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Karl-Lagerfeld-Ausstellung : Bloß keine Retrospektive

Couture-Kleider von Chanel werden für die Ausstellung vorbereitet. Bild: Alfons Kaiser

Das größte amerikanische Kunstmuseum bereitet eine Ausstellung über Karl Lagerfeld vor. Schon für die Ankündigung in Paris wird ein enormer Aufwand betrieben. Dabei mochte der Modeschöpfer Rückblicke gar nicht.

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          „So früh – das wäre nicht ganz Karls Stil“, sagt Anna Wintour, und damit hat sie wohl recht. Um Punkt acht Uhr morgens hat die Chefin der amerikanischen „Vogue“ in Paris eine Pressekonferenz einberufen, um für die große Modeausstellung des Costume Institute am Metropolitan Museum in New York im kommenden Frühjahr zu werben. Erst am Abend zuvor wurde der Ort der Verlautbarung bekanntgegeben. So konnte niemand vorher Rückschlüsse auf das Ausstellungssujet im größten amerikanischen Kunstmuseum ziehen. Doch seit dem Vorabend ist es raus, denn „7 Rue de Lille“ ist eine geradezu mythische Adresse der Modegeschichte: Hier hatte Karl Lagerfeld sein Fotostudio mit Zehntausenden Büchern.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Wenn der Designer durch seine eigene Buchhandlung im Vorderhaus in das Studio mit den deckenhohen Regalen ging, dann war es meist schon Nachmittag, denn den Morgen verbrachte er allein zu Hause, zeichnend, lesend und Musik hörend. Ganz anders seine langjährige Freundin Anna Wintour, die dafür bekannt ist, früh am Morgen aufzustehen, um Tennis zu spielen und dann – wie schon seit 34 Jahren – ihren Dienst als mächtigste Moderedakteurin der Welt anzutreten.

          Entsprechend aufgeräumt tritt sie mitten in der Prêt-à-Porter-Woche um acht Uhr morgens im Chanel-Kostüm vor mehr als 100 übermüdete Modejournalisten. „Karl Lagerfeld – A Line of Beauty“ wird die Ausstellung heißen – das spielt auf die Zeichenkünste des deutschen Designers an und über das Wortspiel mit „in the line of duty“ („im Dienst“) auch auf sein Pflichtgefühl. Der große Aufwand für diese Neuigkeit hat auch mit den Erwartungen an die Ausstellungseröffnung zu tun: Die „Met Gala“ mit dem Schaulaufen der Prominenten übertrifft den Oscar-Abend an stilistischer Durchschlagskraft – wenn man an legendäre Auftritte von Lady Gaga, Rihanna oder Kim Kardashian denkt.

          Kim Kardashian auf der Met Gala im Mai 2022. Damals erregte sie mit ihrem Auftritt in einem Original-Kleid von Marilyn Monroe Aufsehen.
          Kim Kardashian auf der Met Gala im Mai 2022. Damals erregte sie mit ihrem Auftritt in einem Original-Kleid von Marilyn Monroe Aufsehen. : Bild: AP

          Pharrell über Lagerfelds faszinierende Suche nach Perfektion

          In ihrer kurzen Rede lobt Anna Wintour Lagerfeld als „echten und wunderbaren Freund“, den sie jahrzehntelang bewundert habe. „Er war immer beweglich, nahm dauernd Informationen auf, ohne seine Richtung zu verlieren.“ Er habe zwar nie seine Kleidungsstücke in Museen sehen wollen – aber wenn sie ihn fragte, habe er sich doch beteiligt.

          Der Rapper und Produzent Pharrell, der sich mit dem Modeschöpfer gut verstand und nebenbei für Chanel arbeitete, erzählt, wie Lagerfeld ihn einmal porträtierte. Die Zeichnung sei perfekt gewesen – in seinen, Pharrells, Augen. Aber Lagerfeld habe sie trotzdem weggeworfen, weil sie ihm nicht gut genug vorkam. Das habe ihn fasziniert, sagt Pharrell, „diese dauernde Suche nach Perfektion“.

          Pharrell Williams mit seiner Frau Helen und seinem Sohn Rocket
          Pharrell Williams mit seiner Frau Helen und seinem Sohn Rocket : Bild: Alfons Kaiser

          Die Ausstellung im Metropolitan Museum wird auch deshalb spannend sein, weil Karl Lagerfeld hauptsächlich für Chanel tätig war – aber eben nicht nur. Wie groß wird der Anteil seiner Entwürfe für Fendi sein, die Marke, für die er geschlagene 54 Jahre arbeitete, bis zum vorletzten Tag seines Lebens? Und wie wird die wiederum kleinere Marke unter seinem eigenen Namen bei der Eröffnung auf den Stufen des Museums an der Fifth Avenue und in den Sälen vertreten sein?

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