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Mode aus China : Made in Kangding

  • -Aktualisiert am

Dekyi Droma (links im Bild) zeigt Freundinnen den Schmuck in ihrem Laden. Bild: Volker Bischoff

In Kangding, im Westen Chinas, versucht sich eine Tibeterin gegen alle Widrigkeiten als Modedesignerin - mit Erfolg. Ihre traditionellen Gewänder kommen gut an, sogar so gut, dass sie als Vorbild der tibetanischen Jugend dient.

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          Mode aus China, aus Kangding in Sichuan, im Westen des Landes? Kangding ist in China bekannt durch ein sentimentales Liebeslied, aber Mode? Das könnte sich ändern. In einer ruhigen Gasse, die vom buddhistischen Anjue-Tempel zum Platz des Volkes führt, wo sich die Stadt zum abendlichen Tanz trifft, liegt die Boutique „BaLa“, die anders ist als all die Modeläden mit ihrer billigen Massenware oder den nachgemachten westlichen Labels.

          Die Inhaberin, Dekyi Droma, gehört zur ethnischen Minderheit der Tibeter, die gerade im Westen der Provinz Sichuan stark vertreten ist; im Landkreis Kangding sind fast 70 Prozent Tibeter, 30 Prozent Han-Chinesen. Am Rande der tibetischen Provinz Kham gelegen, ist die Stadt Kangding seit alters ein Einfallstor in die tibetische Welt. Der britische Pflanzenjäger Ernest H. Wilson, der hier den heißersehnten Tibetmohn fand, beschrieb es zwar als kleinen schmutzigen Ort, sprach ihm aber große politische und wirtschaftliche Bedeutung zu, weil er an der Verbindungsstraße zwischen Peking und Lhasa liegt.

          Benannt nach einem Unkraut

          Heute verbindet die Nationalstraße 318 Kangding mit der tibetischen Hauptstadt (und Nepal) im Westen und der Metropole Schanghai an der Ostküste. Kangding ist eine moderne Kleinstadt von 40.000 Einwohnern mit Flugplatz, Hochhäusern, einer Seilbahn auf den beliebten Ausflugsberg Paoma Shan, einer guten Infrastruktur mit Schulen, Hotels, attraktiven Restaurants (Starbucks und KFC haben es noch nicht erreicht) und einer aktuellen Musikszene.

          Auf der Straße in Kangding sieht man manche Frauen in Chuba-Tracht, viele in Daunenjacken

          Dekyi Droma, geboren im chinesischen Jahr des Hahns, ist im Kreis Kangding aufgewachsen, in einem Dorf am Fluss Minyak im Schatten des mächtigen Berges Gonga Shan. Hier rief ihr Vater seine wilde Tochter mit dem Kosenamen Bala. Der frühverstorbene Vater sah bala, ein verbreitetes Unkraut, aber auch eine Heilpflanze, dessen Blätter man zum Einwickeln von Butter oder als Tonikum benutzt, als Sinnbild ihres durchsetzungsstarken Charakters. Die Tochter übernahm den Namen für ihr Geschäft und das herzförmige Blatt der Pflanze als Logo.

          Entwürfe werden in Handarbeit umgesetzt

          Dekyi Droma wagte nach der Schule den Sprung nach Lanzhou, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Gansu, um dort Englisch zu studieren. Durch ihre Lehrer und Hilfsorganisationen gefördert, versucht sie seit 2009 mit ihrem Geschäft, heimatliche Traditionen zu bewahren und als role model für die tibetanische Jugend zu wirken. Sie hat Patenschaften für zwei einheimische Mädchen übernommen und beschäftigt tibetanische Schneiderinnen.

          Ausgangspunkt ihrer Kollektion ist die chuba, das bis auf den Boden reichende mantelähnliche Gewand der Tibeter, das meist aus Schaffell hergestellt wird, um vor der Kälte zu schützen. Dekyi Droma macht die chuba tauglich für festliche Gelegenheiten. Ihre Entwürfe, von örtlichen Schneidern in Handarbeit umgesetzt, kombinieren die Robe mit einer Bluse, die durch den schrägen Schnitt des Oberteils gut zur Geltung kommt. Als Accessoires empfiehlt sie aufwendige Gürtel oder Schärpen und kunstvoll üppige Ketten. Farbstarke Brokate bezieht sie aus der für ihre Shu-Brokate berühmten Stadt Chengdu.

          Ihre Gewänder sind nicht billig, doch ihr Geschäft läuft. Vor allem junge chinesische Paare auf Urlaubsreise kaufen die exotische chuba. Dekyi Droma will das, was sie verdient, investieren. Bald könnte es einen weiteren Laden geben, im Tibetviertel von Chengdu.

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