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Mode auf dem roten Teppich : Merkels Seiden-Kimono als Statement gegen Fast Fashion

Zur Aufführung von „Lady Macbeth“ am 05. August 2017 im Festspielhaus in Salzburg trug Angela Merkel bereits den farbenfrohen Kimono. Bild: Picture-Alliance

Die Kanzlerin besucht die Festspiele in Salzburg, und alle Welt schreibt über ihren Kimono. Dabei ist ihre Wahl eine sehr kluge Entscheidung.

          Wenn Frauen im Blick der Öffentlichkeit stehen, wandert der nur zu gern auf ihr Äußeres. Angela Merkel bekam das bei ihrem Besuch der Salzburger Festspiele in dieser Woche wieder einmal zu spüren. Österreichische Zeitungen und Onlineportale berichteten schockiert davon, dass Merkel es tatsächlich gewagt hatte, im bunten Seiden-Kimono zu erscheinen – dem selben, den sie doch schon 2017 getragen hat. Und auch da hatte sie ihn nicht für diesen Anlass neu erstanden: „Merkel kam zum vierten Mal im gleichen Kimono“ titelte deshalb in dieser Woche etwa der „Kurier“.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Man fragt sich nun natürlich, was die Aufregung soll. Oder anders gesagt: Wann hat es das letzte Mal Schlagzeilen gemacht, dass ein männlicher Regierungschef irgendwo zwei Mal im selben Anzug aufgetaucht ist? Zumal die Kleiderwahl der Kanzlerin aus ganz anderen Gründen Beachtung finden sollte.

          Denn es stimmt durchaus: Den Kimono hatte Merkel schon mehrmals an. Er ist sogar älter als ihre Kanzlerschaft. Bei einer kurzen Archivsuche lässt er sich auf Bildern von Besuchen der Bayreuther Festspiele (2002, damals noch als CDU-Chefin) ebenso finden wie bei Besuchen der Salzburger Festspiele (2008, 2014, 2017 und nun eben 2019 noch einmal).

          Der Juli kann in Bayreuth sehr heiß sein. 2002 trug Angela Merkel bereits das Seiden-Gewand zur Tannhäuser-Inszenierung während der Festspiele. Bilderstrecke

          Das buntgemusterte Stück soll Merkel in Amerika gekauft haben. Genaueres weiß man nicht über die Herkunft, nur dass das zackige türkis- und pinkfarbene Muster mit den gelb-schwarzen Quadraten auf einem der ausgestellten Ärmel eben nicht einem Retro-Trend entsprungen ist. Der Kauf soll Mitte der neunziger Jahre erfolgt sein, der Kimono ist also mittlerweile ein echtes Vintage-Stück. Obendrein besteht er aus echter Seide, die noch heute top gepflegt glänzt.

          Wenn Merkel mit diesem Outfit also irgendeine Diskussion anregen sollte, dann die über den umweltbewussten Umgang mit Kleidung. Laut aktuellen Zahlen von Greenpeace entsorgen die Deutschen jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen Kleidung. „Jeder Deutsche kauft etwa 69 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lange wie vor 15 Jahren“, heißt es im Greenpeace-Report „Konsumkollaps durch Fast Fashion“. Ein Kleidungsstück also mehr als 20 Jahre zu besitzen, zu pflegen und immer wieder zu tragen, hat da deutliche Vorbildfunktion.

          Im vergangenen Jahr sorgte Cate Blanchett in Cannes als Jury-Präsidentin für Aufsehen, als sie zur Eröffnungsgala in einem Armani-Kleid erschien, das sie bereits vier Jahre zuvor bei den Golden Globes getragen hatte. Die Schauspielerin veröffentlichte daraufhin ein Statement, in dem sie sich dafür aussprach, Kleider „ein Leben lang zu tragen“. Angela Merkel ist damit fast schon eine Vorreiterin auf dem Gebiet der mehrfach getragenen Robe. Auf jeden Fall setzte sie bei ihrem Besuch in Salzburg ein klares Zeichen gegen Fast Fashion.

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