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Merkels Handtasche : Sie wählt Frankreich

Auf dem Schoß der Macht: Im Plenarsaal kramt Angela Merkel für jeden sichtbar in ihrer Longchamp-Tasche. Bild: ddp images/Clemens Bilan

Kann sie denn nicht in andere Taschen schauen? Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint die Marke Longchamp zu mögen – andererseits: Was ist demokratischer als 300 Euro am Handgelenk?

          Was wurde nicht über die modischen Auftritte von Angela Merkel gespottet! Mandarin sei genau ihre Farbe oder doch besser Mintgrün oder Flieder. Ganze Collagen mit Minibildern von Merkel in bunten Hosenanzügen sorgten für allgemeine Heiterkeit. Auch ihre Handtaschen fanden Erwähnung. Im Vergleich zum Gesamt-Look blieben sie allerdings verdächtig verschont. Das hat seinen guten Grund: Sie sind nämlich gar nicht so schlimm.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit zwei Jahren bedient sich die Kanzlerin vornehmlich der Modelle aus dem französischen Haus Longchamp, nämlich der Shopper-Taschen in Orange, in Schwarz, in Dunkelrot. Die sind so geräumig und unverwüstlich, dass die Bundeskanzlerin darin auch wirklich alle Akten verstaut bekommt, ohne dass das Leder zu reißen droht. Wenn sie dennoch eine neue braucht, ist das eine Sache von einer halben Stunde. Sie schaut einfach schnell in der Berliner Boutique des französischen Familienunternehmens vorbei. Um das Geschäft dann wenig später mit einer weiteren Tasche für ihre Sammlung zu verlassen, muss sie sich nicht einmal verschulden: Das Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Stücke ist optimal.

          Wahrscheinlich werden Merkels Longchamp-Modelle niemals zur Waffe werden wie etwa die schrecklich unvernünftig wirkende schwarze Henkeltasche aus dem britischen Traditionshaus Asprey, das Markenzeichen der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Die Begleiter der Kanzlerin haben eher das Zeug dazu, die Taschen-Version einer verlässlichen Freundin zu sein. Das sind sie schließlich nicht nur für die Kanzlerin, sondern für überaus viele Frauen: Wenn man eine dieser Taschen dringend braucht, sind sie nicht weit, schließlich gibt es sie in jeder mittelgroßen deutschen Stadt zu kaufen. Sie sind nicht billig, aber auch nicht zu teuer. Und man gibt das Geld in der Gewissheit aus, sich stilistisch nichts Grausames anzutun. Gut, man wirkt mit einer Longchamp-Tasche am Arm vielleicht ein bisschen einfallslos. Aber wer würde das nicht in Kauf nehmen, wenn man dafür vor schlechtem Geschmack bewahrt bliebe? Longchamp, das ist eine ziemlich sichere Option für Leute, die modisch nicht weiter auffallen wollen.

          Schrecklich unvernünftig: Margaret Thatcher mit ihrer schwarzen Handtasche

          Trotzdem oder gerade deshalb hat die Marke, die im Jahr 1948 in Paris gegründet wurde, kein sonderlich gutes Image. Weil die Taschen so greifbar nah sind, tragen sie auch die Nachbarinnen, die Hockeymädchen, die Reiterdamen. Neben Angela Merkel eben auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Die ist wochenends oft in Pferdeställen anzutreffen. Wochentags wird sie dann mit einem Blick auf die Tasche an ihr Hobby erinnert, denn auf dem Logo der Marke rennt ein Pferd von rechts nach links, eine Anspielung des Gründers auf die nahegelegene Rennbahn im Bois de Boulogne.

          Das ist natürlich fast schon eine Spur zu elitär für den Auftritt deutscher Politikerinnen. Zugleich klingt die Botschaft einer Longchamp-Tasche, die vor allem zweckmäßig ist, zu verlockend, als dass eine Arbeitsministerin oder eine Bundeskanzlerin nicht zugreifen würde. Die Aussage: Wer ein Longchamp-Modell am Arm trägt, hat eigentlich Besseres zu tun, als sich um so etwas Nebensächliches wie eine Handtasche zu sorgen, und ist dennoch mit einem Funken Gefühl für guten Stil gesegnet. Von der Leyen kann die Lederriemen ihres Modells fast mit ein bisschen Stolz über den Stuhl hängen. Wenn Merkel ihren Platz im Plenarsaal einnimmt, dann stellt sie die Tasche nicht selten  für einen Moment und für jeden sichtbar auf dem Tisch ab. Beide scheinen ganz gut bedient zu sein mit ihren Longchamp-Taschen.

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