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Statt Dirndl und Haute Couture : Wo der Erfolg der deutschen Mode liegt

  • -Aktualisiert am

Ins Licht: Im Fotostudio von Marc O’Polo in Stephanskirchen wird das Model Jolie Chang (Metro Models) fotografiert. Bild: Maria Irl

Nicht in der Haute Couture und nicht im Billigsegment liegen die Chancen der deutschen Mode. Vielmehr bedienen einige Marken höchst erfolgreich den Markt in der Mitte.

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          Wenn es um Mode geht, denken die meisten intuitiv an Mailand oder Paris, an große Namen wie Dior, Fendi, ­Hermès oder Dolce & Gabbana, die auf eine lange Tradition zurückblicken können – und die sich in diesen Tagen auf den Modewochen in Mailand und Paris in ­spektakulären Schauen inszenieren. Dieses Modepotential hat Deutschland nicht zu bieten. Jil Sander hat ihre Marke vor mehr als zwei Jahrzehnten an die Prada-Gruppe verkauft und lebt zurückgezogen in Hamburg. Karl Lagerfeld war schon früh nach Paris gegangen und nur noch für „money jobs“ nach Deutschland zurück­gekehrt. Und Wolfgang Joop machte in den vergangenen Jahren mehr mit seinen markigen Sprüchen auf sich aufmerksam als mit seinen Entwürfen. Immerhin: Mit der Marke „Looks“ bleibt er im Geschäft. Und schließlich: Auf der Berlin Fashion Week hat man viele junge Designer kommen und gehen sehen. Bis auf wenige Ausnahmen – wie Lala Berlin oder Kaviar Gauche – sind die meisten von ihnen international nicht richtig angekommen.

          Der Erfolg deutscher Mode liegt nicht in der Haute Couture und nicht im Segment der Billiganbieter, sondern im Markt der Mitte. Genau darauf zielen Marken wie Marc O’Polo, Closed, Drykorn oder Opus ab. Sie alle stehen für moderne und trag­bare Mode, die viele Menschen anspricht. So kostet ein Pullover aus Schurwolle von Marc O’Polo rund 179 Euro, eine Hose liegt zwischen 119 und 179 Euro. Das ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die klare stilistische Handschrift mit Fokus auf Casual-Mode und Nachhaltigkeit hat dem Unternehmen in der Pandemie Rekord­umsätze beschert. Die Marc O’Polo Group erzielte im Geschäftsjahr 2021/22 einen Markenumsatz von 592 Millionen Euro. Das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem die jüngere Linie Marc O’Polo Denim hat mit fast 80 Prozent Zuwachs zum Wachstum beigetragen. „Sicher haben uns das Thema Nachhaltigkeit und die Pandemie mit dem Trend zu Casualmode in die Karten gespielt“, sagt CEO Maximilian Böck. „Aber Nachhaltigkeit steht seit Unternehmensgründung bei uns im Fokus. Wir haben schon vor Corona die Weichen gestellt und unsere aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie definiert. Entsprechend groß ist unser Vorsprung im Markt.“

          Die deutsche Mode stammt aus der Provinz

          Sein Vater, Werner Böck, hatte schon 1968 das Potential der Marke erkannt, die ihre Wurzeln in Schweden hat. Das erste Kollektionsteil war ein Patchwork-Hemd aus handgewebter indischer Baumwolle. Die erste Werbekampagne zierte eine Erdbeere – die Anzeigenmotive erregten viel Aufsehen. Werner Böck holte die Marke nach Deutschland und gründete eine Tochtergesellschaft in Stephanskirchen bei Rosenheim. In den Achtzigerjahren hatten die Sweatshirts mit dem übergroßen Marc-O’Polo-Schriftzug auf dem Rücken Kultstatus. Ende der Neunziger übernahm Böck die Mehrheit der Marke und verlagerte den Firmensitz nach Deutschland.

          Marc O’Polo aus Stephanskirchen; Odeeh, die Marke der beiden Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich, aus Giebelstadt bei Würzburg; s.Oliver (ursprünglich Sir Oliver) aus Rottendorf in Unterfranken; Windsor mit Sitz in Kreuzlingen an der schweizerisch-deutschen Grenze: Die deutsche Mode hat weltläufige Namen, stammt aber aus der Provinz. Ein Beispiel dafür war auch die inzwischen abgewickelte ­Marke Strenesse (aus „Strehle“ und „Jeunesse“) aus dem schönen Nördlingen.

          „For beautiful people“

          Der puristische Stil, von Jil Sander und Gabriele Strehle einst gepflegt, ist auch für Marc O’Polo ein Markenzeichen. „Wir stehen für Casualwear mit skandinavischer Handschrift, sind eher schlicht und stehen für langlebige Lieblingsteile, die man gerne und möglichst lange tragen möchte“, sagt Susanne Schwenger, die als CPO für das Design verantwortlich ist.

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