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Berliner Modemarke hört auf : Perret? Schade!

Letzter Auftritt: Tutia Schaad (links) und Johanna Perret im Speisesaal des Kronprinzenpalais, wo sie ihre letzte Kollektion - hier im Hintergrund - vorstellten. Bild: Helmut Fricke

Angeblich erlebt die Berliner Modeszene gerade wieder einmal einen Aufschwung. Doch jetzt hört auch eine der besten deutschen Marken auf. Besteht die Hauptstadt mehr aus Schein als Sein?

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          Kaum hat es begonnen, schon ist es vorbei. Wie das Leben so spielt, so spielt es seit Jahren der Berliner Modeszene mit. Nun hat sich die Geschichte von hoffnungsvollem Beginn und schnellem Ende ein unvermutetes Opfer genommen. Auch die Modemarke Perret Schaad hört auf. Am Dienstag teilten Johanna Perret und Tutia Schaad der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit, dass sie ihr gemeinsames Unternehmen „nach neun Jahren und 17 Kollektionen mit Shows, Präsentationen und Ausstellungen“ einstellen werden.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Ihre Schau bei der Berliner Modewoche im Januar war der letzte große gemeinsame Auftritt. Zur Fashion Week im Juni wird es eine Leerstelle geben, wo bisher eine der besten deutschen Damenmode-Kollektionen war, mit raffinierter Schnittführung, klaren Linien, originellem Materialmix, besonderen Farben und einer dennoch zugänglichen Ästhetik.

          Die Liste des Scheiterns ist lang

          Noch eine Marke also. Die Liste der Namen, die den Aufschwung der Berliner Modeszene nicht überlebt haben, wird immer länger: Achtland, Macqua, Unrath & Strano, Sisi Wasabi, von Wedel & Tiedeken, Firma, Issever Bahri, Pulver – alle pulverisiert. Vor zehn Jahren noch geliebt und verehrt, jetzt in eine andere Branche gewechselt, in eine andere Stadt gezogen oder als Designer bei großen Marken untergeschlüpft. Die Liste des Scheiterns ist lang: Besteht die Hauptstadt womöglich mehr aus Schein als aus Sein?

          Bei Perret Schaad ist es anders. Die beiden Designerinnen klingen fast befreit: „Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Perret Schaad soll so stehen bleiben.“ Das Geschäft lief nicht schlecht, es gab treue Kundinnen, viele prominente Fans von Hannah Herzsprung bis Eva Padberg, sie hätten noch lange so weitermachen können – und es ist auch keine Kurzschluss-Reaktion, sie haben es sich lange überlegt. „Bis jetzt waren wir selbständig, brauchten keinen Investor, konnten davon leben und waren glücklich damit“, sagen die Designerinnen.

          Das heißt aber auch: Von nun an hätten sie einen Investor benötigt, der mit frischem Kapital eine Expansion hätte vorantreiben können. Darüber gab es sicherlich Verhandlungen, wohl auch zwischen den beiden, die aber fruchtlos verliefen.

          Letztes Abendmahl: Zur Berliner Modewoche im Januar zeigte Perret Schaad ihre letzte Kollektion.

          Insofern sind sie doch wieder eine typische Berliner Marke, die mit viel Begeisterung startet, aber dann wirtschaftlich nicht weiterkommt. Die erste Kollektion war schon in Geschäften in Tokio, Hongkong, Seoul, New York und Berlin zu haben. „Die Schönheit und das Selbstbewusstsein der Trägerin in den Vordergrund stellen“ – dieses Ziel erreichten sie schnell. Aber der durchschlagende Erfolg mit Millionenumsätzen und Kunden in aller Welt – der kam nicht, anders als bei vielen jungen Modemarken in London oder Paris. Auch das wird ein Grund sein für dieses frühe Ende. Und was noch? Das mangelnde Verständnis der Kundin? Die modeferne Nation Deutschland? Der bescheidene Ruf Berlins als Modestadt?

          „Wir wollen niemanden dafür verantwortlich machen“, sagen beide. „Wir hadern nicht mit dem Standort. Berlin ist die beste Stadt für uns. Auch die vielen Initiativen zur Modeförderung helfen.“

          Ende nach neun Jahren und 17 Kollektionen: Die Designerinnen Johanna Perret (links) und Tutia Schaad (hier beim F.A.Z.-Modeempfang 2015)

          An persönlichen Schwierigkeiten liegt es ebenso wenig. Seitdem sie an der Hochschule Berlin-Weißensee studierten, 2006 gemeinsam als Praktikantinnen bei Givenchy in Paris arbeiteten, im Januar 2009 ihre Diplomkollektion präsentierten und dann ihre Marke gründeten, verstehen sie sich blind. Die von Saison zu Saison nur variierte Ästhetik aus furchtlos kombinierten schlicht schönen Seidenblusen, geradlinigen Filzmänteln und leichten Baumwollhosen mit minimalistischen Accessoires und nur gezielt eingesetztem Dekor zeigt, dass sie eine Sprache sprechen.

          Nicht einmal die wachsenden technischen, finanziellen und administrativen Anforderungen scheinen sie belastet zu haben. Allerdings war die Produktion von Strick, Leder und Seide in Deutschland sehr teuer. Und trotz anderslautender Beteuerungen honorieren nicht viele Kundinnen die heimische Fertigung. Wie auch immer: Wenn sogar diese Modemarke schließt, soviel steht fest, dann werden es andere erst recht schwer haben.

          Nun also Freiheit. „Erstmal werden wir eine Party machen im Studio, es wird Campari-Orange geben, die Sonne wird untergehen, in Tegel landen die Flugzeuge, und dann beginnt die Zukunft.“

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