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Markt für Herrenmode wächst : Selbst kauft der Mann

Brauchen keine weibliche Einkaufshilfe: stilbewusste Herren bei der Eröffnung von Pradas „Uomo Store“ in Frankfurt. Bild: Fricke, Helmut

Die Umsätze im Markt für Herrenbekleidung sind in den letzten fünf Jahren kräftig gewachsen. Aber nicht etwa, weil Frauen ihre Männer zum Einkaufen geschleppt hätten. Diese Zeiten sind passé.

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          Lars Braun kennt auch andere Zeiten. Zum Beispiel diese: „Früher lief die Frau vorneweg in den Laden und rief: Wir brauchen . . .“ Im Schlepptau hatte sie nicht etwa ihre motzigen Kinder, sondern den in Shopping-Fragen ebenso wenig aufgeschlossenen Ehemann. „Diese Zeiten sind vorbei“, sagt Braun erleichtert.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Zum Glück.“ Der Vierundvierzigjährige kann es beurteilen. Er führt den Hamburger Herrenausstatter Braun als Familienunternehmen in dritter Generation. Jahrzehntelang waren Männer stolz darauf, Mode zu ignorieren. Allenfalls ihren Frauen zuliebe stimmten sie einem „Umstyling“ zu. Oder sie traten irgendwann nur noch in einer Uniform auf. Es könnte sein, dass sie nun wirklich etwas an der Mode finden. Laut den Marktforschern von Euromonitor steigt der Umsatz in der Herrenbekleidung seit 2009 kontinuierlich an, von damals 15,6 auf zuletzt 17 Milliarden Euro.

          Man erkennt das auch, wenn man diese Nachrichten aus deutschen Fußgängerzonen hört: In Hamburg eröffnete Lars Braun Ende Oktober eine neue Filiale, auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern. Im Kaufhaus Ludwig Beck in München wurde Anfang September eine neue Abteilung eingerichtet, auf 1500 Quadratmetern, und das nur für Männer. Gleich um die Ecke, bei Hirmer, haben die Männer jetzt 9000 Quadratmeter Platz. Bald sollen auch die zum Familienunternehmen gehörenden Eckerle-Läden in ganz Deutschland in Hirmer-Studio umbenannt werden. Und in Frankfurt eröffnete Ende November das erste deutsche Prada-Geschäft, das sich nur an Herren richtet.

          „Der Samstag wird jetzt als Shopping-Tag noch wichtiger“

          Da staunen nicht nur Geschäftsleute und Touristen aus Asien, sondern auch die Frankfurter. Gut möglich, dass die neuen Herrenläden ein Versuch sind, den Mann von iPhone und iPad loszureißen, bevor er es sich allzu bequem macht auf dem Sofa, um Online- Stores zu checken. „Dieses Shopping-Erlebnis kam gerade Männern in den vergangenen Jahren entgegen“, sagt Dirk Wichner, Leiter der Einzelhandelsvermietungen bei Jones Lang LaSalle. Jetzt hoffe man, dass Herren dieses Erlebnis in Zukunft wieder öfter in den Innenstädten suchen. „Dafür aber“, sagt der Handels-Fachmann, „braucht es eben mehr als die Herrenabteilungen, die im zweiten Obergeschoss der Damenläden untergebracht sind.“

          Die Herrenabteilung in der oberen Etage – das wird auch bei Prada immer weniger denkbar, zumindest in den wichtigen Städten. Neben dem Frankfurter Store plant die Mailänder Marke, weitere Läden für Männer zu eröffnen, in London, New York und Paris. Das könnte auch deren Anteil am Gesamtumsatz steigern, der heute bei 25 Prozent liegt. Eine Trennung in Damen und Herren könnte der Marke generell guttun: In den Damen-Stores wird sie weiter wegen Bekleidung und Accessoires, also Handtaschen und High Heels, wahrgenommen, in den Herrenläden hingegen als Spezialist für Maßanzüge.

          Wer sich jemals einen solchen Anzug hat fertigen lassen, der weiß, dass man dafür viel Zeit braucht. „Der Samstag wird jetzt als Shopping-Tag noch wichtiger“, sagt Lars Braun. Früher habe er 25 bis 30 Prozent seines Umsatzes an Samstagen gemacht. Heute seien es bis zu 35 Prozent. „Außer an heißen Tagen im Juli. Dann ist der Timmendorfer Strand zu schön.“ Die Männer sollen ja nicht immer nur shoppen.

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