhält mittlerweile so gut wie jedes Museum, selbst das nachgedruckte Zehn-Euro-Poster von, sagen wir, Claude Monets „Frau mit Sonnenschirm“ ist gut genug, um dort verkauft zu werden. Warum also nicht auch Mode? In Deutschland ist die Idee noch recht neu, hier ist man bislang kaum über Souvenir-T-Shirts hinausgekommen. Nur in ganz wenigen Häusern, etwa dem Berliner Museum der Dinge des Werkbundarchivs, stößt man schon heute auf Entdeckungen, die so originell sind, dass sich der Besuch doppelt lohnt.

          Im Ausland hingegen haben es die großen Häuser schon verstanden. So sind im V&A nicht nur die Ausstellungen ein Hingucker, auch der dazugehörige Shop ist eine Wunderkammer voller Design- und Modeobjekte, ein Stück Museum für zu Hause, zum Anziehen, als Besitz im eigenen Leben. „Über die Sammlungen des V&A gibt es viel zu erzählen“, sagt Sarah Sevier, Verkaufsleiterin des Londoner Museums. „Wenn man etwas aus dem Museumsshop mitnimmt, dann wird der Zugang zur Herkunft des Werks noch unmittelbarer.“ Neben dem allgemeinen Sortiment bietet der Shop zu jeder Ausstellung ein passendes Begleitprogramm, das die Einkäufer in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kuratoren entwickeln.

          Für „Undressed: A Brief History of Underwear“, eine Ausstellung über die Geschichte der Unterwäsche, zu sehen bis März, besteht die Auswahl, neben der zu erwartenden Lektüre und den Bildbänden über Unterwäsche, auch aus rotem Lippenstift und feinen Spitzenhandschuhen sowie der Spezial-Edition einer Seidenunterhose. Inspiriert ist das florale Muster von einem historischen Print der dreißiger Jahre aus dem Archiv des Museums. Entworfen hat den Slip eigens für die Ausstellung der britische Dessoushersteller Agent Provocateur. Für die heimische Unterwäscheschublade ist das keine schlechte Idee.

          Weitere Themen

          Von stapelbar bis massiv

          Neue Möbelhersteller : Von stapelbar bis massiv

          Echtstahl, Sitzfeldt, Freifrau – nicht weniger innovativ als ihre Namen sind ihre Designs. Während viele Möbelhersteller vor der Insolvenz stehen, gibt es auch noch erfolgreiche Neugründungen.

          Eine Jacke und mehr für Mädchenbildung

          F.A.Z. versteigert Kleid : Eine Jacke und mehr für Mädchenbildung

          Taschen von Gisele, Jacken von Gigi: Toni Garrn sammelt bei ihren Model-Freundinnen Kleider – und versteigert sie zugunsten der Mädchenbildung in vier afrikanischen Ländern. Für ein Kleid, das Garrn in unserem Magazin getragen hat, können Sie am Dienstag mitbieten.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.