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Wiener Mode in Indien : Botschaft in Leder

  • -Aktualisiert am

„Ahs“ und „Ohs“ im Zuschauerraum: Marina Hoermanseder zeigt ihre Mode in Delhi. Bild: Deutsche Botschaft

Die Modeschöpferin Marina Hoermanseder steckt indische Frauen in Kleider aus Leder – und stößt damit auf Begeisterung. In der deutschen Botschaft in Delhi zeigt sie ihre Entwürfe.

          Als der Botschafter anrief, war Marina Hoermanseder begeistert. Eine Modenschau in Indien, im Garten der Deutschen Botschaft, anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls – das wollte sie machen. Doch dann machte sie sich Gedanken: Ihre Kollektionen, provokant und raffiniert zugleich, bestechen durch hautenge Korsagen mit Schnürriemen und Gesichtsmasken.

          Auf der Berliner Modewoche rief sie damit Aufsehen hervor, Prominente wie Lady Gaga zählen seither zu ihren Kunden. Wie würde eine solche Kollektion, die mit Leder- und Fetisch-Elementen spielt, in Indien ankommen, wo Kühe als heilig gelten und wo über die Stellung der Frau in der Gesellschaft heftig debattiert wird?

          „Da kann ich nicht als Designerin herkommen und knallhart meine Lederkollektion zeigen“, sagt die Österreicherin mit französischen Wurzeln. Es sollte ihre erste Show außerhalb Europas sein, da durfte nichts schiefgehen. Also machte sich die Designerin daran, eine Balance zwischen ihrer Mode und den Gästen der Botschaft zu finden.

          „Kreativ, unkonventionell, zum Teil frech“

          Marina Hoermanseder hat 2013 an der Berliner Esmod-Schule ihr Studium mit einer Diplomkollektion abgeschlossen, die inspiriert war von Medizin und Orthopädie. Aus einer Halsstütze zur Wirbelsäulenbehandlung entwickelte die Designerin ihre Gesichtsmasken, die sich über Kinn und Lippen ihrer Models ziehen. „Ich habe das Leder vom Nacken nach vorne gezogen, um zu zeigen, was man alles mit diesem Material machen kann.“ Die Maske ist für sie zum Zeichen der Handarbeit geworden. „Aber das in Indien zu zeigen, das war mir zu heiß.“ Eine Frau in Indien mit Gesichtsmaske, dazu Lederriemen, die wie Ketten wirken könnten: „Solche Assoziationen wollte ich vermeiden.“

          Mit ihren provokanten Lederentwürfen sorgte Marina Hoermanseder bereits auf der Berliner Modewoche im Juli für Aufsehen. Bilderstrecke

          Am Wochenende war es dann so weit. Michael Steiner, der deutsche Botschafter in Delhi, hatte etwa 1400 Gäste in die Residenz geladen. Zu Beginn der Veranstaltung teilte eine mannshohe Mauer den Botschaftsgarten in Ost und West. Nach einem kurzen Film über die deutsche Teilung forderte Steiner die Gäste auf, die Mauer einzureißen. Die Styropor-Mauer fiel, und der Botschaftsgarten war wieder vereint. Das Fundament der trennenden Mauer wurde umfunktioniert zum Laufsteg. Auch an diesem Abend wurde ein neues, offenes Berlin geboren, denn dafür, so meinte Steiner, stünden die Entwürfe: „kreativ, unkonventionell, zum Teil frech“.

          Nächste Idee: Ein Sari aus Leder

          Die 19 indischen Models trugen auch Lederriemen, teils ganze Schnallenkonstruktionen, die wie Rüstungen auf ihren schmalen Schultern lagen. „Das wollte ich auf jeden Fall durchziehen.“ Dabei spielt Hoermanseder gekonnt mit Gegensätzen. Sie bricht mit Konventionen, aber arbeitet mit handwerklicher Raffinesse. Mal umschmeicheln mädchenhafte Farben auf weichen Stoffen die Körper der Models.

          Dann weht trotz 36 Grad ein leichter Hauch durch den Botschaftsgarten. Im Publikum waren „Ahs“ und „Ohs“ zu hören. „Toll“, sagt eine ältere Inderin, „die jungen Leute sollen das ruhig tragen.“ Sie selbst bevorzuge aber einen Sari. Zenab Alam, eine junge indische Modemacherin, fühlt sich inspiriert: „Aber unter Leder schwitzt man sehr, und im Sommer haben wir in Delhi 45 Grad.“ Auch die Models sind begeistert: Sanya, 21 Jahre alt und aus Mumbai, hofft, dass mit solchen Kollektionen frischer Wind in die indische Mode kommt.

          Marina Hoermanseder jedenfalls will wiederkommen. Vor allem Accessoires böten viele Möglichkeiten, ihre Mode mit indischen Vorstellungen zu verbinden. Eine Sari-Kombination mit Lederelementen? Warum nicht!

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