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Mode in der Politik : Merkels grellste Waffe

Gut, sie ist Sozialdemokratin, und vielleicht mag sie die Farbe Rot einfach. Aber sie ist auch die jüngste Ministerin. Sie dürfte es somit schwerer haben, ernst genommen zu werden als viele andere, die solche Posten seit Jahrzehnten bekleiden. Jedenfalls ist das überall sonst im Berufsleben so. Warum sollte die Politik eine Ausnahme sein.

„Mit der Farbe Rot signalisiert derjenige, der sie trägt, dass er sehr viel Energie hat, dass er dynamisch ist und zugleich umsichtig und detailorientiert arbeitet“, erklärt Leatrice Eiseman von Pantone. Die „Traut mir was zu“-Botschaft passt somit bestens zu jemandem, der jung auf hohem Posten sitzt, und kehrt die möglichen Zweifel, die so eine Besetzung mit sich ziehen könnte, zumindest optisch in echte Chancen um. In Zeiten, da auf eine Krise die nächste folgt, schmückt sie aber auch jeden, der unter besonderem Handlungsdruck steht.

Der rote Blazer steht für ein Vielfaches an Tatendrang und Energie

Darüber hinaus macht sich ein roter Blazer auf Fotos gut. Er sorgt für einen frischeren Teint, egal, ob man ein dunkler oder ein hellerer Typ ist, ob man gerade ein langes, arbeitsfreies Wochenende hinter sich hat oder doch die ganze Nacht am Schreibtisch sitzen musste. „Wann immer ich Politikerinnen im roten Blazer sehe, denke ich mir, dass da jemand sehr gut beraten wurde“, meint Eiseman.

„Als Politikerin möchte man doch in der Masse der dunkelblauen und dunkelgrauen Anzüge gesehen werden. Das funktioniert mit keiner Farbe so gut wie mit Rot.“ Somit steckt in dem roten Blazer auch die Botschaft: Achtung, jetzt rede ich. „Ein Mann kann höchstens eine rote Krawatte tragen. Wenn eine Frau hingegen einen roten Blazer trägt, dann steht das für ein Vielfaches an Tatendrang und Energie.“

Und auch modisch schwingt auf den ersten Blick eine Form des Mutes mit, den man zum Beispiel bei den Ministerinnen Frankreichs beobachten kann. Nur sieht man im direkten Vergleich, was vielen roten Blazerjacken deutscher Spitzenpolitikerinnen eben doch fehlt: feine Stoffe, gute Schnitte, passende Accessoires wie Seidentücher, Broschen oder große Ohrstecker, die das rote Ausrufezeichen gebührend inszenieren und ihm einen Sinn geben.

Ségolène Royal, Frankreichs Umweltministerin, trägt während dieses viel zu laschen Winters zum Beispiel einen roten Zweireiher-Mantel - nur ist der mehr als rot, er ist mit großen Knöpfen und übergroßen Taschen versehen. Kulturministerin Fleur Pellerin trägt zum roten Kleid dicke Ketten und Ohrringe, Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem zum roten Seidentop knallroten Lippenstift.

Der Blazer-Look: Maskuliner Uniformcharakter

Sonderlich viel Weiblichkeit schwingt dagegen bei den deutschen Politikerinnen und ihren Blazer-Looks nicht mit. Stattdessen haben die immer noch jenen maskulinen Uniformcharakter, der so oft bemängelt wird, wenn es um den Auftritt von deutschen Politikerinnen geht. Nur, dass deren Jacken jetzt eben rot sind.

Bleibt die Frage offen, ob man sich für 2016 als Frau, die weder häufig die Flugstrecke Brüssel-Berlin nimmt, noch die Nächte im Kreise der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsnationen durcharbeitet, auch einen roten Blazer zulegen sollte. „Es kommt darauf an, wie sehr man auffallen möchte“, sagt Eiseman.

Wer also unvorbereitet in das wöchentliche Meeting geht, trägt besser weiterhin gedeckte Farben. „Wenn man aber zum Beispiel ein Vorstellungsgespräch hat und von vorneherein weiß, dass fünfzig weitere Kandidaten für den Job vorsprechen, ist es keine schlechte Idee, Rot zu tragen“, erklärt die Farbexpertin. „Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich der zukünftige Chef eher an jemanden erinnert, der einen roten Blazer trägt. Aber“, so warnt Eiseman, „man darf nicht unterschätzen, dass man dann die Frau in Rot ist.“

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