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Mode im Internet : Der ist echt Netz

Unumkehrbarer Trend: Mode aus dem Internet Bild: Helmut Fricke

Wie kommt Mode ins Internet? Auf Kleidersuche in New York mit Mario Eimuth von Stylebop, einer Online-Plattform für den Verkauf von Designermode.

          12 Min.

          Gibt’s das auch in Schwarz? Eine einfache Frage, aber was für eine. Die Verkaufs-Managerin schaut nach, das Model eilt nach hinten, um sich nochmal umzuziehen, der Fragende wippt mit den Fußspitzen, die Sonne senkt sich noch einen Millimeter tiefer über den silbern glänzenden Hudson. Und dann doch: Ja, dieses Oberteil gibt es auch in Schwarz. Cool, lässig, schwarz. „Sieht auch angezogen gut aus.“

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Es gibt vielleicht wichtigere Fragen im Leben. Aber hier und jetzt, im Showroom der Marke Helmut Lang im Meatpacking District von Manhattan, da gibt es keine größeren Unwägbarkeiten im Leben als die schwarzen Blöcke auf einem weißen Top, den schmalen Grat zwischen langweilig und lässig, und die dauernde Frage, was in ein paar Monaten im Netz noch so gut aussehen kann wie heute hier an dem Model, das immer wieder in den Kulissen verschwindet und neu wieder hervortritt.

          Mario Eimuth ist nicht unbedingt der Mann, den man hier erwartet. Ein Unternehmer an der Orderfront? Wenn doch schon sein Einkäufer Christian Ertl aus München gekommen ist und dort hinten an den Kleiderstangen die gesamte Kollektion scannt? Und wenn es an diesem schönen Herbsttag in Downtown noch etwas anderes zu tun gibt, nämlich zum Beispiel einen Sundowner im Außencafé des Standard-Hotels zu trinken? 

          Einzelhändlers müssen Sensoren für ein paar Trends haben

          Die Sensoren eines Einzelhändlers müssen für ein paar Trends reichen. Der Besitzer eines Mode-Kaufhauses muss mit Dutzenden Marken kalkulieren. Mario Eimuth aber, Chef von Stylebop, einer Online-Plattform für den Verkauf von Designermode, führt heute schon mehr als 250 Marken aus aller Welt – und vertreibt sie auch in alle Welt. Wie soll man da noch den Überblick behalten über die Launen des Trends, die immer schwerer vorauszusehen sind und immer kürzer dauern?

          „Mikrotrends sind kurzlebig“, sagt Mario Eimuth. Aber man kann nicht dauernd junge Designer aufnehmen. Die vielen eingeführten Namen kann man nicht einfach so von der Website nehmen: „Bei jedem Designer gibt’s Schwankungen, mit denen wir als verlässliche Partner leben können.“ Dennoch: Sechs oder acht oder zehn neue Namen pro Saison dürfen sein. Die müssen allerdings
          den möglicherweise großen Ansturm auch bewältigen: „Das sind ja gewisse Mengen, die wir kaufen.“
           

          Mag keine Boutiquen mit Frauennamen: Stylebop-Chef Mario Eimuth
          Mag keine Boutiquen mit Frauennamen: Stylebop-Chef Mario Eimuth : Bild: Fricke, Helmut

          Jeder Händler, jeder Designer, der älter wird, braucht neue Ideen. „Mode ist Veränderung“, sagt Mario Eimuth etwas abgeklärt. „Neue Designer stehen dann auch für eine jüngere Klientel. Man muss sich nur die neue britische Print-Avantgarde von Mary Katrantzou bis zu Peter Pilotto anschauen: Die wenden sich auch mit den Schnitten an eine neue Generation.“ Und dennoch: Jüngere Designer haben es schwerer, nicht nur in den großen Kaufhäusern, auch im Internethandel. „Weil sie geringere Mengen herstellen, müssen sie höhere Preise verlangen als große Marken.“ Wer aber kaum bekannt ist, der kann nicht das Geld verlangen, das Kunden bei Gucci oder Dior auszugeben bereit sind. Also bleiben die Jüngeren, die so sehr auf den neuen Vertriebsweg hoffen, auch hier in den niedrigen Stückzahlen hängen.

          Contemporary-Mode statt Luxusmarken

          Und dann setzt das Internet sogar noch Grenzen, die es nicht einmal im „brick and mortar store“ gibt, wie die Amerikaner leicht verächtlich historisierend über Läden aus Ziegeln und Mörtel sagen. „Es gibt Stoffe“, sagt Eimuth, „die auf dem Computer-Bildschirm flimmern. Ein kleinteiliges Hahnentrittmuster oder winzige grafische Muster können wirklich schwierig sein. Auf der anderen Seite: Schöne Prints mit starkem visuellen Eindruck animieren natürlich zum Kauf.“ Und man muss die zwei Millionen Unique Visitors, die Stylebop monatlich besuchen, schließlich immer wieder neu bei Laune halten.

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