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Mode der Vielfalt : Bescheidene Kleidung, großes Ziel

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Ihre Designs spiegeln diese Idee wider: Die lang geschnittenen Blazer in leuchtendem Rot und warmem Lila aus der aktuellen Kollektion etwa wirken zur farblich passenden, schmalen Hose und High Heels feminin. Mit einer betont weiten Anzughose bekommen sie einen androgynen Touch. Eine einzige Abaya sei unter den rund 160 Teilen der Kollektion – und die gehe eher als Maxikleid durch, sagt Selma Lebdiri. „Wir machen europäische Mode.“ Nur eben solche, die Frauen nicht in aufreizende Püppchen verwandelt. Lederhosen sind bei Mizaan locker geschnitten und Blusen lang genug, dass man sie auch während hektischer Tage nicht ständig zurechtzupfen muss. Momentan wird bis Größe 44 produziert, vor allem in Deutschland und der Türkei, erzählt Meriem Lebdiri.

Die staatlich anerkannte Modedesignerin gründete Mizaan 2012 zunächst allein. „Von Modest Fashion war damals noch nirgendwo die Rede“, erinnert sie sich. In Modemagazinen und Kampagnen großer Labels habe sie sich nie wiedererkannt, in Geschäften habe sie nur selten gefunden, was sie suchte. Also rief sie Mizaan – Arabisch für Gleichgewicht, Balance – ins Leben. Die erste Kollektion stemmte sie von den Entwürfen bis zu deren Anfertigung an der Nähmaschine komplett allein. Seit 2014 bildet sie gemeinsam mit ihrer Schwester Selma die Doppelspitze von Mizaan. Die studierte Kommunikationsdesignerin kümmert sich ums Marketing und den Onlineshop, mit dem sie im September an den Start gingen. Freiberufliche Projektmanagerinnen, eine regelmäßig aus Paris anreisende Art Direktorin und mehrere Aushilfen machen das Team komplett.

„Uns geht es um Inklusion und nicht darum, Unterschiede zu betonen. Mode verbindet. Wir alle lieben sie.“
„Uns geht es um Inklusion und nicht darum, Unterschiede zu betonen. Mode verbindet. Wir alle lieben sie.“ : Bild: Selma Lebdiri

Dass Mizaan sich nicht nur an eine Zielgruppe richtet, transportiert auch die Bildsprache des Labels: Models mit Kopftuch posieren neben solchen mit Maßen, die man sonst in Plus-Size-Kampagnen sieht, alle Haut- und Haarfarben sind vertreten. „Die Erfahrung der Ausgrenzung haben wir selbst gemacht“, sagt Selma Lebdiri. Leidend oder gar anklagend klingt das nicht, eher kämpferisch und motiviert. Sichtbarkeit zu schaffen sei das höhere Ziel ihres Labels. Gerade deshalb wollen die Schwestern mit ihrem Unternehmen, das seit diesem Jahr eine GmbH ist und einen Investor hat, auch nicht in einer Nische verharren. Darauf, was andere auf Modest Fashion spezialisierte Labels machen, achte sie bei ihrer Arbeit kaum, erklärt Meriem Lebdiri: „Wir haben unsere eigenen Standards.“

Und die sind hoch: Ganz bewusst streben die Schwestern auf große Verkaufsflächen und auf Messen wie die Gallery in Düsseldorf. „Für ein noch junges und kleines Label wirkt das vielleicht sehr ambitioniert, aber der Erfolg gibt uns bisher recht“, sagt Selma Lebdiri. Anlässlich ihres letzten Pop-Up-Events in der Mannheimer Innenstadt war nicht nur das mediale Interesse hoch, es kamen auch Kundinnen mit ganz verschiedenen Hintergründen. „Frauen aller Altersklassen, mit allen Konfektionsgrößen waren da. Und auch einige mit Behinderung, die es genossen haben, bei uns willkommen zu sein. Für manche von ihnen war es das erste Mode-Event in ihrem Leben“, erzählt Meriem Lebdiri.

„Mode ist wie Eis essen“: Selma und Meriem Lebdiri.
„Mode ist wie Eis essen“: Selma und Meriem Lebdiri. : Bild: Miriam Stanke

Modisch und unternehmerisch ziehen die Schwestern an einem Strang, doch sie lassen einander auch Freiräume: Jede von ihnen hat ihr eigenes Büro. Meriem entwirft in der Mannheimer Textilerei, einem Zentrum für Start-ups aus den Bereichen Mode und Design, Selma koordiniert das Marketing und den Onlineshop von einem gut zehn Minuten entfernten Gründerinnen-Zentrum aus. Selma Lebdiri beschreibt den geschwisterlichen Umgang diplomatisch: „Als Schwestern gehen wir zu 100 Prozent ehrlich miteinander um. So kommen wir oft schneller ans Ziel.“ Beide müssen lachen. Dann geht es für die beiden wieder an die Arbeit. Sie haben schließlich hohe Standards zu erfüllen. Nämlich ihre eigenen.

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