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Modewoche Mailand : Die Woche der Wutmodebürger

Zurück in die Vergangenheit: Dolce&Gabbana inszeniert die Kollektion „Eleganza“ wie in den fünfziger Jahren. Bild: Helmut Fricke

Die Gereiztheit der Modebranche ließ sich während der Modewoche in Mailand wahrnehmen. Designer haben heute kein leichtes Leben mehr.

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          Ein Schlüsselanhänger, ein Pullover, ein Video. Es sind Kleinigkeiten, aber für gleich drei italienische Luxusmarken bedeuten sie großen Ärger. Zweimal lautet der Vorwurf blackfacing: Am Schlüsselanhänger von Prada hängt eine braune Affenfigur, und der schwarze Gucci-Rollkragenpullover lässt sich bis über den Mund ziehen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dolce & Gabbana hatte es vor Weihnachten noch härter getroffen. Die Marke wollte mit einem lustig gemeinten Video für eine Modenschau Ende November in Schanghai werben. Die Influencer und Prominenten waren schon eingeflogen, als die Asiatin, die es im Video einfach nicht schaffen wollte, Pizza mit Stäbchen zu essen, Wellen schlug. Stefano Gabbana giftete in den sozialen Medien gegen die Kritiker, was erst recht einen Shitstorm hervorrief. Kurzfristig wurde die Modenschau abgesagt. Seitdem stehen Produkte der Marke in China auf der Schwarzen Liste.

          Ein Affen-Schlüsselanhänger soll rassistisch sein? Kommt der Modepolizei im Netz das nicht selbst komisch vor? Egal: Dem Ruf der Marke schadet es. Designer haben also heute kein leichtes Leben, wenn sie ihre Produkte in verschiedenen Kulturkreisen verkaufen wollen, unter Berücksichtigung aller Sensibilitäten. Die drei Fälle sind deshalb auch eine Art Hintergrundrauschen dieser Mailänder Modewoche. Wenn die vielen Modemacher eine gemeinsame Botschaft haben, dann die: Wir sind gerade ziemlich sauer. Das betrifft nicht nur die Designer – die Mode ist gerade insgesamt on edge.

          Bei Marni: Piercings und Ketten halten Stoffbahnen in Zaum.

          Mode funktioniert nicht mehr so wie früher

          Nicht nur, weil ein gesellschaftlicher Übereifer an political correctness für eine so körperbezogene Branche schnell zum Problem werden kann. Auch, weil Mode nicht mehr funktioniert wie zu der Zeit, als viele italienische Marken aufkamen. Weil Gedrucktes nicht mehr so viele Menschen erreicht wie früher. Weil die meisten Monatstitel aber Geschichten liefern, die im Netz unbrauchbar sind. Weil die Hefte mit der halben Mannschaft die doppelte Arbeit stemmen sollen. Weil viele Influencer teuer bezahlt und reich beschenkt werden wollen. Weil es dem Handel nicht bessergeht. Weil auch die Marken-Chefs nervös werden und es an ihren Marketing-Leuten auslassen. Man hört in diesen Tagen Geschichten von PR-Leuten, die sich selbst am Wochenende von ihren Kunden per Mail belehren lassen müssen. Kommunikationschefs, so heißt es, nähmen sich alles heraus. Mancher ist entschlossen aufzuhören. Küsschen links, Küsschen rechts. Einmal schimpfen, einmal Augenrollen, weiter geht’s.

          Bruch mit der alten Eleganz von Bottega Veneta: Der neue Design-Chef spitzt das Intrecciato-Muster extrem zu.

          Den Look zur Laune sieht man zum Beispiel bei Marni. Hardcore, mit Piercing-Ringen, die Seidenstoffbahnen zusammenhalten, mit Gliederketten, mehrfach um Hals und Taille geschlungen. Salvatore Ferragamo eröffnet mit einer Serie in Dunkelgrau. Und beides ist noch nichts gegen Prada und die zwei Stimmungen, die auf dem Laufsteg aufeinandertreffen. Da wären die Frauen, die in den Garten wollen, und die Frauen, die mit Militärjacken, Riesenrucksäcken und Springerstiefeln in den Krieg zu ziehen scheinen. „Die Mode ist gerade verwundbar“, sagt Miuccia Prada nach ihrer Schau. „Das muss man angehen.“ Sie thematisiert eine Romanze, die sich ins Gegenteil verkehrt hat – das zum aktuellen Zustand der Mode.

          Alessandro Michele, Kreativ-Direktor von Gucci, der von Jahr zu Jahr für Umsatzrekorde sorgt, sagt: „Masken und Stachelnieten können helfen, wenn wir uns schützen müssen. Sie können auch nützlich sein, wenn wir uns verteidigen.“ Michele arbeitet mit beidem, er kennt sich damit aus. „Ich war ein netter Junge. Aber gerade deshalb brauchte ich Nieten.“ Die Mode scheint jetzt Verwendung für Stachelnieten zu haben. Auch die Musik zum Look hat es in sich: Sie knallt. Der Bass dröhnt in jeder zweiten Schau.

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