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Mode-Ikone Michelle Elie : „Ich passe in keine Kategorien“

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Designerin und Mode-Ikone Michelle Elie sammelt Entwürfe des Modelabels Commes des Garçons. Bild: fashionarysteet.com

Michelle Elie hat vor Kurzem ihre Ausstellung im Frankurter MAK eröffnet. Im Interview spricht die Mode-Ikone über ihre Anfänge als Model, die Wahrnehmung von Frauenkörpern, und warum ihre Vernissage trotz Corona perfekt war.

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          Frau Elie, der Titel Ihrer Ausstellung im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst beginnt mit „Life doesn't frighten me...“ – was war das Mutigste, was Sie in Ihrem Leben gemacht haben?

          Das kann ich gar nicht so genau sagen. Es gab nie etwas, das mich wirklich geängstigt hat. Ich bin in Haiti geboren und die Erfahrungen meines Herkunftslands und meiner Familie sind tief in mir verwurzelt. Mein Vater hat eine typische Einwanderergeschichte: Auf der Suche nach einem besseren Leben hat er alleine ein Boot in die Vereinigten Staaten bestiegen. Meine Mutter ist ihm kurz darauf gefolgt, und wir fünf Kinder waren erst mal in einem katholischen Internat. In Haiti ist das Leben nicht leicht, und es wird in Sprichwörtern gelebt, vielleicht auch, um den alltäglichen Herausforderungen mit etwas Leichtigkeit zu begegnen. Diese Lebensweisheiten haben wir natürlich mitgenommen. Mein Vater war Taxifahrer in New York, meine Mutter trotz all der Schwierigkeiten immer wahnsinnig mutig und modisch, und wir Kinder haben später alle studiert und sind eigene Wege gegangen.

          Haben Sie ein Sprichwort, das Sie noch immer begleitet?

          Meine Mutter hat immer gesagt: Hinter jedem Berg ist ein anderer Berg. Hat man eine Herausforderung gemeistert, kommt auch schon die nächste. Es ist nie zu Ende. Es bringt einfach nichts, sich zu ängstigen. Selbst wenn wir Angst vor etwas haben, machen wir es trotzdem einfach. Meist sind es nur die Augen, die sich ängstigen, nicht der Verstand oder die Hände oder der Körper.

          Wie stark hat Sie Ihre Herkunft geprägt?

          Sehr! Ich bin zwar als Kind in die Vereinigten Staaten gekommen, wurde aber nie amerikanisiert. In der Schule habe ich vorgegeben amerikanisch zu sein, weil ich mich anpassen musste. Aber sobald ich das Haus betreten habe und die Tür hinter mir zugemacht habe, war ich ein haitisches Mädchen. Weil ich anders aussah, weil ich anders gekleidet war, einen anderen Akzent hatte.

          Und heute?

          Ich würde mich tatsächlich als Weltbürgerin bezeichnen. Nationale Zuschreibungen sind nicht mehr zeitgemäß. Ich bin in Haiti geboren, in den Vereinigten Staaten aufgewachsen, habe Zeit in Südafrika und Frankreich verbracht, und mein Mann ist deutsch. Man verändert sich mit seinen Erfahrungen und lernt, sich weiterzuentwickeln und eine eigene Sprache zu finden. Ich bin Teil einer Diaspora, ich passe in keine Kategorien. Ich kann nicht sagen, ich bin nur das eine. Das wäre auch ziemlich traurig! Auch wenn es leider immer noch Menschen gibt, die so denken.

          Verwehren sich der Kategorisierung: Entwürfe von Comme des Garçons.

          Sie haben Ihre Karriere in die eigene Hand genommen, als Sie mit 30 Dollar in der Tasche in eine Modelagentur gelaufen sind. Was hat Sie dazu bewegt?

          In den neunziger Jahren habe ich die Ausgaben der „Vogue“ gesammelt. Es gab eine Ausgabe mit Linda Evangelista, fotografiert in Griechenland, einfach nur mit einem Hemd und Shorts neben einer alten griechischen Dame in dieser wundervollen Landschaft. Ich habe tagelang davon geträumt, und irgendwann dachte ich, vielleicht kann ich das auch. Zumindest könnte ich es einfach versuchen. Damals gab es offene Castings, immer dienstags und donnerstags von neun bis mittags. In die großen Agenturen habe ich mit meinem Gesicht und meinem Körper nicht gepasst, aber es gab eine Agentur in Downtown, „Boy Girl“, die auf Editorial-Models spezialisiert war. Ich lief mit meinem Modelbuch rein und wurde genommen.

          Das war die Supermodel-Ära. Wie hat es sich angefühlt, nicht reinzupassen?

          Das Modeln war für mich wie ein Spielplatz, auf dem ich mich ausprobieren konnte. Für den Laufsteg war ich zu klein und für gut bezahlte Kampagnen nicht kommerziell genug. Ich musste mit dem arbeiten, was ich hatte und bekam Aufträge für Kataloge und Magazine. Ich hatte immer eine Tasche mit meinen eigenen Perücken und meinem eigenen Make-Up dabei, weil sie damals nicht meine Hautfarbe hatten. Die Agentur hat mich nach Südafrika geschickt, dann nach Miami Beach, zwischendurch war ich einige Jahre in Paris, wo ich mich in Schauen von Jean Paul Gaultier geschlichen habe. Es war großartig, ich war in einem Lernprozess und habe jeden Moment genossen. Damals habe ich auch Comme des Garçons entdeckt, was für mich wie eine Erweckung war.

          Heute ist Ihre Sammlung von Comme des Garçons-Entwürfen im Museum.

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