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Lagerfeld plant Hotelkette : Sechs Sterne Karl

Karl Lagerfeld. Bild: Helmut Fricke

Da ist für jeden was dabei: Die Marke Lagerfeld expandiert kräftig. Die größten Potentiale stecken im Onlinehandel. Das in jedem Wortsinn höchste Ziel strebt die Marke aber im kommenden Jahr an.

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          Und dann gibt es immer wieder Zufälle, die das schnöde Geschäft von heute mit der schönen Geschichte von einst verbinden. Als die Marke Karl Lagerfeld ihren Laden für Männermode in Hamburg eröffnete, in Lagerfelds Geburtsstadt also, konnte der Modemacher bei der Eröffnung nicht dabei sein. Pier Paolo Righi, der Geschäftsführer der Marke, zeigte ihm die Bilder von der Kaisergalerie – und musste nichts näher erläutern. Lagerfeld erkannte die Passage sofort an den schönen Ornamenten und erinnerte sich daran, wie er als Kind oft an der Galerie vorbeilief, in der damals auch das Ohnsorg-Theater zu Hause war.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Es könnte noch öfter zu solchen Begegnungen mit der Vergangenheit kommen. Denn Pier Paolo Righi ist in geschäftlichen Dingen nicht weniger ambitioniert als Lagerfeld in Sachen Mode. In den nächsten Jahren wird er noch viele Geschäfte eröffnen. Manchmal sind es freilich nur Pop-up-Stores, wie in Frankfurt, wo es bis zum Ende des Jahres einen vorübergehenden Laden an der Goethestraße gibt. „So ein Pop-up-Store hat viele Vorteile“, sagt Righi. „Man kann Ideen ausprobieren, mit Künstlern zusammenarbeiten, Zeichnungen von Lagerfeld ausstellen.“ So schaut er nun, ob auch Frankfurt ein möglicher Standort wäre, wie es Düsseldorf, Hamburg, München und Berlin schon sind. Die ersten Monate mit dem Laden, der von Taschen über Schuhe bis Mode ein großes Sortiment anbietet, waren vielversprechend. Nach solchen Experimentierflächen schaut der Geschäftsführer nun in vielen Ländern.

          „Engagiert wie ein Haupteigentümer“

          Pier Paolo Righi, ein Deutsch-Italiener mit leicht schwäbischem Zungenschlag, der vorher bei Nike als Chef für Deutschland und Zentraleuropa wirkte, hat bisher ein sportliches Tempo vorgelegt. In gerade einmal vier Jahren, in denen die Marke existiert, hat er 54 Geschäfte auf der ganzen Welt eröffnet – 25 davon betreibt die Marke selbst, 29 werden mit Franchise-Partnern bewirtschaftet. Zu den Geschäftseröffnungen kommt Lagerfeld selten persönlich. Denn erstens hat er schon in Paris für Chanel und in Rom für Fendi viel Arbeit. Und zweitens ist er gar nicht selbst an der „Kingdom Holding 1 B.V.“ beteiligt, der Amsterdamer Muttergesellschaft, die 100 Prozent an der Karl Lagerfeld Group B.V. hält.

          Noch nicht von seinem Job gezeichnet: Pier Paolo Righi, hier vor Karl-Lagerfeld-Zeichnungen im Pop-up-Store an der Frankfurter Goethestraße, trägt die Marke Karl Lagerfeld in die Welt hinaus.
          Noch nicht von seinem Job gezeichnet: Pier Paolo Righi, hier vor Karl-Lagerfeld-Zeichnungen im Pop-up-Store an der Frankfurter Goethestraße, trägt die Marke Karl Lagerfeld in die Welt hinaus. : Bild: Getty

          Stattdessen stehen hinter „Karl Lagerfeld“ der ehemalige Hilfiger-CEO Fred Gehring, mehrere Manager (auch Righi selbst), die Hongkonger Familie Chou, neuerdings mit 19 Prozent die New Yorker G-III Apparel Group, Apax Partners in London und nicht zuletzt PVH, Eigentümerin von Calvin Klein und Tommy Hilfiger. So viel Sachverstand und so viel Expansionsdrang – da kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Oder? „Es ist ein sehr guter Mix aus Leuten, die helfen können, unsere Vision zu verwirklichen“, sagt Righi diplomatisch. „Und wie Lagerfeld engagiert ist, das ist so, als wäre er Haupteigentümer.“

          Ohne Partner geht es nicht

          Die Anteilseigner kennen das Kundenpotential. „Eine sehr große Konsumentengruppe spricht auf Karl Lagerfeld an“, sagt Righi. „Männer wie Frauen, die klassische Chanel-Kundin und das 20 Jahre alte Social-Media-Mädchen.“ Jeder Standort wird auf die Konsumenten zugeschnitten. Aber in vielen Weltgegenden muss man Kompromisse schließen. „Zum Beispiel haben wir acht Geschäfte im Mittleren Osten aufgemacht. Das können wir nicht ohne Partner, also haben wir uns mit der Chalhoub-Gruppe zusammengetan, die den Handel dort am besten kennt.“ Die Herrenmodeläden in Russland werden ebenfalls von einem Franchise-Partner betrieben. Bei den acht Läden in China hilft der erfahrene Joint-Venture-Partner Silas Chou, der als Anteilseigner besonders motiviert sein dürfte.

          „Nicht jeder Store kann ein Selbstläufer sein“: Blick in einen Lagerfeld-Laden in Amsterdam.
          „Nicht jeder Store kann ein Selbstläufer sein“: Blick in einen Lagerfeld-Laden in Amsterdam. : Bild: dpa

          In diesen Wochen beginnt die Launch-Kampagne in Amerika. Auch da hilft ein Anteilseigner, die G-III Apparel Group, die auch Lizenznehmer von Calvin Klein ist. Mit ihr hat die Karl Lagerfeld Group B.V. vereinbart, den nordamerikanischen Markt anzugehen. Zunächst heißt das: Department Stores wie Bloomingdale’s, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue. Dann sollen eigene Läden an der Westküste und in New York eröffnet werden.

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