https://www.faz.net/-hrx-9tk57

Atelier im Schloss : Modebewusste Molekularbiologin

Zu einem Preis allerdings, den das Ehepaar nicht aufbringen konnte. Schließlich einigte man sich auf einen für beide Seiten akzeptablen Betrag, wobei auch die Stadt vermittelte. Denn die war überzeugt, dass das Nutzungskonzept neue Leute nach Nidda locken und zur Belebung des alten Stadtkerns beitragen könne. Zumal das Paar das Anwesen auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen will, etwa mit historischen Märkten und Modeschauen. Zudem verständigte man sich darauf, dass die Wege auf dem Gelände als Teil des Innenstadtrundgangs für jedermann zugänglich bleiben sollen.

Bis die Friedersdorfs vor kurzem in ihr neues, geschichtsträchtiges Domizil einziehen konnten – sie nutzen eine Wohnung im Obergeschoss –, war viel Arbeit zu leisten. Zunächst galt es, Schäden zu beheben, die durch Zerstörungswut und aufgrund des Leerstands entstanden waren. Dutzende Fensterscheiben waren zu erneuern, wie Alex Friedersdorf sich erinnert. Das meiste hat der gelernte Zimmerer und Restaurator in Absprache mit der Denkmalpflege in eigener Regie erledigt – von der Renovierung der hölzernen Wendeltreppe im Turm über Deckenbalken bis zu den alten Fußböden, die er wieder herausputzte. Zu erneuern war die Dämmung des Gebäudes, wobei Axel Friedersdorf Materialien wie Lehm und Stroh verwendete, die sich schon in früheren Jahrhunderten als geeignet erwiesen hatten. Was nun noch folgen soll, ist die Renovierung der Fassade, an der an einigen Stellen der Putz bröckelt und die einen neuen Anstrich vertragen kann. Modernisiert unter Beibehaltung des Grundrisses wurde das ehemalige Richterhaus, in dem sich nun eine Wohnung sowie ein Yoga-Studio befinden. Das frühere Gefängnis wird ebenfalls für Wohnzwecke hergerichtet.

Das Schloss zählt neben dem Johanniterturm und der ältesten protestantischen Saalkirche Hessens zu den bedeutendsten Baudenkmälern in Nidda. Der heutige Hauptbau stammt aus dem frühen 17.Jahrhundert, als Nidda in den Besitz der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam. Es befindet sich auf den Fundamenten einer Wasserburg in der Nähe des Flusses Nidda, die im 12.Jahrhundert begründet worden war. Landgraf Ludwig V. ließ die von einem Schutzgraben umgebene Burg nach 1604 zu einem Schloss umbauen, das seinen Amtsleuten als Residenz und Verwaltungssitz diente. Wobei der Graben zugeschüttet wurde. 1688 und 1693 fungierte das Schloss als Residenz von Landgraf Ernst Ludwig, als dieser während des Pfälzischen Erbfolgekrieges Darmstadt verlassen musste, weil ein Teil seines Territoriums von französischen Truppen besetzt war.

Als die Ämter der Landgrafen in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts aufgelöst wurden, diente das Schloss fortan als Sitz des Landrats und des Landgerichtsbezirks Nidda. Das Anwesen blieb Administrationsstandort auch während mehrerer Verwaltungsreformen. Als die Regierung den Kreis Nidda 1874 schließlich auflöste, zog das Amtsgericht in das Schloss ein. Dafür wurde das Ensemble um das Wohnhaus des Amtsrichters und ein Gebäude mit Arrestzellen erweitert.

Weitere Themen

Topmeldungen

Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

„Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.
Niederlage für Boris Johnson: Das House of Lords votiert für eine Anpassung seines Brexit-Gesetzes zum Bleiberecht für EU-Ausländer in Großbritannien.

Anpassung des Brexit-Gesetzes : Johnson erleidet Schlappe im Oberhaus

Das House of Lords will die rund 3,6 Millionen europäischen Ausländer in Großbritannien stärker schützen – und erteilt den Brexit-Plänen des Premiers in diesem Punkt eine Absage. Nun entscheidet das Unterhaus. Droht ein Ping-Pong-Prozess?

F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.