https://www.faz.net/-hrx-89nbp

James Bond : Das Modell Daniel Craig

Mehr als ein Zeitnehmer: In „Spectre“ kann James Bonds Omega-Uhr fast alles. Das Modell für das echte Leben ist begehrt, auch wenn es keine Waffe ist. Bild: Copyright OMEGA SA

Markenprodukte hatten in James-Bond-Filmen schon immer einen festen Platz. Aber so intensiv wie bei dem neuesten Film ist die Zusammenarbeit noch nie gewesen - mit Merchandising- Kollektionen. Wie wäre es mit einer „Spectre“-Tasche?

          Bei dieser Kür dürften die Gäste nicht schlecht gestaunt haben. Zum James-Bond-Film „Goldfinger“ hatte sich das Pariser Luxuskaufhaus Galeries Lafayette in den sechziger Jahren etwas Besonderes ausgedacht. Am 19. Februar 1965 eröffnete mitten im Kaufhaus am Boulevard Haussmann eine „Goldfinger“-Boutique auf Zeit. Am ersten Abend gab es eine Cocktail-Party, verkauft wurden anschließend „Goldfinger“-Schuhe, „Goldfinger“-Anzüge, Trenchcoats - und, im Laufe der Wochen, allein 3000 Paar Manschettenknöpfe. Es war eine Premiere der anderen Art.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Zum ersten Mal überhaupt konnte man dort Produkte mit der Marke James Bond kaufen“, sagt die britische Autorin Llewella Burton, die über dieses Ereignis ein Kapitel zu dem Buch „James Bond Fan Phenomena“ beigesteuert hat, das im November in Großbritannien erscheint. „Es gab sogar goldene James-Bond-Unterwäsche.“

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Schleichwerbung ist in Bond-Filmen eine feste Instanz

          Die Veranstaltung war ihrer Zeit fünfzig Jahre voraus. Auch im Jahr 2015 würde so eine „Goldfinger“-Pop-up-Boutique in einem Kaufhaus wie dem Lafayette Sinn ergeben. Gut, mit der Ausnahme, dass Eon Productions, die britische Produktionsfirma der James-Bond-Filme, heute wohl kaum mehr tatenlos danebenstehen würde. „Damals freuten sie sich einfach, dass Galeries Lafayette auf so eine gute Idee gekommen war. Eon stellte mitten in die Boutique sogar noch einen Aston Martin“, sagt Burton. Und noch etwas wäre heute anders: „Das waren Stücke, die Galeries Lafayette selbst hergestellt hatte.“ Für Design und Produktion dieser Objekte fühlen sich heute hingegen etliche Marken verantwortlich.

          Product Placement - zu Deutsch Schleichwerbung - ist in Filmen nichts Neues. In Bonds Fall handelt es sich sogar um eine feste Instanz, seit den ersten Filmen Anfang der sechziger Jahre. Schon in „Dr. No“ hatte Smirnoff-Wodka seinen Platz. Auf insgesamt rund 45 Millionen Dollar sollen sich die Erlöse belaufen, die Marken im letzten Bond-Film „Skyfall“ dafür gezahlt haben, dass ihre Produkte mitspielen dürfen. Aber jetzt kommt zu den Neuwagen mit strahlenden Logos, den teuren Uhren und bunten Etiketten auf Bierflaschen eine neue Dimension hinzu. Die Kooperationen zwischen Filmen und Modehäusern gehen gerade in die nächste Runde - mit speziellen Film-Linien der Marken, die über einfache Merchandising-Produkte hinausgehen, so wie damals in der „Goldfinger“-Boutique im Lafayette; ein erstes Beispiel, auf das seit einigen Jahren immer mehr folgen.

          Sehr schön ist das an den aktuell erwerblichen Bond-Linien zum Filmstart von „Spectre“ kommenden Donnerstag zu sehen: Die Champagner-Marke Bollinger lanciert eine limitierte „Spectre“-Edition. Von Belvedere gibt es eine „007-Spectre-Flasche“. Omega lanciert gleich zwei Bond-Uhren, die Seamaster 300 und die Aqua Terra, erstere ist seit Juli erhältlich, letztere seit September. Aber viele Modelle dürften von beiden trotzdem nicht mehr übrig sein. Bei Omega sind die Uhren schon ausverkauft.

          Wer Glück hat, findet die Stücke noch bei ein paar Juwelieren. Und die Mitteilung der britischen Luxus-Koffermarke Globe-Trotter zur neuen „Spectre“-Gepäckserie liest sich gleich wie der Text auf einer Karte, die Eltern zur Geburt des Babys verschicken: „Globe-Trotter ist extrem stolz, ankündigen zu dürfen, dass die Marke zur Feier des neuen James-Bond-Films ,Spectre‘ zwei schöne Serien produzieren wird.“

          James Bond ist immer gut gekleidet

          Klar, man kann als Verantwortlicher einer Marke durchaus stolz sein, die eigenen Produkte in Bond-Filmen unterzubringen oder sie mit Bond-Logos im echten Leben versehen zu dürfen. Schließlich ist der Geheimagent James Bond schon qua Rolle immer gut gekleidet und eins der wenigen Stil-Vorbilder, die Männer so haben.

          Öffnen

          „Bond ist ein sehr eleganter Mann, das muss man respektieren“, sagt auch die „Spectre“-Kostümbildnerin Jany Temime, als man sie am Telefon in Atlanta spricht. „Das ist jedes Mal eine Herausforderung.“ Temime entwarf schon für „Skyfall“ die Kostüme. In „Spectre“ steckt sie Daniel Craig jetzt unter anderem in ein weißes Dinner-Jackett mit Boutonniere am Revers, so wie es damals auch Sean Connery in „Goldfinger“ trug. „Ich wusste, ich würde nie wieder einen besseren dunklen Tuxedo entwerfen als für ,Skyfall‘“, erzählt Temime. „Es wäre schön, wenn das weiße Jackett auf diese Weise wieder modern werden würde.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Schließlich hat Temime bei den Anzügen mit Tom Ford zusammengearbeitet. „Ich entwerfe, er produziert.“

          Weitere Themen

          I’ll be there for you

          25 Jahre „Friends“ : I’ll be there for you

          Vor 25 Jahren lief die erste Episode „Friends“. Unsere Autorin ist kaum älter als die Serie – und kennt trotzdem jede Folge. Warum ist die Sitcom zeitlos?

          Topmeldungen

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.