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Milliardär Samih Sawiris : „Krawatten haben als soziales Upgrade ausgedient“

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Samih Sawiris wurde 1957 in Kairo geboren, studierte an der TU Berlin und ist Wirtschaftsingenieur und Unternehmer Bild: Picture-Alliance

Der ägyptische Milliardär Samih Sawiris baut derzeit ein Urlaubszentrum in Andermatt. Im Interview spricht er über den schwindenden Statuscharakter der Krawatte und warum sie als Mode-Accessoire dennoch nicht ausgedient hat.

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          Herr Sawiris, Sie sind Milliardär, verkehren in den besten Kreisen und bauen das große Tourismusresort in Andermatt, aber man erlebt Sie immer nur mit offenem Hemd.

          Krawatten schnüren mir den Hals zu. Ich atme viel besser ohne Krawatte. Ich sehe nicht ein, dass dieses Zeichen eines sozialen Upgrades heute noch Gültigkeit hat. Früher gehörten Krawatten und dunkler Anzug zusammen. Die jungen wilden Unternehmer im Silicon Valley haben damit Schluss gemacht. Mit T-Shirts und Jeans signalisierten sie: Du bist nichts Besonderes, nur weil Du einen Anzug trägst.

          Vermittelt ein Gesprächspartner mit Krawatte Ihnen somit den Eindruck eines Spießers?

          Nein. Ich beurteile Menschen nie nach ihrer Kleidung, außer sie zeigen einen aggressiv schlechten Geschmack. Dies wäre der Fall, wenn Sie zum Beispiel zu Ihrem karierten Jackett kein weißes, sondern ein gestreiftes Hemd trügen.

          Sehen wir bald den Tod der Krawatte?

          Nein, ganz im Gegenteil. Früher sandten Krawatten und Anzüge die Botschaft „Seriosität“ aus. Künftig sind sie Modeaccessoires wie grüne, rote, blaue Hosen und Jeans. Statt Status- ein Modesymbol: Das ist die Zukunft, womit auch Krawatten dem Wandel unterliegen werden, in Form, Farbe und Design.

          Wie ist die Einstellung zu Krawatten in Ihrer Heimat Ägypten?

          So wie hier. Der Bewusstseinswandel ist der gleiche.

          Heute sehen wir auch Präsidenten und hohe Politiker mit offenen Hemden.

          Die Welt betrachtet diese Gruppe mehr und mehr als normale Menschen. Damit gelten für sie die Regeln wie für jedermann.

          Gibt es Gelegenheiten, zu denen Sie noch Krawatte tragen?

          Natürlich, wenn ich zum Beispiel in ein klassisches Konzert oder zu einem Staatsempfang gehe. Es gibt Situationen, da wird es von mir erwartet. Wenn ich dann darauf verzichten würde, würde mir es womöglich als Arroganz ausgelegt, als wollte ich die Erwartungen bewusst nicht erfüllen. Aber als mich der frühere Präsident Mubarak in meinem Ferienresort El Gouna besuchte, empfing ich ihn ohne Krawatte. Denn es gehört sich nicht unbedingt, an einem Strand eine zu tragen.

          Und was halten Sie von den gerade in den deutschsprachigen Ländern beliebten Kurzarmhemden?

          Einigen wird es passen, anderen nicht. Aber der Träger vermittelt mir damit kein Zeichen.

          Frage an den Touristikfachmann: Sind die Urlauber bei vielen Gelegenheiten zu schlecht gekleidet? Sind Frauen mit Spaghetti-Trägern in Luxor akzeptabel?

          Ich bin da etwas subjektiv. Was mich nicht stört, kann ich eigentlich nicht ablehnen. Eine leicht bekleidete Frau mit engen Hosen in Luxor betreibt nach meinem Empfinden eine übertriebene Form der Selbstverwirklichung, weil sie örtliche Traditionen einfach ignoriert. Es reicht aber, wenn sie ein Zeichen setzt, etwa durch ein etwas begrenztes Dekolleté. Auf der anderen Seite akzeptiere ich auch keine rigiden Kleidervorschriften, wie sie islamistische Kreise gerne durchsetzen würden. Die Lösung liegt irgendwo in der Mitte.

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